Auf gehts nach Lilongwe

Mittlerweile waren Julia und ich schon fast 4 Wochen hier Malawi. Das bedeutete, dass unsere Aufenthaltserlaubnis, die für 30 Tage gültig war, bald ablaufen würde. Aus diesem Grund und weil wir außerdem Karten für ein Festival Ende des Monats kaufen wollten, mussten Julia und ich in die Hauptstadt Lilongwe, die ein ganzes Stück südlich von Chilumba liegt.

Wir brachen also sehr früh (um 6:00 Uhr) von Zuhause auf, mit dem Ziel um 12:00 Uhr einen Bus von Mzuzu nach Lilongwe zu erwischen. Allerdings hatten wir noch kein Ticket, da man diese nicht im Internet kaufen kann, weshalb wir möglichst früh in Mzuzu sein wollten. Wir gingen also zur Nahe gelegenen Straße, um in einen Minibus zu steigen. Schon nach ungefähr 50 Metern gehen kam von hinten das erste Auto in die richtige Richtung. Und wir hatten Glück: es war ein Minibus. Wir gaben dem Fahrer ein Zeichen, dass wir mitfahren wollten und er hielt am Straßenrand. Der Bus war noch leer, weshalb wir uns nach vorne setzen konnten, nachdem wir den Preis ausgehandelt hatten. Und das war wirklich sehr gut, denn wir hatten gepolsterte Sitze, genug Beinfreiheit und Julia hatte sogar einen Gurt – eine sehr komfortable Minibusfahrt.

Nach ca. 3,5 Stunden Fahrt erreichten wir Mzuzu um kurz vor 10 Uhr. Dort fragte Julia eine Frau nach dem Weg zum Busterminal, nachdem uns unzählige Taxifahrer angeboten hatten, uns für überwucherte Preise zu fahren. Die Frau erkundigte sich kurz selber nach dem Weg und brachte uns dann den ca. fünfminütigen Fußweg zum Büro der Busgesellschaft. Dabei warnte sie uns netterweise auch vor Dieben. Wir verabschiedeten uns dankbar und betraten den Schalter. Wieder hatten wir Glück- es waren noch einige Plätze im Bus frei und wir kauften uns zwei Tickets. Bis zur Abfahrt des Busses hatten wir noch fast zwei Stunden Zeit und wir beschlossen, uns ein Frühstück zu besorgen. In einem Supermarkt gleich nebenan fanden wir Sesambrötchen, Margarine und Käse. Draußen vor dem Supermarkt aßen wir das erste Mal seit langem wieder ein Käsebrot. Als wir aufgegessen hatten, beschlossen wir, ein bisschen herum zu gehen. An einem der Marktstände fanden wir Äpfel, die hier im Norden Malawis eher selten und in Chilumba gar nicht erhältlich sind. Wir kauften uns jeder einen und gingen weiter, auf der Suche nach einer Möglichkeit, aufs Klo zu gehen. Wir fanden ein Restaurant, in dem wir danach fragten, bekamen jedoch die Antwort, es gäbe keins. Als wir gerade wieder weitergehen wollten, fragte uns ein Mann durchs Fenster, ob uns geholfen worden wäre. Als wir verneinten, bat er uns, mit ihm zu kommen und führte uns in ein kleines Hotel gleich nebenan, dessen Besitzer er war. Dort ließ er uns das Badezimmer eines der Zimmer benutzen.

Wir gingen noch ein kleines bisschen weiter spazieren und begaben uns dann um kurz nach 11 zurück zur Busstation. Leider hatte dieser etwas Verspätung, sodass wir nicht wie geplant um 12, sondern um 12:45 Uhr abfuhren.

Wir setzten uns auf unsere Sitze und der Bus fuhr durchs Land, dessen Vegetation sich hier schon etwas von der in der Chilumba Gegend Unterschied: es schien weniger und kleinere Bäume zu geben. Auf dem Weg sahen wir außerdem immer mal wieder Rauchsäulen von Wald-/und Buschbränden.

Ungefähr fünfeinhalb Stunden später erreichten wir schließlich unser Ziel Lilongwe. Vor allem die letzte halbe Stunde war es nur sehr langsam voran gegangen, da es in Lilongwe sehr viel Verkehr gab. Als wir aus dem Bus gestiegen waren, war es kurz nach 6 und mittlerweile stockdunkel. Wir orientierten uns kurz und stiegen dann in ein dreirädriges Taxi, das sich durch den Vekehr zum Mabuya Camp schlängelte, wo ich einen Tag vorher ein Zimmer gebucht hatte. Es war genau das gleiche Camp, wie das, wo wir direkt nach unserer Landung in Malawi vor mittlerweile fast vier Wochen übernachtet hatten. Es fühlte sich ganz lustig an, jetzt wieder hier zu sein. Nachdem wir unsere Sachen in unsere Hütte gebracht hatten, gingen wir im Pool des Camps schwimmen. Auch wenn das Wasser sehr kalt war, tat es echt gut nach der langen Busfahrt im Dunkeln zu schwimmen. Als wir wieder aus dem Wasser kamen aßen wir zu Abend und setzten uns anschließend zu ein paar Anderen an den Tisch, die aus Augsburg kamen und gerade für drei Wochen hier Urlaub machten.

Rauch aus dem Busfenster

Mit Freunden treffen

Sonntag, 8. September

Genau wie am vorigen Tag war es heute sehr windig und hatte diese Nacht sogar ein bisschen geregnet, obwohl die Regenzeit erst in zwei Monaten anfangen sollte. Um kurz nach sieben standen Julia und ich auf und frühstückten. Kurz darauf kam Denis vorbei und setzte sich zu uns.

Um kurz nach 9 machten wir uns auf den Weg zur Kirche, wo wir bis 11:30 Uhr blieben. Felix und Marys Tochter waren ebenfalls dort. Nachdem wir kurz mit Felix geredet hatten, gingen wir wieder nach Hause und während Julia das Mittagessen kochte, wusch ich meine Wäsche.

