Thema: Vom Cassava zum fertigen Nsima

Montag, 26. August

Wieder einmal waren wir früh aufgestanden, um unseren Vorgarten zu kehren. Im Laufe des Morgens fing eine unserer Nachbarinnen an, Cassava für die spätere Zubereitung von Nsima herzustellen. Von unserer Neugier geleitet, halfen wir ihr dabei (oder versuchten es zumindest, ich bin mir nicht so sicher, ob wir wirklich eine große Hilfe waren.)

Diese Gelegenheit nutze ich gleich mal, um den Weg von der Cassava-Wurzel (Auf deutsch Maniok, ich benutze aber das Wort „Cassava“ weil ich es hier schon sehr oft gehört habe und sich das einfach richtiger anfühlt) bis zum fertigen Nsima zu erklären. Der ist nämlich sehr lang und aufwändig, vor allem, wenn man bedenkt, dass das hier alles per Hand und selbstständig durchgeführt wird. Die meisten der folgenden Informationen stammen von Eureka, der uns das schon vor einigen Tagen erklärt hat (es gibt jedoch keine Garantie, dass das alles genau so stimmt). Wen das Thema gar nicht interessiert, der möge jetzt aufhören zu lesen, ich fand es aber wichtig und interessant, darüber zu schreiben, da Nsima und Cassava im allgemeinen hier sehr wichtige Nahrungsmittel und allzeit präsent sind.

Einpflanzen

Um eine geeignete Stelle für die spätere Cassava Pflanze zu schaffen, muss der Boden erst mal von Steinen, Gras und ähnlichen Störenfrieden gereinigt werden. Ist der Boden dann vom Regen aufgeweicht, gräbt man die Erde um und bildet Rillen für die Saat (dieser Schritt sollte also während der Regenzeit von Dezember bis April durchgeführt werden). Aus den Ästen schon vorhandener Cassava Pflanzen werden „Samen“ gewonnen, die schließlich eingepflanzt werden. Wie uns Marys Mann erklärt hatte, war Cassava eine sehr sichere Ernte, da es – im Gegensatz zu Mais – nur sehr wenig Wasser benötigte, und somit auch in schlechten Jahren wuchs. Eine Erklärung dafür, dass dieses Gewächs hier so ein wichtiges Nahrungsmittel ist.

Ernten

Sechs Monate nach dem Einpflanzen können die essbaren Wurzeln geerntet und nach Hause gebracht werden. Dort werden sie geschält und für drei Tage in Wasser gelegt, damit sie weich werden.

Mahlen und Trocknen

Nach den drei Tagen wird das nun weiche Cassava in einer großen Schüssel mit einem astgroßen Mörser so lange zerstampft bis eine teig-/breiähnliche Masse entsteht. (Dies erfordert sehr viel Muskelkraft, ich habe es selbst ausprobiert.) Was daran vor allem faszinierend ist, ist in welchen Mengen und mit welcher Geschwindigkeit die Frauen das alles tun – sie müssen ganz schöne Armmuskeln haben. Ist die Masse fertig, so werden daraus mit beiden Händen gleichzeitig kleine Kügelchen geformt und auf einer Art Teppich aus Bambuszweigen, der ca. auf Hüfthöhe über Holzpfähle gelegt wurde, abgelegt. Anschließend schlägt man die Kügelchen mit der flachen Hand etwas platter und stellt sie auf den Bambusteppich, während man mit dem Finger eine kleine Aushöhlung hinein drückt – wahrscheinlich damit mehr Luft dran kommt. Diese Formen werden schließlich dicht aneinander gereiht auf dem Teppich in der Sonne aufgelegt, um zu trocknen. Wie lange das dauert, hängt davon ab, ob gerade Regen- oder Trockenzeit ist. Jedoch habe ich auch jetzt in der Trockenzeit gesehen, dass die Formen für einige Tage in der Sonne liegen. (Julia und ich haben übrigens auch bei den letzten beiden Schritten mitgeholfen, jedoch war unsere Nachbarin mindestens doppelt so schnell und effektiv wie wir – aber wir lernen ja auch noch.)

Mahlen und Sieben

Sind die kleinen Stücke trocken, werden sie im Mörser erneut gemahlen, wodurch nun ein Mehl entsteht. Dieses wird nun gesiebt und das Mehl, das für Nsima verwendet wird, ist fertig.

Zubereitung von Nsima

Um das endgültige Gericht zuzubereiten, wird ein Topf mit Wasser über einem kleinen Feuer erhitzt. Das Cassava-Mehl wird unter ständigem Rühren vorsichtig in das kochende Wasser geschüttet. Es wird immer weiter gerührt, bis der Topf schließlich vom Feuer genommen wird, um noch weiter zu rühren. Vor allem die Zubereitung von Nsima aus Cassava-Mehl ist sehr anstrengend, da das Rühren sehr viel Muskelkraft erfordert (also ein weiterer Beweis, dass die malawischen Frauen echt stark sind). Ist eine Masse entstanden, die von der Konsistenz etwas festerem Knetteig ähnelt, ist das Nsima fertig und kann mit einigen Beilagen gegessen werden – guten Appetit.

Danke fürs Lesen, ich werde über das Jahr verteilt wahrscheinlich immer mal wieder Berichte zu bestimmten Themen schreiben, dann auch etwas allgemeiner als jetzt. Auch wenn ich erst seit 12 Tagen hier bin, habe ich das Gefühl, schon sehr viel gelernt zu haben. Jedoch gilt: alles was ich bisher geschrieben habe und auch noch schreiben werde, bezieht sich ausschließlich auf Chilumba und die Menschen, die ich bis jetzt kennengelernt habe. Falls es aber irgendwelche Themenwünsche gibt, immer her damit!

Euleka mit einer Cassava Pflanze
Die Cassava Wurzel
Cassava zu kleinen Klumpen geformt und zum Trocknen in die Sonne gelegt

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten