Sandstrand, Spielplatz und Schnitzel

Montag, 30. September

Am Montag morgen gingen wir wieder zur Schule, allerdings ein paar Minuten zu spät.. Und irgendwie hatten sich alle genau diesen Tag ausgesucht, um pünktlich zu beginnen. Das Assembly war also schon in vollem Gange, als wir uns schnell (und nicht unauffällig) dazu setzten. Als die Versammlungen vorbei war, begrüßten uns die anderen Lehrer freundlich und fragten uns, wie unser Ausflug nach Nkhata Bay gewesen war. Etwas später kam auch der Schulleiter zu uns und fragte ebenfalls danach. Als er sich anschließend dafür bedankte, dass unser Ausflug schön gewesen war, verstanden Julia und ich die Welt kurz nicht mehr so ganz. Anschließend gab ich wieder meine üblichen Stunden und schrieb meinen ersten Test in Form 1.

Nach der Arbeit, gegen 16 Uhr, machten wir uns zusammen mit Bax, einem der anderen Lehrer und gleichzeitig Enkel des Direktors, auf den Weg nach Uliwa. Dort wollten wir unseren Essensvorrat aufstocken und Geld abheben, was uns in Mzuzu auch nach mehreren Versuchen missglückt war. Irgendwie schienen sich die Geldautomaten gegen uns verschworen zu haben, denn auch der in Uliwa wollte mit keiner unserer Karten funktionieren. Wir beschlossen, also mit unserem letzten Geld (etwa K2300) erstmal etwas zu Essen zu kaufen und besorgten uns Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Reis, Bananen, Eier und Brot. Am Ende hatten wir noch K20 übrig, also ca. 3 Cent. Wir versuchten noch einmal Geld abzuheben, allerdings funktionierte der Automat jetzt nicht einmal mehr für die malawischen Karten. Wir gingen also ohne Geld, dafür aber mit leckerem Essen wieder die 40 Minuten zurück nach Hause.

Dienstag, 1. Oktober

Wir gingen zur Arbeit, gaben unsere Stunden und erledigten, was sonst so zu tun war. Als wir gegen 14 Uhr gerade in der Bibliothek saßen, um Nachrichten zu schauen, kam plötzlich der Schulleiter mit 9 Deutschen hinein, denen er gerade die Schule zeigte. Die neun waren Freiwillige, die für die Organisation KUKUK E.V. arbeiten und gekommen sind, um einen Spielplatz für den neu erbauten Kindergarten zu bauen. Als sie mit ihrer Schultour fertig waren, fuhren sie zum Kindergarten, um die Lage zu checken und wir kamen mit ihnen, ließen unsere Sachen aber in der Schule.

Als beim Kindergarten alles geklärt war, fuhren wir weiter zur Unterkunft der Freiwilligen, ein ziemlich großes Haus, nicht weit entfernt Richtung See. Wir blieben ein bisschen dort und wurden dann von Felix, der auch dabei war, wieder an der Schule abgesetzt. Dort wollten wir unsere Sachen abholen und bekamen auch die, die wie in der Bibliothek gelassen hatten. Allerdings hatte ich meinen Rucksack im Lehrerzimmer gelassen. Von den Leuten die noch hier waren, schien keiner den Schlüssel zu haben. In der Hoffnung, dass Patson ihn hatte, gingen wir also nach Hause, wo wir ihn natürlich nicht auffanden. Das wäre an sich auch gar kein Problem gewesen, wäre nicht unser Hausschlüssel in meinem Rucksack. Ich ging also zurück zur Schule und fragte noch einmal nach dem Schlüssel fürs Lehrerzimmer, bekam auch einen ausgehändigt. Jedoch ließ sich das Schloss nach vielen Versuchen von mir und einigen der Schüler, die eifrig anboten mir zur helfen, nicht öffnen. Und während ich versuchte, einen anderen Schlüssel zu besorgen, versuchten einige der Mädchen, durchs Fenster hinein zu klettern. (Wohlgemerkt: da sind Gitterstäbe in ca. 25 m Abstand angebracht.) Während ich mit meinem Vorhaben keinen Erfolg hatte, hatte eine der Schülerinnen es tatsächlich geschafft, ins Lehrerzimmer einzusteigen und mir meinen Rucksack rauszugeben. Ich bedankte mich und ging zurück nach Hause, wo wir jetzt auch ins Haus gehen konnten.

Mittwoch, 2. Oktober

Wie jeden Tag, gingen wir morgens in die Schule, wo ich unterrichtete, Unterricht vorbereitete und schriftliche Aufgaben korrigierte. Gegen 11 Uhr gab es eine kleine Krisensitzung der Lehrer, die gerade nicht unterrichteten, da die beiden Köchinnen heute streikten, weil sie nicht ihren ganzen Lohn bekommen hatten und es deswegen nicht klar war, was mit dem Mittagessen passieren würde. Normalerweise gibt es gegen 12 Uhr für alle Schüler und Lehrer etwas zu essen und die Schüler müssen dafür auch ein bisschen monatlich was zahlen. Da es heute aber schwierig werden würde, alle mit Essen zu versorgen, gab es die Überlegung, den Unterricht nach 12 Uhr auszusetzen. Für die Internatsschülerinnen und Lehrer wurde von ein paar Schülerinnen gekocht. Als ein paar der Schüler (aber nicht alle) nach Hause gegangen waren, gab es zumindest für alle die dageblieben waren etwas zu Essen, weshalb der Unterricht zumindest teilweise weitergeführt wurde. Währenddessen organisierte ich mit der Hilfe von Darius (einem Form 4 Schüler) eine Gruppe von zehn Schülern, die bereit waren, ein bisschen beim Bau des Kindergartens zu helfen. Die Zahl zusammenzubekommen war überhaupt nicht schwer, es wären auch noch viele andere Schüler bereit gewesen, mitzumachen. Patson hatte gut darauf aufgepasst, dass auch einige Mädchen aus dem Internat mitkamen, da sie sonst selten Gelegenheit bekamen, das Schulgelände zu verlassen.