Gegen 15:30 Uhr kamen Mary und Grace uns besuchen. (Zwei Mädchen, die wir vor zwei Wochen auf der Beerdigung getroffen hatten.) Auch Cliffort und Denis waren da und wir spielten Karten und unterhielten uns. Kurz bevor die Sonne unterging, gingen Mary und Grace nach Hause und Julia und ich gingen zum Haus des Direktors, um ihm etwas zu bringen. Leider war er nicht da, weil er nach Karonga gefahren war. Wir trafen aber auf Pricilla, die Sekretärin der Tawuka School und den Enkel des Direktors. Dieser gab uns eines unserer Fahrräder zurück, das wir zur Schule gebracht hatten, um es reparieren zu lassen. Das andere war noch dort. Nachdem wir uns kurz mit Pricilla unterhalten hatten, gingen wir wieder nach Hause, bevor es ganz dunkel wurde.

Wieder zurück Zuhause, bat unser Nachbar uns, mit ihm zu Essen. Er hatte Reis, Gemüse und Usipa (sehr kleine Fische) gekocht. Wir hatten noch etwas Kartoffeln mit Tomaten und Soja Stücken übrig, die wir aufwärmten und ebenfalls dazu gaben. Wie die meisten anderen Dinge hier auch, wurde der Reis mit den Händen gegessen, was mir leider ziemlich schwer viel. Nach dem Essen gingen wir wieder rein und trafen auf Cliffort, der auf unserer Terrasse einen kleinen Tisch mit einer Decke drauf aufgebaut hatte. Auf unserer Wäscheleine hingen einige seiner Hemden und er bügelte sie mit einem mit Kohle gewärmten Bügeleisen. Wir stellten uns ein bisschen zu ihm und später kamen auch Euleka und Denis vorbei.

Montag, 9. September

Wieder einmal standen Julia und ich gegen halb sieben auf und kehrten unseren Vorgarten. Im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen war es nicht mehr so windig, sodass es sich auch wieder lohnte. Bald nach dem Frühstück gingen wir zum Markt um uns Kartoffeln, Eier und neues Internet fürs Handy zu kaufen. Auf dem Rückweg schauten wir noch kurz bei der Schule vorbei und verbrachten den restlichen Vormittag Zuhause.

Um 13:00 Uhr trafen wir uns mit Matha, die wir vor ca. zwei Wochen getroffen und mit der wir auch schon am See gewesen waren. Wir trafen uns an einem kleinen Markt, der mit dem Fahrrad 15-20 Minuten von uns entfernt lag. Von dort führte sie uns einen Sandweg entlang, der nach kurzer Zeit zu sandig zum Fahrradfahren wurde. Wir gingen also zu Fuß weiter, an einigen Häusern vorbei, bis wir das von Mathas Familie erreicht hatten. Das Haus liegt sehr schön, ungefähr 200 Meter vom See entfernt auf einer relativ freien Fläche.

Matha führte uns ins Haus, wo wir uns auf eine Bank setzten und uns kurz unterhielten. Kurz darauf verschwand Matha nach draußen und kam einige Minuten später mit einem Tablett mit vier Schüsseln mit Deckeln drauf zurück. Sie sagte uns, wir sollten essen und wollte nach draußen gehen. Wir fragten sie, ob sie nichts essen wolle und sie erklärte uns, sie würde draußen essen. Etwas ähnliches war uns auch schon passiert als wir das erste Mal bei Nyapetis Familie gewesen waren: Nyapeti und wir beide waren die einzigen gewesen, die drinnen gegessen hatten, während die anderen draußen auf einer Bambusmatte das Essen zu sich genommen hatten. Wir wollten aber nicht zusätzlich zu dem für uns zubereiteten Essen auch noch das Esszimmer für uns beanspruchen, weshalb wir Martha baten sich zu uns zu setzten, was sie dann auch tat. Es gab Reis mit Mangold, Huhn und Fisch in Tomatensoße. Alles schmeckte wieder sehr gut.

Nach dem Essen gingen wir nach draußen zu Marthas Tante, Onkel und Oma. Als wir Ihnen erzählten, dass wir schon unseren Nachbarn dabei geholfen hatten, Cassava für das Trocknen vorzubereiten führte das zu sehr viel erfreutem Gelächter. Kurzerhand gingen Martha und ihre gleichaltrige Tante Adafe mit uns hinters Haus, um mit uns den Cassava zu formen, was zu noch mehr Begeisterung bei den Beteiligten führte. Als wir die Schüssel mit Cassava verarbeitet hatten, setzten wir uns wieder zu den Anderen und Martha verschwand im Haus. Kurz darauf wurden wir auch dazu verdonnert unsere Nsima-Kochkünste zu präsentieren. Und als Julia sogar eine recht passable Portion Nsima zustande brachte, freuten sich wieder alle sehr.

Anschließend würden wir ins Haus gebeten und Matha und Adafe zeigten uns deren Zimmer, wo Matha gerade dabei war sich ein pinkes Kleid anzuziehen und uns bat ein Foto von ihr zu machen. Sie hatte sich extra dafür schön hergerichtet, da sie anscheinend ziemlich selten die Gelegenheit hatte, ein Foto von sich zu bekommen. Sie hatte zwar ein Handy, allerdings eines ohne Kamera. Während Martha sich drinnen wieder umzog, spielten Julia und ich mit einigen der Kinder Fußball. Kaum waren wir fertig, bekamen wir eine Schüssel mit Wasser und Seife, womit wir uns die Füße waschen konnten. Eine sehr nette Geste, vor allem wenn man bedenkt, dass Mathas Familie keinen Anschluss zu fließendem Wasser hat und sich dieses immer aus dem See holen muss. Als wir unsere Füße gewaschen hatten, gab uns Dola, eine der Frauen auch noch eine Bodylotion zum verwenden. Dola war außerdem sehr motiviert, uns neue Vokabeln auf Tumbuka in unser kleines Wörterbuch einzutragen.

Gegen 16:00 Uhr wurden wir von einigen der Frauen und Kinder ein gutes Stück Richtung Straße, von Martha und Adafe sogar ganz bis zur Straße gebracht, was ein Fußweg von mindestens 20 Minuten ist. Wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen uns bald wieder zu sehen und traten den restlichen Weg nach Hause an. Da wir nur ein Fahrrad hatten (das andere hat einen Platten) und wir große Teile der Strecke zu Fuß gehen mussten, weil die Straße zu steil bergauf führte, brauchten wir ziemlich lange nach Hause, wo wir gegen 17:20 Uhr ankamen.

