Samstag, 24. August
Mittlerweile haben Julia und ich uns schon so sehr auf den malawischen Schlafrhythmus eingestellt, dass ich vor 6:30 Uhr aufstand und Julia bereits draußen war und mit Nyapeti den Vorgarten fegte. Ich übernahm Nyapetis Part und als wir fertig waren, frühstückten wir.
Den Vormittag verbrachten Julia und ich entspannt Zuhause. Gegen 9:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zu Mary, die mit uns auf eine Beerdigung gehen wollte. Bevor wir gingen, wurde uns von unseren Nachbarn noch etwas zu Essen angedreht, das wir probieren sollten (kleine gekochte Bananen, Nüsse und geröstetes Cassava).
Kurz vor 10 Uhr erreichten wir wie verabredet Marys Haus und setzten uns zu ihrem Mann ins Wohnzimmer. Um ca. 11 Uhr gab es Mittagessen: Nsima aus Maismehl, dazu eine Tomaten-Erdnuss Soße und Ziegenfleisch, was alles sehr gut schmeckte, aber auch sehr satt machte.
Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zum Begräbnis, der für einen Fußweg ziemlich weit war. Wir hatten aber Glück denn nach wenigen Metern hielt Mary mit einem Winken ein vorbeifahrendes Auto an. Es war ein Pick-up, der hinten auf der überdachten Ladefläche zwei Bänke angebracht hatte. Wir kletterten hinauf und fuhren für wenige Minuten, bis wir am Ziel angekommen waren. Von der Straße aus mussten wir noch ca. 10 Minuten gehen, dann waren wir da.
In den Schatten der Bäume saßen sehr viele Menschen (Julia und ich schätzten ca.500), die meisten auf Decken auf dem Boden. Männer und Frauen saßen getrennt voneinander. Wir trafen auf Joha (den Fahrer der Tawuka School), redeten kurz mit ihm und setzten uns dann zu einigen anderen Frauen in den Schatten. Es wurde gesungen, erst von einem Männerchor, dann von einem Frauenchor und kurze Zeit später kamen die Verwandten der Verstorbenen aus der Kirche direkt nebenan. Viele von ihnen weinten sehr laut, mit schmerzverzerrten Gesichtern und wurden von anderen gestützt. Abgesehen von den nahen Verwandten, war die Stimmung der anderen Gäste aber sehr locker. Jetzt standen alle auf und machten sich auf den Weg zum nahegelegenen Friedhof, der sich sehr schnell mit Menschen füllte, die sich auf die sehr alt aussehenden Steingräber und auf den Boden setzten. Anschließend standen abwechselnd Leute auf, um kurz etwas zu sagen und setzten sich dann wieder hin. Wir fanden heraus, dass die Verstorbene 86 Jahre alt geworden war, 7 Kinder und 20 Enkel gehabt hatte. Darauf folgte eine längere Predigt des Pfarrers, die ziemlich lustig zu sein schien, denn immer wieder brachen die Anwesenden kurz in fröhliches Gelächter aus. Schließlich wurde der Sarg in das dafür ausgehobene Loch gelassen und die Angehörigen legten Blumen dazu. Am Ende, gegen 15:30 Uhr folgte wieder eine weitere Völkerwanderung, diesmal vom Friedhof weg. Manche der Anwesenden gingen noch etwas Essen, aber Mary, Julia und ich machten uns auf den Weg nach Hause.
Nachdem wir ca. 30 Minuten gegangen waren, kam Marys Sohn mit dem Auto und fuhr uns das letzte Stück. Er setzte uns in der Nähe von unserem Haus ab und wir gingen die letzten Meter zu Fuß.
Zuhause angekommen entspannten wir uns auf der Terrasse, aßen etwas und unterhielten uns mit Cliffort und Eureka. Was zu sehr viel Erstaunen und Gelächter bei Cliffort führte war, als ich ihm erzählte, dass es in Deutschland einige Paare gab, die nicht geheiratet hatten, aber trotzdem Kinder bekamen…


Echt, solche Paare gibt’s in Deutschland!? Eine sehr interessante Erzählung, vielen Dank!
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