Wir fuhren also mit ca. 10 hochmotivierten Schülern zum Kindergarten, die sich lautstark von ihren Mitschülern verabschiedeten. Wir kamen an der Baustelle an, wo die deutschen Freiwilligen mithilfe von vielen Kindern arbeiteten. Wir bekamen kurz erklärt, was wo geplant war und machten uns schließlich daran, vier Löcher zu graben, wo Holzstützen hineinkommen sollten. Die Schüler und wir hatten ziemlich viel Spaß dabei und als schließlich Flo (einer der Freiwilligen) mit einer Musikbox ankam, wo die Schüler DJ spielten, wurde auch direkt getanzt. Um kurz vor 17 Uhr fuhren wir wieder zurück zur Schule und verabschiedeten uns von den Schülern. Anschließend beeilten wir uns nach Hause, holten unsere Badesachen und gingen zurück zur Schule, wo uns das KUKUK- Team mit perfektem Timing abholte und mit uns zum See fuhr. Wir gingen ins Wasser, während es langsam dunkel wurde, blieben noch ein bisschen am Strand sitzen und unterhielten uns. Gegen 19 Uhr brachte uns die Gruppe zurück zur Schule und wir gingen das letzte Stück nach Hause. Unsere Nachbarn fragten uns überrascht, wo wir so lange gewesen waren. Wir unterhielten uns noch ein bisschen mit Cliffort, Patson und Euleka, die nacheinander vorbeikamen.

Donnerstag, 3. Oktober

Wir gingen zur Schule und ich hatte heute zwei Doppelstunden, jeweils in Form 1 und 2. Ich schrieb in beiden Klassen einen Test, weil es gerade vom Thema her ganz gut passte, und verbrachte den Rest der Zeit damit, diese zu korrigieren. Die Tests vielen sogar besser aus, als ich erwartet hatte. Um 15 Uhr kam wieder einer der Spielplatzbauer, um uns abzuholen. Wir hatten beschlossen, heute andere Schüler mitzunehmen. Da ich heute eigentlich meine Zeichen-AG gehabt hätte, beschloss ich, die Schüler aus der AG mitzunehmen. Wir stellten uns neben dem Auto auf, und Patson las die Namen aus der Liste vor. Um das Auto standen ungefähr 50 Schüler, die auch mitkommen wollten. Aus meiner Kunst-AG waren gerade nicht alle da, weshalb wir auch ein paar andere mitnahmen. Darunter Darius und Naomi, die auch schon gestern dabei gewesen waren. Naomi ist das Head-Girl und Darius derjenige, der am ersten Tag im Assembly die Schauspiel-Einlage gegeben hatte. Julia war in der Schule geblieben, um ihren Singing-Club zu veranstalten. Wir fuhren also wieder zur Baustelle, wo wir Holzplanken von A nach B trugen und Löcher gruben. Ein paar der Schüler rührten Zement an und manche durften die Ränder von Holzplanken abschleifen, was ihnen gut zu gefallen schien. Nach zwei sehr produktiven Stunden fuhren wir wieder zurück zur Schule. Nachdem ich mit den Schülern ein paar Fotos gemacht hatte, ging ich nach Hause. Wie am Tag davor gingen Julia und ich bewaffnet mit unseren Schwimmsachen wieder direkt zurück zur Schule, wo wir abermals vom KUKUK-Team abgeholt wurden. Diesmal waren wir etwas später dran, sodass die Sonne schon hinter den Bergen verschwunden war, der Mond am Himmel schien und der Himmel am Horizont rot gefärbt war, während wir im kühlen Wasser schwammen. Heute war der Himmel besonders sternenklar und wir blieben bis ca. 19 Uhr am See.

Auf unserem Weg von der Straße nach Hause kamen wir am Haus von Clifforts Familie vorbei, die gerade aßen. Wir setzten uns ein bisschen dazu und wurden kurz darauf nach drinnen geführt, wo eine Taschenlampe den ansonsten dunklen Raum leicht erhellte. In der Mitte stand ein kleiner Tisch mit drei Tellern für Julia, Cliffort und mich. Fürs Abendessen war also gesorgt. Es gab Nsima Yamayao (aus Cassava- Mehl) mit Rindfleisch, das Clifforts Mutter von ihrem gestrigen Trip nach Karonga mitgebracht hatte. Nach dem Essen gingen wir schließlich die letzten Meter nach Hause, wo Nyapeti und die zwei Nachbarn, die direkt hinter uns wohnen draußen saßen. Mittlerweile war es ungefähr 20 Uhr. Sie fragten uns, wo wir so lange gewesen waren und wir erklärten es ihnen, wobei der Fakt, dass die anderen uns mit dem Auto so nah wie möglich nach Hause gebracht hatten, nicht viel zu helfen schien. Sie redeten ein bisschen auf Tumbuka und ich hatte einen kleinen Verdacht, worum es ging, der sich auch bestätigte, als Charitys Mann zum nächsten Baum ging, um einen kleinen Zweig abzubrechen. Lachend aber bestimmt erklärten sie uns, dass wir nicht verheiratet waren und dass unverheiratete Frauen sich nicht mehr nachts herumtrieben, sondern um 18 Uhr zuhause sein sollten. (Wenn sie sich nicht daran halten, werden anscheinend Ruten als Erinnerungshilfe genommen.) Julia und ich waren leicht überfordert mit der Situation und erklärten, dass wir das nicht gewusst hatten. Cliffort hatte seinen Spaß und erklärte immer wieder lachend, er hätte nichts dagegen, wenn wir geschlagen werden würden. Nyapeti sagte schließlich, es wäre nicht notwendig und damit war die Sache gegessen. (Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht komisch aber ich möchte klarstellen, dass unsere Nachbarn sehr nett sind und wir hier nicht geschlagen werden. Und auch wenn das, was sie uns über das lange weg bleiben gesagt hatten, ernst gemeint war, lachten sie doch auch dabei und ich glaube nicht, dass er uns wirklich geschlagen hätte, zumindest nicht richtig. Es ging ihnen eben hauptsächlich darum, dass wir die Sitten des Landes kennenlernen.)