Dort verarbeiteten wir die frisch gekauften Kartoffeln zu Kartoffelpuffern, mit dem Plan, diese an unsere Nachbarn zu verteilen. Noch während wir mit dem Kochen beschäftigt waren, bat uns unser Nachbar von gegenüber (mit dem wir auch gestern schon gegessen hatten und dessen Frau gerade nicht da ist), mit ihm Nsima zu essen. Wir setzten uns also mit unseren Kartoffelpuffern zu ihm – ein interessantes malawisch-deutsches Abendessen. Die restlichen Kartoffelpuffer verteilten wir an unsere anderen Nachbarn, die wenige Meter entfernt ebenfalls zu Abend aßen und an Cliffort und Euleka, die uns wieder besuchen gekommen waren. Alle schienen sich über die Kartoffelpuffer zu freuen und es kam auch niemand zu uns, um uns zu sagen Sie hätten nicht gut geschmeckt…

Das Bügeleisen
Cliffort beim Bügeln
Adafe, Julia und ich beim Cassava formen
Julia, Matha und ich
Julia beim Nsima kochen

Hochzeit

Samstag, 7. September

Wie Mary schon vor zwei Wochen angekündigt hatte, fand diesen Samstag eine Hochzeit statt. Sie hatte eigentlich mit uns hingehen wollen, war jedoch noch in Mzuzu, weil ihr Bruder dort im Krankenhaus war. Aus diesem Grund ging Marys Tochter mit uns zur Hochzeit, die uns erklärte, der Bräutigam sei ihr Bruder.

Den Vormittag verbrachten Julia und ich zuhause und trafen uns dann um 13:30 Uhr mit Marys Tochter an der nahe gelegenen Kreuzung. Von dort gingen wir nach Uliwa in einen Saal der Unique Private Secondary School. Als wir eintraten, war schon einiges los, das Brautpaar und deren Trauzeugen tanzten zur Musik, während einige Leute drumherum standen und fröhlich zusahen. Die Tanzenden bewegten sich langsam ans vordere Ende des Saals, wo sie weiter tanzten. Die vier Trauzeuginnen trugen alle das gleiche, lange dunkelblaue Kleid, während die Männer graue Anzüge mit weißen Hemden trugen. Viele der Hochzeitsgäste trugen ebenfalls relativ festliche Kleider oder Anzüge, einige waren aber auch sehr alltäglich gekleidet, zum Beispiel mit T-Shirt und Chitenje.

Wir blieben ca. zwei Stunden bei der Hochzeit. Während dessen wurde die meiste Zeit vorne getanzt und immer wieder kamen Leute nach vorne und warfen Geld auf das Brautpaar oder in einen Korb, der ihnen hingehalten wurde. Auch dabei wurde getanzt. Julia und ich standen mit einigen anderen Frauen und Kindern am Rand und sahen zu. Eine Frau mit Mikrofon machte immer wieder Ansagen, die Julia und ich (bis auf ein paar einzelne Wörter und Zahlen zwischendurch) nicht verstanden. Außerdem wunderten wir uns ein bisschen, dass Marys Tochter sich sehr im Hintergrund aufhielt, dafür, dass der Bräutigam ihr Bruder war. Das könnte aber auch daran liegen, dass der Begriff „Bruder“ hier in Malawi auch oft für Cousins oder Freunde verwendet wird, weshalb der Bräutigam möglicherweise genau genommen doch nicht ihr Bruder ist.

Gegen 16:30 Uhr gingen wir zurück nach Hause, wo wir ca. 50 Minuten später ankamen. Julia und ich setzten uns zu unseren Nachbarinnen, die auf Matten auf dem Boden draußen saßen. Nyapeti fragte uns, ob wir Nsima wollten, was wir nach kurzem überlegen mit Ja beantworteten. Nur wenige Minuten später kam eine unserer Nachbarinnen mit einer Schüssel mit kleinen gekochten Süßkartoffeln, die wir alle zusammen aßen. „Auch gut!“ dachte ich mir. Womit ich nicht gerechnet hatte, war dass eine unserer Nachbarn ca. eine halbe Stunde später anfing, Gemüse für uns zu kochen – als Beilage für das Nsima. Dieses gab es zusammen mit dem Gemüse und gegrilltem Fisch bei Nyapeti. Schon wieder etwas zu Essen, verhungern werden wir hier auf jeden Fall nicht 🙂 Nach dem Essen gingen Julia und ich nach drinnen, wo uns später Denis und Cliffort besuchten.

Ein kurzer Ausschnitt

Entspannen zu Hause

Dienstag, 3. September bis Freitag , 6. September

Zurück aus Mzuzu verbrachten wir die Tage entspannt und die meiste Zeit Zuhause. Wir nutzten die Zeit, um unsere Wäsche zu waschen, zu kochen, Musik zu machen, oder mit kreativen Arbeiten. Vor allem verbrachten wir viel Zeit mit unseren Nachbarn. Euleka und Cliffort kamen oft mit Freunden oder ihrem Bruder Denis, der eigentlich in Karonga (nördlich von Chilumba) wohnt. Wir unterhielten uns mit Ihnen, spielten Karten, usw.

Am Mittwoch gingen Julia und ich mittags in einen nahe gelegenen Wald, um dort spazieren zu gehen. Dort war es sehr schön ruhig und die Bäume hatten teilweise echt interessante Formen. Auch am Dienstag Nachmittag waren wir schon hier gewesen, jedoch nur sehr kurz. Als wir eine Weile gegangen waren, machten wir uns auf den Rückweg, wo wir uns gleich auch Eier und Öl kauften. Außerdem kamen wir auch an der Tawuka School vorbei, wo wir auf Felix trafen und uns kurz mit ihm unterhielten.

Den Donnerstag Vormittag verbrachten wir wieder Zuhause, die meiste Zeit auf unserer Terrasse. Mittags, als Julia und ich gerade mit Denis ein malawisches Kartenspiel (ähnlich wie UNO) spielten, bat Patson (unser Lehrer-Nachbar) uns in sein Haus, um mit ihm zu Mittag zu Essen. Wir gingen hinein und setzten uns zu Patson und seinem besten Freund, der aus Chitipa angereist war. Es gab Nsima mit Gemüse und Huhn. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch ein bisschen mit den beiden und gingen dann gegen 15:00 Uhr los, Richtung Uliwa. Dort wollten wir unseren Essensvorrat wieder etwas aufstocken, der in den letzten Tagen ziemlich abgenommen hatte. In Uliwa angekommen, streiften wir über den Markt und kauften uns, was wir brauchten, was schon um einiges routinierter und entspannter ablief, als an unserem ersten Marktbesuch. Gegen 17:00 Uhr waren wir wieder zu Hause und Julia kochte uns die frisch gefischten Fische, die wir gerade erstanden hatten. Abends kamen wieder Euleka, Cliffort und Denis vorbei und wir unterhielten uns mit Ihnen.

Am Freitag gegen 7 Uhr kam der Enkel des Direktors vorbei und sagte, wir sollten um 8 Uhr zur Schule kommen. Außerdem nahm er unsere Fahrräder mit, die beide kaputt waren, um sie reparieren zu lassen. Julia und ich machten uns fertig, aßen je ein kleines Gebäckstück, das wir gestern in Uliwa gekauft hatten und gingen schließlich zur Schule. Als wir in der Schule ankamen, trafen wir Felix in einem Büro und redeten ein bisschen mit ihm. Hauptsächlich ging es um den Kindergarten, der gerade kurz vor der Eröffnung stand und zur Tawuka School gehört. Felix erklärte uns ein paar seiner Pläne und wie wir dabei unterstützen könnten. Zum Beispiel das Alphabet mit passenden Bildern an die Wände malen. Anschließend erklärte er uns, dass er heute mit uns herumfahren würde, um einige Dinge zu erledigen.

Kurz darauf ging es auch schon los: Joha fuhr mit uns und der Schulköchin nach Uliwa, wo wir ein paar Shops abklapperten und Felix mit verschiedenen Menschen ein paar Dinge besprach. Kurz darauf hielten wir vor einem kleinen Shop, wo wir uns was zu trinken und Felix Donuts für alle kaufte. (Die Donuts hier sind ein bisschen anders als man sie aus Deutschland kennt: ohne Glasur und daher auch nicht ganz so süß, dafür aber ziemlich fettig und lecker.)

Nach unserem zweiten kleinen Frühstück fuhren wir weiter, setzten die Köchin wieder an der Schule ab und setzten unseren Weg fort, Richtung Norden. Nach ca. 15 Minuten Fahrt, sammelten wir einen Mann ein, der hinten auf einem Motorrad unterwegs gewesen war. Der Mann zeigte Joha den Weg, runter von der Straße und ziemlich lang einen sandigen Feldweg entlang. Immer wieder streiften Zweige der am Wegrand wachsenden Büsche das Auto. Schließlich erreichten wir eine kleine Gruppe aus einfachen Ziegelbauten. Dort stiegen wir aus und begrüßten die Leute. Jetzt wurde uns auch erklärt, was wir hier machten: hier in der Gegend gab es einen Wald mit relativ großen Bäumen, dessen Holz Felix als Baumaterial für den Kindergarten Spielplatz benutzen wollte.

Wir gingen mit Felix und zwei weiteren Männern ein paar Schritte Richtung Wald, wo die drei etwas besprachen. Julia und ich schauten derweil dem kleinen Buschfeuer wenige Meter entfernt zu, das sich langsam etwas ausbreitete, was aber Niemanden zu interessieren schien. Auf unsere Frage erklärte Felix uns, dass dies jetzt während der Trockenzeit normal war, weshalb niemand sich viele Gedanken darum machte.

Wir fuhren weiter in ein Dorf namens Nyungwe, wo wir einen Verwandten von Felix und dessen Frau trafen. Wir verbrachten den Nachmittag dort und bekamen (natürlich) auch etwas zu Essen (Nsima mit Gemüse und Huhn mit Kartoffeln und Tomaten). Auch der Nachbar unserer Gastgeber war da und erklärte uns noch etwas mehr über die politische Situation in Malawi. Gegen 16 Uhr machten wir uns auf den Rückweg und waren nach ca. einer halben Stunde Fahrt wieder Zuhause.

Abendstimmung am Dienstag
Im Wald (Mittwoch)
Unser Einkauf (etwa 4000 MK – ca. 5€)
Von rechts: Felix, dessen Bruder, dessen Frau, Julia und ich (ich bin leider sehr gut darin, die Namen der Leute zu vergessen)

Wochenendtrip

Samstag, 31. August

Nach dem wir – anders als in Chilumba- ausgeschlafen und in Ruhe gefrühstückt hatten, fuhren wir zu fünft nach Mzuzu. Dort holten wir erst Jolien ab (eine Niederländerin, die für zwei Monate in Mzuzu arbeitet) und machten uns dann auf den Weg zu Anas Haus. (Ana ist Mexikanerin und gerade in der letzten Woche ihres einjährigen Freiwilligendienstes.) Den Nachmittag verbrachten wir bei Ana und gingen schließlich am frühen Abend zum gleichen Restaurant wie am Vortag.

Nach dem Essen gingen wir wieder zum Kukaya Festival, wie am Tag zuvor. Dort war mittlerweile etwas mehr los und wir blieben ein paar Stunden. Anschließend übernachteten wir wieder in Ekwendeni.

Sonntag, 1. September

Nachdem wir in Ruhe aufgestanden und gefrühstückt hatten, machten Khan, Vinju, Cedric, Julia und ich uns auf den Weg nach Nkhata Bay. Dieses Dorf liegt etwa 40 Minuten von Mzuzu direkt an der Küste des Malawisees und ist ein einigermaßen touristisch geprägter Ort. Nachdem wir der kurvigen Straße durch eine gebirgige Landschaft gefolgt waren, hatten wir unser Ziel erreicht.

In Nkhata Bay gingen wir erst einmal in eine Bäckerei, um dort dunkles Brot zu kaufen. Anschließend gingen wir zu einer Art Strandbar und von dort über das steinige Ufer ins Wasser. Der See sah mal wieder aus wie ein Meer und das Wasser war türkis und klar. Selbst ohne Taucherbrille konnte man einige Fische sehen. Wir blieben noch etwas in der Strandbar, aßen Pizza und gingen dann zu einer anderen Stelle nicht weit entfernt. Dort saßen wir auf einer Terrasse direkt am Wasser und sahen zu, wie die Sonne immer tiefer wanderte. Schließlich aßen wir zu Abend und fuhren dann zurück nach Ekwendeni.