Julia und ich gingen schließlich nach drinnen, wo ich in der Abstellkammer neben meinem Zimmer ein leises Geräusch hörte. In dem Zimmer hatte Nyapetis Katze in den letzten Tagen viel Zeit verbracht. Als ich hineinging, um nachzusehen, fand ich ein schwarz-weißes Katzenbaby, kleiner als meine Hand, dessen Augen noch geschlossen waren und das am Boden saß und Miaute. Jetzt wussten wir auch, was die Katze in dem Zimmer gemacht hatte. Julia nahm das Junge und Nyapeti und ich suchten nach möglichen Geschwistern. Wir fanden auch eines, das leider schon tot war und auch noch kein Fell hatte. Kurz darauf kam die Katzen-Mama wieder, ich gab ihr ihr Baby zurück und sie brachte es wieder in die Abstellkammer.

Freitag, 4. Oktober

Heute ging ich alleine zur Arbeit. Julia fuhr nach Uliwa, um sich darum zu kümmern, dass wir endlich wieder Geld hatten. Sie hatte heute keine Unterrichtsstunden und deswegen Zeit. Ich hatte heute aber auch nur eine Stunde, die ich in Ruhe vorbereitete und mich in der Zwischenzeit ein bisschen mit Gladys und ein paar anderen Lehrern unterhielt. Als Julia aus Uliwa zurück nach Hause kam, wurde gerade das Schwein von Patson geschlachtet, und sie sah dabei zu. Anschließend bekam sie ein paar Stücke des Fleisches ab, die sie mithilfe von unseren Haferflocken zu kleinen Schnitzeln verarbeitete. Das meiste davon brachte sie mit zur Schule, sodass es zum Mittagessen für die Lehrer Nsima mit Bohnen und Schnitzel gab. Die meisten waren auch echt begeistert von dem Essen. Als der Unterricht für diesen Tag vorbei war, versammelt sich einige Schüler auf dem Schulhof. Julia und ich hatten nämlich angekündigt, heute mit der Schwimm-AG anzufangen. Allerdings erstmal mit Theorie und Trockenübungen. Obwohl wir relativ nahe am See sind, kommen die meisten Schüler eher selten dorthin und schwimmen kann auch niemand von ihnen. Dementsprechend groß war der Andrang. So machten Julia und ich mit ungefähr 50 Schülern Schwimmtrockenübungen auf dem Schulhof. Dabei erstellten wir mithilfe von Rose (einer anderen Lehrerin) eine Teilnehmerliste. Unser Plan ist es, ab jetzt jeden Freitag Nachmittag mit ca. 15 Schülern zum See zu fahren. Ob das funktioniert, werden wir noch sehen, vor allem weil der Transporter der Schule gerade kaputt ist.

Gegen 16 Uhr gingen wir zurück nach Hause, ruhten uns aus, und machten ein bisschen Ordnung. Um kurz vor 6 trafen wir uns mit dem Kukuk-Team bei der Schule und gingen mit ihnen zusammen kurz zu uns nach Hause. Anschließend gingen wir weiter zum Haus des Direktors, wo wir alle zum Essen eingeladen waren. Es gab Reis, Erbsen, gekochte Eier in Tomatensoße, Huhn, Kartoffeln und Krautsalat. Und sehr viel von allem. Als wir fertig gegessen hatten, kam Monika, die Frau von Felix, auch noch mit zwei Kuchen vorbei, die ebenfalls verteilt wurden. Gegen 8 Uhr brachen wir schließlich auf und gingen zurück nach Hause, wo wir wie üblich noch ein bisschen Zeit mit unseren Nachbarn verbrachten.

Samstag, 5. Oktober

Als ich ausgeschlafen hatte und um 7:30 Uhr aufgestanden war, hatte Julia schon mit unseren Nachbarn Cassava geerntet und saß auf der Terrasse, um ihre Wäsche zu waschen. Ich machte mich kurz darauf auf den Weg zum Haus des Direktors um Monika, seiner Frau, die Teller vorbeizubringen, die sie uns vor einiger Zeit geliehen hatte. Als ich wieder zurück kam, frühstückten wir und halfen unseren Nachbarn dabei, den frisch geernteten Cassava zu schälen. Bald darauf machten wir uns mit Patson auf den Weg nach Uliwa, Julia und ich wollten uns Kleider schneidern lassen und Patson hatte uns angeboten, uns einen guten Schneider zu zeigen. Auf der Straße nach Uliwa überholte uns ein ehemaliger Schüler von Patson in einem kleinen Transporter und nahm uns den Rest des Weges auf seiner Ladefläche mit. In Uliwa kauften Julia und ich uns jeweils zwei Stoffe und gaben die Kleider in Auftrag. Als wir wieder zuhause waren, wusch auch ich meine Wäsche, in den letzten Tagen hatte ich wenig Zeit dafür gehabt.