Montag, 2. September

Nach dem Aufstehen machten Julia, Cedric und ich uns auf den Weg zu Cedrics Zuhause, das nicht weit entfernt war, um dessen Gastfamilie zu besuchen. Cedrics Gastbruder, der in unserem Alter ist, begrüßte uns und tischte uns selbstgemachte Pommes und eine frisch gepflückte Papaya auf. Rita, Cedrics Gastmutter kam etwas später. Nachdem wir gegessen, UNO gespielt und uns mit Rita unterhalten hatten, machten Julia und ich uns wieder auf den Weg. Rita, die sehr nett ist und einige Male betonte, dass wir immer willkommen waren, brachte uns noch zur Hauptstraße, wo wir in ein Sammeltaxi nach Mzuzu stiegen.

In Mzuzu gingen wir kurz bei Khans Arbeitsplatz vorbei, um etwas von ihm abzuholen und begaben uns dann zurück zum Markt, wo die Minibusse abfuhren. Dort fanden wir auch direkt einen Richtung „Karonga/Border“ (also Richtung Norden), verhandelten den Preis und stiegen ein. Der alte Kleinbus war ziemlich klapprig, wir hatten jedoch ziemlich viel Beinfreiheit (zumindest am Anfang).Der Fahrer sammelte hier und da noch ein paar Leute ein, dann ging es los zurück nach Chilumba. Zuhause angekommen (ca. 17 Uhr) setzten wir uns draußen zu unseren Nachbarn und bekamen auch schon bald Nsima aufgetischt. Kurz darauf kamen auch Euleka und Cliffort mit zwei Freunden vorbei und wir hatten einige interessante Gespräche (unter anderem über Korruption in Malawi oder die Möglichkeiten, Jobs zu bekommen).

Auch wenn das Wochenende sehr schön gewesen war und wir dank Khan und Vinju viel zu sehen bekommen hatten, waren wir doch froh, wieder nach Hause zu kommen, in unser Dorf und unser Haus, die wir schon sehr lieb gewonnen hatten…

Cedric, Julia und ich in Nkhata Bay

Festival in Mzuzu

Freitag, 30. August

Nachdem Lisa, unsere Vorfreiwillige uns den Kontakt zu deren Freunden aus Mzuzu hergestellt hatte, verabredeten wir uns mit Ihnen für ein urban Music Festival in Mzuzu. Dort sollten lokale Musiker aus dem Norden Malawis am Freitag und Samstag auftreten. Mzuzu ist eine Stadt, etwa 3 Stunden von Chilumba entfernt.

Wir standen also auf, kehrten unseren Vorgarten, frühstückten, packten unsere Sachen und machten uns dann gegen 9 Uhr auf den Weg. Unser erstes Ziel war Uliwa, das wir nach ca. 45 Minuten Fußweg erreichten. Dort hoben wir etwas Geld ab und machten uns dann auf die Suche nach einem Auto oder Minibus, der uns nach Ekwendeni bringen konnte. Ekwendeni liegt ein paar Kilometer nördlich von Mzuzu und einer unserer neuen Bekannten wollte uns dort abholen.

Nach nicht allzu langer Suche fanden wir schließlich ein Sammeltaxi mit dem Ziel Mzuzu. Die Sammeltaxis/ Minibusse in Malawi funktionieren so, dass sie eine große Stadt zum Ziel haben. Sobald sie voll sind, machen sie sich auf den Weg dorthin und jeder, dessen Ziel auf der Strecke liegt, kann mitfahren, nachdem der Preis ausgehandelt wurde.

Nachdem wir mit dem Fahrer unseren Fahrpreis von 5000 MK für jeden auf 5500 MK (ca. 7€ und meines Wissens immer noch ein bisschen über dem Durchschnitt ) für beide heruntergehandelt hatten, setzen wir uns auf die beiden Sitze im Kofferraum des 7-Sitzers.

Nach 10-20 Minuten war das Auto voll und wir konnten losfahren. Und mit voll meine ich wirklich voll: zwischendurch waren wir für kurze Strecken 14 Leute in dem Siebensitzer (davon ein Baby), sodass vorne vier, hinten vier und in der Mitte sechs Personen saßen. Das Auto blieb immer wieder stehen, um Personen aus- und einsteigen zu lassen, sodass sich die Anzahl der Passagiere regelmäßig veränderte, die meiste Zeit waren wir aber neun oder zehn.

Die Strecke führte erst am See entlang und dann über eine kurvige Straße in die Berge, wo wir wieder die zahlreichen Paviane zu sehen bekamen, die dem Auto mit neugierigen Augen hinterher sahen. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichten wir schließlich Ekwendeni. Dort holten uns Vinjeru (der in Ekwendeni wohnte und bei dem wir übernachten durften) zusammen mit Khumbu (einer Freundin von ihm aus Mzuzu) und Cedric (ebenfalls Kolping Freiwilliger, aber in Ekwendeni) ab.

Wir fuhren zu Vinjeru nach Hause, wo es Pommes mit Salat und Rindfleisch gab. Vinjerus Haus war sehr modern eingerichtet mit Flachbildfernseher, Warmwasserdusche, Kühlschrank, Mikrowelle, etc.- ein starker Kontrast zu den malawischen Häusern, die wir bis jetzt gesehen hatten. Generell schienen unsere neuen Freunde eher zur reicheren Bevölkerungsschicht zu gehören.

Gegen 16 Uhr machten wir uns auf den Weg durch Mzuzu, wo uns die beiden Lokals ein bisschen herumführten. Wir gingen in eine Bar, die Khumbus Bruder gehörte und trafen anschließend Khan (ein weiterer Freund unserer Vorfreiwilligen, der ursprünglich aus Pakistan kommt) und gingen etwas Essen in einem der Stammrestaurants unserer Gastgeber, das die typische malawische Menüliste vorzuweisen hatte. Ich aß Reis mit Gemüse und Salat (1000 MK). Lustigerweise gehört das Restaurant einem Deutschen, dessen Neffe seit zwei Tagen zu Besuch ist und den Cedric zwei Tage zuvor schon am Flughafen in Lilongwe getroffen hatte.