Gegen 14 Uhr gingen Julia und ich wieder zurück zur Straße, um zum Haus der KUKUK-Crew zu fahren. Wieder einmal fanden wir einen Transporter auf dessen Ladefläche wir mitfahren konnten, sodass wir nicht den ganzen Weg zu Fuß gehen mussten. Mit den anderen Freiwilligen fuhren wir mal wieder zum See. Dort stieß auch Kides zu uns, die wir zwei Wochen vorher dort in der Nähe kennengelernt hatten. Wir schwammen ein bisschen, saßen am Strand und fuhren dann alle zusammen nach Uliwa. Dort wollten Julia und ich unsere Kleider abholen, die aber leider noch nicht fertig waren. Auch die anderen besorgten ein paar Dinge und als wir alle fertig waren, verabschiedeten wir uns von Kides und fuhren nach Karonga. Karonga ist eine Stadt ca. 60 km nördlich von Chilumba. Mittlerweile war es kurz vor 6 und die Dämmerung war sehr schön. In Karonga angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, was sich als ziemlich kompliziert herausstellte. Schließlich fanden wir eines, wo es Pizza gab, die allerdings relativ teuer und nicht sehr besonders war. Als wir sehr lange gewartet und erst vier Pizzen bekommen hatten, gingen wir wieder, mit dem Plan, Fisch essen zu gehen. Wir fanden eine Lodge namens Marina Lodge, wo wir Fisch bestellten. Wir mussten zwar ziemlich lange warten, bekamen dann aber sehr leckeres Essen. Wir blieben noch ein bisschen dort und fuhren dann zurück nach Chilumba. Als wir dort ankamen, war es Mitternacht und der Sternenhimmel war sehr schön.

Sonntag, 6. Oktober

Ich stand wieder einmal gegen 7:30 Uhr auf und war damit mit Abstand die letzte. Julia und ich verbrachten den Vormittag entspannt zuhause und gingen heute nicht in die Kirche. Irgendwann kam eine Frau vorbei und verkaufte uns Fische. Weil wir aber für mehrere Stunden Stromausfall hatten, konnten wir sie nicht kochen und gaben sie unserer Nachbarin. Gegen 13 Uhr fuhren wir mit Cliffort zusammen mit dem Fahrrad nach Uliwa, in der Hoffnung, unsere Kleider abholen zu können. Außerdem wollten wir Kohle kaufen, um beim Kochen nicht vom Strom abhängig zu sein. Allerdings hatte der Schneider durch den Stromausfall nicht weiterarbeiten können. Wir fuhren also zurück nach Hause. Gegen 15 Uhr beschlossen wir, noch einmal zum See zu fahren und gingen zur Straße. Wir hatten mal wieder Glück und konnten bis zum Markt mit ein paar Männern auf der Ladefläche eines kleinen Transportern mitfahren. Von dort gingen wir das letzte Stück (ca. 25 Minuten) zu Fuß zur Tunduzi Lodge, wo wir schwimmen gingen. Als wir wieder aus dem Wasser kamen, war Kides auch da, der wir Bescheid gesagt hatten, dass wir wieder hier waren. Gegen 17 Uhr brachen wir wieder auf, wir wollten zur Abwechslung mal wieder vor der Dunkelheit zuhause sein. Vorher gingen wir aber noch kurz bei Kides Haus vorbei, von wo man einen sehr schönen Ausblick auf den See hatte. Wir begrüßten kurz ihre Eltern, die sehr nett waren und gingen dann zusammen mit Kides weiter zum Markt. Auf dem Weg trafen wir viele freundliche Leute und am Markt war sehr viel los, weil das Fußballspiel auf dem Platz nebenan gerade vorbei war. Wir stiegen auf ein Motorrad-Taxi und ließen uns zur Tawuka School bringen, von wo wir nach Hause gingen. Zu Abend aßen wir zusammen mit Nyapeti, Patsons Frau und deren Töchtern Seila und Emile zwischen unseren Häusern. Es gab Nsima mit Schweinefleisch und Patsons Frau brachte die Fische vom Vormittag, die sie sehr lecker gekocht hatte.

Mittagessen in der Schule: Mais-Nsima mit Bohnen und Mphangwe
Die Schüler helfen fleißig mit
Kanten abschleifen
Zement anmischen
Das Schwein wird geschlachtet
Die fertigen Schnitzel

Schulstunden, Sporteinheiten und Musik-Shows

Montag, 23. September

Wir Als wir heute in der Schule ankamen, wurde die Woche mit einem „assembly“ begonnen. Alle Schüler und Lehrer versammelt sich und der Schulsprecher sagte ein paar Dinge. Anschließend wurde das „Head-Girl“ gebeten, kurz für alle zu beten. Als nächstes kam einer der Form 4 Schüler in die Mitte und führte ein kurzes Theaterstück auf, in dem er auf sehr amüsante Weise, so tat, als wäre er ein Nachrichtensprecher, der die „Nachrichten“ vorlas (natürlich alles frei erfunden, leider verstand ich nicht alle der Anspielungen, die anderen Schüler hatten aber auf jeden Fall ihren Spaß dabei). Anscheinend konnte jeder, der etwas aufführen wollte, das wöchentliche Assembly dafür nutzen. Nachdem einer der Lehrer und der Direktor noch kurz etwas gesagt hatten, wurde die Versammlung mit der Nationalhymne beendet, wofür alle aufstanden.