Nach dem Essen fuhren wir ins „Mzuzu Stadium“ zum Festival. Es war zwar sehr wenig los, war aber trotzdem ein lustiger Abend.

Auf dem Weg zum Festival

Thema: Vom Cassava zum fertigen Nsima

Montag, 26. August

Wieder einmal waren wir früh aufgestanden, um unseren Vorgarten zu kehren. Im Laufe des Morgens fing eine unserer Nachbarinnen an, Cassava für die spätere Zubereitung von Nsima herzustellen. Von unserer Neugier geleitet, halfen wir ihr dabei (oder versuchten es zumindest, ich bin mir nicht so sicher, ob wir wirklich eine große Hilfe waren.)

Diese Gelegenheit nutze ich gleich mal, um den Weg von der Cassava-Wurzel (Auf deutsch Maniok, ich benutze aber das Wort „Cassava“ weil ich es hier schon sehr oft gehört habe und sich das einfach richtiger anfühlt) bis zum fertigen Nsima zu erklären. Der ist nämlich sehr lang und aufwändig, vor allem, wenn man bedenkt, dass das hier alles per Hand und selbstständig durchgeführt wird. Die meisten der folgenden Informationen stammen von Eureka, der uns das schon vor einigen Tagen erklärt hat (es gibt jedoch keine Garantie, dass das alles genau so stimmt). Wen das Thema gar nicht interessiert, der möge jetzt aufhören zu lesen, ich fand es aber wichtig und interessant, darüber zu schreiben, da Nsima und Cassava im allgemeinen hier sehr wichtige Nahrungsmittel und allzeit präsent sind.

Einpflanzen

Um eine geeignete Stelle für die spätere Cassava Pflanze zu schaffen, muss der Boden erst mal von Steinen, Gras und ähnlichen Störenfrieden gereinigt werden. Ist der Boden dann vom Regen aufgeweicht, gräbt man die Erde um und bildet Rillen für die Saat (dieser Schritt sollte also während der Regenzeit von Dezember bis April durchgeführt werden). Aus den Ästen schon vorhandener Cassava Pflanzen werden „Samen“ gewonnen, die schließlich eingepflanzt werden. Wie uns Marys Mann erklärt hatte, war Cassava eine sehr sichere Ernte, da es – im Gegensatz zu Mais – nur sehr wenig Wasser benötigte, und somit auch in schlechten Jahren wuchs. Eine Erklärung dafür, dass dieses Gewächs hier so ein wichtiges Nahrungsmittel ist.

Ernten

Sechs Monate nach dem Einpflanzen können die essbaren Wurzeln geerntet und nach Hause gebracht werden. Dort werden sie geschält und für drei Tage in Wasser gelegt, damit sie weich werden.

Mahlen und Trocknen

Nach den drei Tagen wird das nun weiche Cassava in einer großen Schüssel mit einem astgroßen Mörser so lange zerstampft bis eine teig-/breiähnliche Masse entsteht. (Dies erfordert sehr viel Muskelkraft, ich habe es selbst ausprobiert.) Was daran vor allem faszinierend ist, ist in welchen Mengen und mit welcher Geschwindigkeit die Frauen das alles tun – sie müssen ganz schöne Armmuskeln haben. Ist die Masse fertig, so werden daraus mit beiden Händen gleichzeitig kleine Kügelchen geformt und auf einer Art Teppich aus Bambuszweigen, der ca. auf Hüfthöhe über Holzpfähle gelegt wurde, abgelegt. Anschließend schlägt man die Kügelchen mit der flachen Hand etwas platter und stellt sie auf den Bambusteppich, während man mit dem Finger eine kleine Aushöhlung hinein drückt – wahrscheinlich damit mehr Luft dran kommt. Diese Formen werden schließlich dicht aneinander gereiht auf dem Teppich in der Sonne aufgelegt, um zu trocknen. Wie lange das dauert, hängt davon ab, ob gerade Regen- oder Trockenzeit ist. Jedoch habe ich auch jetzt in der Trockenzeit gesehen, dass die Formen für einige Tage in der Sonne liegen. (Julia und ich haben übrigens auch bei den letzten beiden Schritten mitgeholfen, jedoch war unsere Nachbarin mindestens doppelt so schnell und effektiv wie wir – aber wir lernen ja auch noch.)

Mahlen und Sieben

Sind die kleinen Stücke trocken, werden sie im Mörser erneut gemahlen, wodurch nun ein Mehl entsteht. Dieses wird nun gesiebt und das Mehl, das für Nsima verwendet wird, ist fertig.

Zubereitung von Nsima

Um das endgültige Gericht zuzubereiten, wird ein Topf mit Wasser über einem kleinen Feuer erhitzt. Das Cassava-Mehl wird unter ständigem Rühren vorsichtig in das kochende Wasser geschüttet. Es wird immer weiter gerührt, bis der Topf schließlich vom Feuer genommen wird, um noch weiter zu rühren. Vor allem die Zubereitung von Nsima aus Cassava-Mehl ist sehr anstrengend, da das Rühren sehr viel Muskelkraft erfordert (also ein weiterer Beweis, dass die malawischen Frauen echt stark sind). Ist eine Masse entstanden, die von der Konsistenz etwas festerem Knetteig ähnelt, ist das Nsima fertig und kann mit einigen Beilagen gegessen werden – guten Appetit.

Danke fürs Lesen, ich werde über das Jahr verteilt wahrscheinlich immer mal wieder Berichte zu bestimmten Themen schreiben, dann auch etwas allgemeiner als jetzt. Auch wenn ich erst seit 12 Tagen hier bin, habe ich das Gefühl, schon sehr viel gelernt zu haben. Jedoch gilt: alles was ich bisher geschrieben habe und auch noch schreiben werde, bezieht sich ausschließlich auf Chilumba und die Menschen, die ich bis jetzt kennengelernt habe. Falls es aber irgendwelche Themenwünsche gibt, immer her damit!