Um 7:50 Uhr ging es dann mit dem Unterricht los, jetzt gab es auch einen Stundenplan. Um 12:00 Uhr war wieder Mittagspause, wo wir Nsima mit Bohnen bekamen und dann ging es bis 15:00 Uhr mit dem Unterricht weiter. Ich hatte eine Stunde um 7:50 Uhr und eine um 11:20 Uhr, den Rest der Zeit nutzte ich für Unterrichtsvorbereitung und das Korrigieren von Hausaufgaben. Weil ich danach keine Stunden mehr hatte, ging ich kurz vor 15:00 Uhr nach Hause.

Dienstag, 24. September

Wir gingen wieder pünktlich um 7 Uhr zur Schule und ich hatte jeweils eine Stunde in Form 1 und 2. Die Zwischenzeit nutzte ich für Unterrichtsvorbereitung und dafür meine „Schemes of work“ -eine Art Wochenplan für den ersten Term- weiter zu bearbeiten. Um kurz nach 3 gingen Julia und ich nach Hause, legten unsere Sachen ab und machten uns kurz darauf gleich wieder auf den Weg. Wir hatten spontan beschlossen zum See zu fahren und schwimmen zu gehen.

Also gingen wir zur Straße und schon nach wenigen Minuten kam das erste Auto. Wir gaben dem Fahrer ein Zeichen, der auch tatsächlich direkt stehen blieb. Wir baten ihn, uns zum Markt ca. 2 km entfernt zu bringen, von wo aus wir den Sandweg die letzten 1-2 km nehmen wollten. Nachdem wir uns allerdings kurz mit unseren Mitfahrern unterhalten hatten, fanden wir heraus, dass sie zur Vipya Lodge, direkt neben unserem Ziel, der Tunduzi Lodge wollten. Sie konnten uns also sogar den ganzen Weg dorthin mitnehmen, sodass wir viel schneller als erwartet am See ankamen.

Dort sprangen wir direkt ins Wasser und schwammen in der schon leicht abendlichen Sonne. Während ich nach dem schwimmen am Strand saß, kam ein Mann mit einer kleinen Kuhherde vorbei, die er am Wasser entlang vorbei trieb.

Gegen 17 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause, wir wollten schließlich vor der Dunkelheit wieder zurück sein. Wir gingen also den Sandweg entlang, vorbei an einigen Häusern, Menschen die uns freundlich grüßten und Kindern die uns fröhlich entgegen liefen. Als wir die Straße erreicht hatten, kam nach einigen Minuten ein Sammeltaxi, in das wir einstiegen und uns zur Kreuzung nicht weit von unserem Haus bringen ließen. Wir gingen den Feldweg nach Hause und es war noch nicht einmal ganz dunkel.

Mittwoch, 25. September

Genau wie an den beiden vorigen Tagen gingen wir morgens zur Tawuka School, gaben unsere Unterrichtsstunden und aßen Nsima mit Bohnen zu Mittag. Mittwoch ist immer der Tag der Sports-Clubs. Das heißt, dass nach Unterrichtsschluss um 15 Uhr alle Schüler zum Sportplatz neben der St. Annes Schule gehen. Dort gibt es ein Fußballfeld und ein Feld für Korbball. Von den Lehrern gehen auch einige hin und spielen mit oder schauen zu. Einige der Mädchen spielten Korbball und ich spielte mit vielen der Jungen Fußball. Nach über einem Monat tat es echt gut mal wieder zu spielen und machte echt Spaß, auch wenn meine Leistung auf jeden Fall noch ausbaufähig ist. Außerdem fühlte es sich ein bisschen komisch an, von seinen Mitspielern (von denen manche der Form 3 und 4 Schüler auch älter sind als ich) mit „Madam“ angesprochen zu werden.

Kurz vor 17 Uhr kam schließlich Aufbruchstimmung auf und wir gingen wie auch die anderen Lehrer zurück Richtung Schule und von dort nach Hause.

Beim Fußball spielen

Donnerstag, 26. September

Wir gingen zur Schule und diesmal hatte ich gleich um 7:10 Uhr eine Doppelstunde in Form 1. Um 10 Uhr hatte ich dann noch eine in Form 2 und verbrachte den Rest der Zeit wieder viel im Lehrerzimmer. Diesmal gab es zum Mittagessen nicht Nsima mit Bohnen, wie die Tage davor, sondern Nsima mit Usipa (ca. 3 cm lange Fische). Heute war Donnerstag, also standen nach Schulschluss die AG‘s auf dem Plan. Diese Woche ging es aber hauptsächlich darum, dass die Schüler sich in die verschiedenen Clubs eintrugen. Ich hatte vor, einen „Drawing-Club“ zu eröffnen und hatte auch bald zwölf Schüler*innen zusammen, die sich dafür interessierten. Ich setzte mich kurz mit ihnen in der „Summer-Hut“ zusammen, um mit ihnen zu besprechen, was sie sich so ungefähr vorstellten. (Die Summer-Hut ist sozusagen die Mensa der Schule, ist kein abgeschlossener Raum, hat dafür aber ein Strohdach, was vor der Sonne schützt.) Andere Clubs waren der Drama-Club und SCOM (eine katholische Gruppe, die u.a. zusammen Lieder singt). Julia wollte einen Singing-Club eröffnen, außerdem hofften wir den Swimming-Club von unseren Vorfreiwilligen weiterführen zu können. Ebenso wurden wir gebeten, den Wildlife-Club zu übernehmen, der die Flora und Fauna in Malawi thematisiert, mit dem Ziel, mit den beteiligten Schülern dann in den Nyika Nationalpark zu fahren. Wie wir das alles unter einen Hut kriegen können, müssen wir allerdings noch klären.

Da die Clubs ja noch nicht richtig angefangen hatten, machten wir uns gegen 16 Uhr auf den Weg nach Hause, wo wir unsere Wäsche wuschen und bald auch anfingen zu kochen. Cliffort und Euleka leisteten uns wieder Gesellschaft, wir gingen aber relativ früh schlafen, weil wir am nächsten Tag früh aufstehen mussten – wir wollten nämlich in den Nkhata Bay District zum Lake of Stars Festival.

Freitag, 27. September bis Sonntag, 29. September

Am Freitag standen wir noch vor Sonnenaufgang auf und machten uns schließlich gegen 6 Uhr auf den Weg zum Lake of Stars Festival. Dieses findet dieses Jahr in Chiteche, direkt am Malawisee ca. 1,5 Stunden süd-östlich von Mzuzu statt. Wir gingen also wieder zur Straße, gingen ein paar Minuten und stiegen schließlich in den ersten Minibus der vorbeikam. Ungefähr drei Stunden später (gegen 9:30 Uhr) kamen wir in Mzuzu an, wo wir uns mit Vinju und Khan treffen wollten, um den Rest der Strecke zusammen zu fahren. Wir hatten aber noch ein bisschen Zeit bis wir uns mit ihnen trafen, weshalb wir erstmal ein paar Dinge im Shoprite besorgten und dann in einem kleinen Restaurant am Mark was Essen gingen.

Auf dem Markt in Mzuzu
Das Menü
Die Küche
Reis mit Bohnen + Reis mit Lokal Chicken

Um 11 Uhr trafen wir uns dann mit Khan, der mit uns zur Moozoozoo Lodge fuhr, wo wir Cedric, Vinju, einen Briten namens Jason ein paar Freunde/Verwandte von Khan und die vier Augsburger trafen, die wir schon aus dem Mabuya Camp in Lilongwe kannten. Zusammen fuhren wir auf zwei Autos verteilt die letzten 1,5 bis 2 Stunden zum Festivalgelände. Hier sprachen die Menschen nicht mehr Chitumbuka, sondern Chitonga, wovon wir allerdings nicht ganz so viel mitbekamen.

Dort angekommen, trafen wir einige der anderen Kolping Freiwilligen und bauten unser Zelt bei ihnen auf.

Das Festivalgelände war ziemlich übersichtlich und sehr schön. Es gab eine Bühne direkt am Strand und eine auf einer Wiese nicht weit entfernt, wo es einige Stände mit Essen und Kleidung oder Schmuck gab. Das Essen war hier drinnen aber echt teuer, weshalb wir dafür meistens raus gingen, da es nicht weit vom Eingang Stände von Locals gab, die zwar im Vergleich zu denen bei uns in Chilumba noch relativ teuer waren, jedoch nicht so sehr wie die Stände im Festivalgelände. (Ein Beispiel: eine Portion ich vegetarische Nudeln im Festivalgelände: K4000, eine Portion große Portion Reis mit Bohnen draußen: K1200.) Die Festivalbesucher waren zum Großteil Weiße, Malawier gab es verhältnismäßig wenige. Man merkte also mal wieder sehr deutlich, dass die meisten Malawier einfach nicht das Geld für solche Dinge hatten, oder es zumindest nicht für etwas so „unnötiges“ wie ein Festival ausgeben wollten. Wir trafen viele nette Leute aus Ländern wie Dänemark, Großbritannien, Simbabwe, Südafrika, USA, der Schweiz, Deutschland und natürlich Malawi. Viele der Besucher waren wie wir mittelfristig lange in Malawi, zum Beispiel für ein Praktikum, oder um ein paar Monate hier zu arbeiten.

Die zwei Tage verbrachten wir viel damit schwimmen zu gehen, einfach so am Strand zu entspannen oder uns die verschiedenen Musiker anzuhören, von denen viele echt gut waren. Außerdem gab es tagsüber auch poetry-Auftritte, die sehr interessant waren und von denen manche von Gleichberechtigung und der Unterdrückung von Frauen durch Männer handelten.

An sich war das Festival echt schön, es fühlte sich für mich aber eher an, wie ein Strandurlaub, statt wie ein Festival, da die Auftritte auch oft erst relativ spät anfingen und wir die Vormittage viel am Strand und im Wasser verbrachten. Es war eine echt schöne Erfahrung, fühlte sich aber teilweise schon komisch an, so wenige Locals aufzufinden (auch, wenn ich schon damit gerechnet hatte).

Sonnenaufgang überm Malawisee
Die Kolping-Freiwilligen
(Hinten: Cedric, Phöbe, Charlotte, Anna, Louise, Julia K., Julia Vorne: Jana, ich, Lea, Maren)

Am Sonntag sah ich mir zusammen mit Julia, Cedric, Maren und Jason den Sonnenaufgang gegen 5:30 Uhr an. Anschließend blieben wir noch ein bisschen am Strand und holten uns dann draußen etwas zum Frühstück. Nach dem Essen gingen Julia und ich in dem gerade sehr still daliegenden See schwimmen. Den restlichen Vormittag verbrachten wir alle sehr entspannt, mit ein paar anderen hatte ich mich auf die Liegestühle am Pool gelegt.

Um kurz nach 12:00 Uhr machten Julia und ich uns daran, unsere Sachen zu packen. Wir hatten nämlich ausgerechnet, dass wir ungefähr sechs Stunden für den Weg nach Hause brauchen würden. Um vor dem Sonnenuntergang zuhause zu sein, müssten wir also um spätestens 12 Uhr losfahren. Diesen Plan verwarfen wir aber schnell wieder und nahmen uns vor einfach nicht zu lange nach der Dunkelheit anzukommen. Wir verabschiedeten uns also von den anderen und verließen das Festivalgelände.