Euleka mit einer Cassava Pflanze
Die Cassava Wurzel
Cassava zu kleinen Klumpen geformt und zum Trocknen in die Sonne gelegt

Funeral

Samstag, 24. August

Mittlerweile haben Julia und ich uns schon so sehr auf den malawischen Schlafrhythmus eingestellt, dass ich vor 6:30 Uhr aufstand und Julia bereits draußen war und mit Nyapeti den Vorgarten fegte. Ich übernahm Nyapetis Part und als wir fertig waren, frühstückten wir.

Den Vormittag verbrachten Julia und ich entspannt Zuhause. Gegen 9:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zu Mary, die mit uns auf eine Beerdigung gehen wollte. Bevor wir gingen, wurde uns von unseren Nachbarn noch etwas zu Essen angedreht, das wir probieren sollten (kleine gekochte Bananen, Nüsse und geröstetes Cassava).

Kurz vor 10 Uhr erreichten wir wie verabredet Marys Haus und setzten uns zu ihrem Mann ins Wohnzimmer. Um ca. 11 Uhr gab es Mittagessen: Nsima aus Maismehl, dazu eine Tomaten-Erdnuss Soße und Ziegenfleisch, was alles sehr gut schmeckte, aber auch sehr satt machte.

Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zum Begräbnis, der für einen Fußweg ziemlich weit war. Wir hatten aber Glück denn nach wenigen Metern hielt Mary mit einem Winken ein vorbeifahrendes Auto an. Es war ein Pick-up, der hinten auf der überdachten Ladefläche zwei Bänke angebracht hatte. Wir kletterten hinauf und fuhren für wenige Minuten, bis wir am Ziel angekommen waren. Von der Straße aus mussten wir noch ca. 10 Minuten gehen, dann waren wir da.

In den Schatten der Bäume saßen sehr viele Menschen (Julia und ich schätzten ca.500), die meisten auf Decken auf dem Boden. Männer und Frauen saßen getrennt voneinander. Wir trafen auf Joha (den Fahrer der Tawuka School), redeten kurz mit ihm und setzten uns dann zu einigen anderen Frauen in den Schatten. Es wurde gesungen, erst von einem Männerchor, dann von einem Frauenchor und kurze Zeit später kamen die Verwandten der Verstorbenen aus der Kirche direkt nebenan. Viele von ihnen weinten sehr laut, mit schmerzverzerrten Gesichtern und wurden von anderen gestützt. Abgesehen von den nahen Verwandten, war die Stimmung der anderen Gäste aber sehr locker. Jetzt standen alle auf und machten sich auf den Weg zum nahegelegenen Friedhof, der sich sehr schnell mit Menschen füllte, die sich auf die sehr alt aussehenden Steingräber und auf den Boden setzten. Anschließend standen abwechselnd Leute auf, um kurz etwas zu sagen und setzten sich dann wieder hin. Wir fanden heraus, dass die Verstorbene 86 Jahre alt geworden war, 7 Kinder und 20 Enkel gehabt hatte. Darauf folgte eine längere Predigt des Pfarrers, die ziemlich lustig zu sein schien, denn immer wieder brachen die Anwesenden kurz in fröhliches Gelächter aus. Schließlich wurde der Sarg in das dafür ausgehobene Loch gelassen und die Angehörigen legten Blumen dazu. Am Ende, gegen 15:30 Uhr folgte wieder eine weitere Völkerwanderung, diesmal vom Friedhof weg. Manche der Anwesenden gingen noch etwas Essen, aber Mary, Julia und ich machten uns auf den Weg nach Hause.

Nachdem wir ca. 30 Minuten gegangen waren, kam Marys Sohn mit dem Auto und fuhr uns das letzte Stück. Er setzte uns in der Nähe von unserem Haus ab und wir gingen die letzten Meter zu Fuß.

Zuhause angekommen entspannten wir uns auf der Terrasse, aßen etwas und unterhielten uns mit Cliffort und Eureka. Was zu sehr viel Erstaunen und Gelächter bei Cliffort führte war, als ich ihm erzählte, dass es in Deutschland einige Paare gab, die nicht geheiratet hatten, aber trotzdem Kinder bekamen…

Neue Möbel (Sonntag)
Unser neu eingerichtetes Wohnzimmer

Ausflug zum See

Donnerstag, 22.August

Um kurz vor 7 kam Julia zu mir und sagte, ich solle mir schnell ein „Chitenje“ überziehen und mit zu unseren Nachbarn kommen, die uns zum Frühstück einladen wollten. (Chitenje heißt das gemusterte Stofftuch, das sich viele malawische Frauen über ihrer Kleidung um die Hüfte binden, und das hier von fast allen Frauen getragen wird.) Ich band mein Chitenje um und wir gingen zu unseren Nachbarn direkt nebenan (Charity, ihr Mann und deren Tochter) und setzten uns vor deren Haus. Es gab Reis, gekochte Süßkartoffeln (sehr lecker) und kleine Fische, für die es mir allerdings zu früh war. Dazu gab es sehr süßen Tee. Als wir mit dem Essen fertig waren, bestanden unsere Gastgeber darauf, dass wir die Reste mitnahmen und später aßen.

Anschließend gab Nyapeti uns Handbesen, die aus zusammengebundenen Zweigen hergestellt waren. Damit fegten wir den Boden in unserem Vorgarten, bis er frei von Blättern, Zweigen, usw. war.

Nach dem Fegen saßen wir wieder auf der Terrasse und machten Musik mit Eureka, der uns einen Song auf Tumbuka zeigte. Wir spielten Gitarre und Ukulele und Nyapeti sang dazu. Später kamen auch zwei andere Freunde von Eureka vorbei und wir spielten ein paar englische Songs. Gegen 12 Uhr machten wir den Reis vom Morgen zusammen mit Tomaten und Zwiebeln als Mittagessen warm.

Am Nachmittag beschlossen Julia und ich, mit den Fahrrädern zum Malawi-See zu fahren, der etwa fünf Kilometer entfernt ist. Nach einer ca. 30-minütigen, meist bergab führenden Fahrt, erreichten wir den See und legten uns an den Strand. Ich war mal wieder von der Größe des Sees fasziniert, der sich anfühlte, als wäre man am Meer. Am Strand lagen zahlreiche Einbaum-Kanus mit Netzen drinnen, mit denen hin und wieder ein Mann auf den See hinaus paddelte, wahrscheinlich um zu fischen. Gegen 16:45 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück, um sicherzugehen, dass wir vorm Sonnenuntergang um 17:40 Uhr zurück waren – diesmal mussten wir bergauf fahren. Wir schafften es aber ohne Probleme und waren ungefähr 40 Minuten später wieder Zuhause.

Msika (Markt)

Mittwoch, 21.August

Um kurz nach halb 8 hörte ich Nyapeti, die uns rief und uns bat, jemanden zu grüßen. Wir standen auf und gingen nach draußen, wo ein Mann mit Motorrad zusammen mit unserem Nachbarn, der auch Lehrer ist, stand (ich habe leider seinen Namen vergessen). Der Neuankömmling stellte sich ebenfalls als Lehrer der Tawuka School vor und erzählte, er sei gleich gekommen, um uns zu begrüßen, als er gehört hatte, dass wir gekommen wären. Wir erzählten den Beiden von unseren Plänen, später zum Markt nach Uliwa zu gehen. Dieser liegt in der gleichen Richtung, wie das Haus von Nyapetis Schwester, nur noch ca. einen Kilometer weiter. Als wir sagten, dass unser Fahrrad kaputt war und wir deswegen zu Fuß gehen würden, zeigte unser Nachbar uns ein zweites Fahrrad, das in Nyapetis Haus stand und das wir benutzen durften. Das andere Fahrrad wollten wir zur Reparatur bringen.

Als der Nachbar sich verabschiedet hatte, machten Julia und ich uns Frühstück. Nach dem Essen saßen wir wieder ein bisschen draußen und Julia wusch etwas Wäsche, während ich im Malawi-Reiseführer las. Irgendwann kam Cliffort vorbei und bot an, unser Fahrrad zu reparieren. Er würde es sogar nur für 200 Kwacha (umgerechnet ca.0,25€) und nicht für MK 300 erledigen, wie wir eigentlich gedacht hatten. Kurze Zeit später kam er mit unserem reparierten Fahrrad zurück.

Julia und ich machten uns fertig und fuhren um kurz vor 11 Uhr los nach Uliwa. Nach ungefähr 10 Minuten hatten wir den ziemlich großen Markt erreicht. Es gab sehr viele Stände, an denen Tomaten, Zwiebeln, Süßkartoffeln, Mangold, Bananen, usw. verkauft wurden. Außerdem gab es zahlreiche kleine Läden, in denen man zum Beispiel Zucker, Salz oder Toastbrot kaufen konnte. Aber auch kleine Kosmetikshops, Kleidung und Geschirr waren hier zu finden. Nachdem wir ein bisschen von einem Stand zum anderen gegangen waren, hatten wir schließlich Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Salz, Brot, Soja-Stücke, Waschmittel, eine Schüssel, Bananen, Reis und Öl erstanden und dafür insgesamt ungefähr 6000 Kwacha (ca. 7€) bezahlt.

Gehen 12 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück über die Bundesstraße, von der aus man den See sehen konnte. Wir fuhren aber nicht zurück nach Hause, sondern wie mit Nyapeti verabredet, wieder zu deren Schwester, dessen Haus sowieso auf dem Weg lag.

Dort angekommen, führte Eda uns zu dem nun fertigen Grab aus schwarz glänzendem Stein mit einem Zaun drumherum und einem Grabstein mit Foto des Verstorbenen. Mit dem modernen und edlen Aussehen, schien das Grab irgendwie nicht ganz in die Gehend zu passen, die sonst von meist sehr einfachen, niedrigen Ziegelbauten dominiert war. Eda erklärte uns, dass sie gerade frisch verheiratet gewesen war, als ihr Vater gestorben sei und sie zu der Zeit noch nicht sehr viel Geld gehabt hatte, weshalb sie ihn wenig hatte unterstützen können. Daher sei es ihr wichtig, ihrem Vater jetzt, 13 Jahre später, ein teures und edles Grab zu bieten, um ihm so zu zeigen, dass er ihr wichtig war.

Wir setzten uns wieder zu den Anderen Frauen und zwei Männer waren diesmal auch dabei. Nach einer Zeit fragten sie uns nach unseren Handys (beide i Phone), die hier schon sehr auffielen, da zwar einige der Malawier, die ich bisher kennen gelernt hatte, Smartphones besaßen, meist aber eher ältere Modelle von billigeren Herstellern. Die Männer wollten wissen, wie viel wir für unsere Handys bezahlt hatten und als wir erzählten, wie viel man in Deutschland so für ein Handy ausgeben konnte, reagierten unsere Zuhörer sehr überrascht, fast schon geschockt.

Gegen 14 Uhr gab es wieder etwas zu Essen- Nsima, diesmal mit Bohnen und Ei. Nach dem Essen unterhielten Julia und ich uns mit Nyapetis Neffen und Ana (dessen Nichte) ein bisschen über die Politik in Malawi. Er erzählte, dass es seit den Präsidentschaftswahlen im Mai immer wieder Proteste gab, da ein großer Teil der Bevölkerung der Meinung war, das Ergebnis sei gefälscht worden. Er sagte, einige Stimmzettel sollten so manipuliert worden sein, dass das Kreuz von den Stimmzählern einfach an eine anderen Stelle gesetzt worden sei. Außerdem erzählten uns die beiden ein bisschen über den jetzt wiedergewählten Präsidenten Peter Mutharika. Dieser scheint ziemlich korrupt zu sein, darauf bedacht, sich staatliche Gelder eher selber in die Tasche zu stecken und nicht gut darin, sein Land angemessen zu regieren. (Achtung! Ich gebe hier nur eine Meinung wieder, die ich nicht überprüft habe, also bitte nicht als Fakten ansehen, sondern lieber selbst aus verschiedenen Quellen darüber informieren.)

Gegen 16 Uhr fuhren Julia und ich zurück nach Hause und putzten unser Haus, was an manchen Stellen sehr staubig war. Außerdem fanden wir einige Spinnen, die wir an unsere Katze verfütterten. Als wir fertig waren, war es schon dunkel und wir machten uns etwas kleines zu Essen, bis wir schließlich irgendwann schlafen gingen…

Das fertige Grab
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