Auf dem Weg nach draußen wollten wir allerdings noch zwei Soßen und zwei Gläser mit leckerem Brotaufstrich wieder holen, was uns am Freitag wegen der Glasverpackung abgenommen worden war. Wir hatten die Sachen für Zuhause in Mzuzu im Shoprite gekauft und dafür (wie für alles dort) nicht wenig Geld ausgegeben. ein paar der zuständigen Angestellten versuchten herauszufinden, wo sie unser Essen herbekommen konnten. Auch wenn wir am ersten Tag -mit der Versicherung , dieses wieder zu kriegen -unterschrieben hatten, welches Essen von uns war, schien niemand wirklich zu wissen, wo es war. Schließlich kam die Chefin der Abteilung vorbei und erklärte uns, dass nicht genug Platz sei, um das konfisziere Essen zu lagern, weshalb es alles weggeschmissen worden war. Leicht schockiert und enttäuscht gingen Julia und ich also ohne unsere Soßen los.

Als erstes mussten wir einen Shuttlebus nehmen, der uns die wenigen Minuten bis zur Straße und zum Hauptparkplatz brachte. Dort stellten wir uns an den Straßenrand und dann hieß es warten: auf einen Minibus nach Mzuzu. Nach wenigen Minuten kam auch einer und wir stiegen ein. Am Anfang ging es nur sehr langsam voran, weil wir immer mal wieder stehen blieben, um Leute aus-oder einsteigen zu lassen. Das letzte Stück nach Nkhata Bay ging dann aber relativ schnell voran. Dort angekommen sollten wir in ein Sammeltaxi umsteigen.

Das ging dann ziemlich schnell und nach kurzer Zeit saßen wir sogar nur noch zu dritt hinten. Zusätzlich sollte die Straße von Nkhata Bay nach Mzuzu die beste Malawis sein, sie wurde letztes Jahr von Deutschen gebaut. Die Fahrt war also sehr angenehm. Als wir an einem Markt stehen blieben, kaufte der Fahrer ein großes Bündel Bananen und verteilte diese an uns alle. Während der Fahrt unterhielten wir uns mit meiner Sitznachbarin Gisomo (auf englisch „Grace“), die Pfarrerin in Nkhata Bay ist, aber eigentlich in Mzuzu lebt.

Um kurz nach 16 Uhr erreichten wir das Minibus-Depot in Mzuzu. Dort fanden wir auch direkt schon einen Minibus Richtung Karonga/Border, der aussah als würde niemand mehr hineinpassen. Den wollten wir auf jeden Fall nehmen. Es gab auch ein paar andere in die selbe Richtung, diese waren allerdings noch leer. Mit anderen Worten: es würde ewig dauern bis sie losfahren. Wir verhandelten also kurz den Preis (K3500 pro Person) und quetschten uns hinein. Da der Bus voll war, fuhren wir schon wenige Minuten später los und schafften es, fast eine Stunde ohne Zwischenstopp zu fahren. Generell kam der Bus vergleichsweise sehr schnell voran, wir hatten nette Mitfahrer und der Fahrer fuhr durch die Berge ziemlich gewissenhaft und vorsichtig. Einmal blieben wir kurz stehen, um einem Minibus mit geplatzten Reifen bei der Reparatur zu helfen. Nach ca. 3 Stunden Fahrt kamen wir um 19:15 Uhr in Chilumba an.

Dort wurden wir sehr herzlich von unseren Nachbarn begrüßt, die uns erst morgen erwartet hatten. Nachdem wir etwas kleines gegessen hatten und kurz Cliffort begrüßt hatten, der vorbeigekommen war, gingen wir schlafen.

PS: dadurch, dass wir länger kein Geld hatten, konnte ich mir auch kein neues Internet kaufen und konnte den Post nicht hochladen. Deswegen hat das alles so lange gedauert. Jetzt ist aber alles geregelt. 🙂

Ende der Woche und Wochenende

Donnerstag, 19. September

Wieder einmal gingen wir gegen 7 Uhr zur Schule. Dort redeten wir kurz mit ein paar Lehrern und als Form 1 in der ersten Stunde frei war, entschied ich mich dorthin zu gehen. Es lief ganz gut, die Schüler schienen zu verstehen, was ich von ihnen wollte und hatten auch meistens Antworten zu meinen Fragen. Diesmal schaffte ich es sogar, meinen Zeitplan für die Stunde ziemlich genau einzuhalten.

Generell hatte ich den restlichen Tag ziemlich viel Zeit und konnte mich so gut auf den Unterricht vorbereiten oder auch einfach entspannen und mich mit den anderen Lehrern zu unterhalten. Eigentlich wollte ich wie an den vorigen Tagen um 10 Uhr zur Form 2 gehen, jedoch hatte Moyo, die Englischlehrerin den gleichen Plan. Ich nahm mir also vor, nach ihr dorthin zu gehen, was aber auch nicht funktionierte, da die Schüler in dieser Stunde für Computer-Studies in den Computerraum gingen. Mir blieb also noch die letzte Stunde. Da die Schule in der ersten Woche aber um 12:00 Uhr endete, waren von dieser Stunde nur noch 20 Minuten übrig. Ich nutzte diese, um mit dem Thema „Budget“ anzufangen und die Hausaufgaben der Schüler einzusammeln, wonach sie am Tag zuvor gefragt hatten. Nach der Stunde korrigierte ich schnell die Hausaufgaben und dann gab es auch schon Mittagessen- diesmal Nsima mit Usipa (kleine Fische) und Mangold.

Nach dem Essen saßen wir mit ein paar der anderen Lehrern auf dem Schulhof und unterhielten uns, unter anderem über Politik und die Gleichgeschlechtliche Ehe, oder brutale Diktatoren. Als ich um kurz vor 2 den Direktor suchen ging, der uns eigentlich gesagt hatte wir würden heute Nachmittag zum Kindergarten fahren, wunderte er sich, dass wir noch da waren. Vor einigen Minuten war Joha mit ein oder zwei anderen zum Kindergarten gefahren, die uns eigentlich hätten mitnehmen sollen, es aber anscheinend vergessen hatten. Naja, auch gut… Wir saßen noch ein bisschen gemütlich im Schatten, die anderen Lehrer waren auch alle noch da.

Gegen 15 Uhr entschied ich mich aber, nach Hause zu gehen, weil ich unter anderem noch meine Wäsche waschen wollte. Das tat ich dann schließlich auch und zwei der Nachbarskinder halfen mir dabei. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob sie es aus reiner Hilfsbereitschaft taten oder weil sie der Meinung waren, ich würde es alleine nicht gut genug machen. Eigentlich auch egal, sie waren mir so oder so eine Hilfe. Anschließend setzte ich mich zum lesen in die mittlerweile nicht mehr ganz so stark scheinende Sonne. Gegen 17 Uhr kam Julia zusammen mit … , dem anderen Mathelehrer, nach Hause. Sie setzten sich zu mir auf die Terrasse und … erzählte, dass er eigentlich „water recourses management“ studiert hatte, womit er letztes Jahr fertig geworden war. Allerdings war es in Malawi sehr schwer, einen Job zu finden weshalb er schließlich mit dem Unterrichten angefangen hatte. Auch er war wie wir und ein paar der anderen Lehrer neu an der Tawuka School. Wir unterhielten uns schließlich ein bisschen über den See und das Wasser in Malawi generell. … erzählte uns von seinem Konzept, wie man das Problem der Dürre und Überflutungen in Malawi bekämpfen könnte und von seinem Plan, eine Organisation zu gründen, um dies umzusetzen. Außerdem erzählte er uns, warum er Angst vor Chamäleons hat: in Malawi gibt es eine Legende, die besagt, dass Chamäleons sich in die Brust oder den Oberkörper eines Menschen festkrallen, von wo man sie nie wieder wegkriegt. Die einzige Kurz bevor es dunkel wurde, machte er sich schließlich auf den Weg nach Hause und Julia und ich begannen, das Abendessen vorzubereiten. Wir kochten den Kohl, den wir gestern gekauft hatten zusammen mit Tomaten, Kartoffeln und ein bisschen Ingwer. Während wir noch beim kochen waren, kam Precious, ein Freund von Euleka und besuchen und wir aßen mit ihm zusammen. Etwas später kamen auch Cliffort und Euleka wieder vorbei.

Freitag, 20. September

Wie die Tage zuvor gingen wir gegen 7 Uhr zur Schule. Diesmal ging ich in der 3. Stunde zu Form 1 und um 10 Uhr zu Form 2, um sie zu unterrichten. Beides funktionierte ganz gut. Die Zeit dazwischen nutzte ich, um Unterricht vorzubereiten und einen Plan für die nächsten Wochen zu schreiben, basierend auf dem Lehrplan. Dieser heißt „Schemes of work“ und wird dann beim Ministry of Education eingereicht, soweit ich das verstanden habe. Um 12 Uhr war wieder Unterrichtsschluss und kurz darauf wurde uns Nsima aufgetischt. Nach dem Essen blieben Julia und ich noch kurz, um uns mit den anderen Lehrern zu unterhalten, gingen dann aber gegen 13 Uhr nach Hause. Dort blieben wir dann auch den restlichen Tag und verbrachten wieder viel Zeit mit unseren Nachbarn und den Kindern.

Samstag, 21. September

Wir nutzten das Wochenende und schliefen diesmal sogar bis kurz vor 8 Uhr. Nachdem wir eigentlich schon gefrühstückt hatten, bot Nyapeti uns noch geröstetes Cassava und Erdnüsse an und wir aßen ein bisschen mit ihr. Unsere anderen Nachbarn gaben auch noch zwei Süßkartoffeln dazu. Gegen 10:30 Uhr trafen wir uns wie verabredet mit Gladice, ebenfalls Lehrerin an der Tawuka School, vor der Schule. Gladice kommt ursprünglich aus Mzuzu, ist in Lilongwe zur Schule gegangen und erst seit einer Woche hier in Chilumba, sie ist also (so wie auch einige andere Lehrer und wir) neu an der Tawuka School.

Zu dritt machten wir uns auf den Weg Richtung See, wir wollten jetzt endlich auch einmal hier in Chilumba schwimmen gehen. Als wir einige Minuten gegangen waren, fanden wir schließlich ein Sammeltaxi, das uns mitnahm. Wir ließen uns die ca. 3-4 km zur Tunduzi Lodge fahren, von der unser Nachbar Patson uns erzählt hatte. Dort angekommen, waren wir direkt begeistert: jetzt um diese war noch so gut wie gar nichts los, es gab einen Sandstrand, ein paar größere Steine, ein kleines Gebäude mit Strohdach und Bar und einige Bänke und Tische zum sitzen. Und natürlich den wunderschönen See! Wir legten unsere Sachen ab, bestellten uns was zu trinken und gingen kurz darauf auch schon schwimmen. Gladice, die wie die meisten Malawier nicht schwimmen kann, wartete, bis wir wieder kamen und ging dann mit uns zusammen ins etwas seichtere Wasser. Wir blieben den ganzen Tag am See, gingen schwimmen, saßen in der Sonne oder im Schatten und genossen die schöne Umgebung. Nach und nach kamen auch ein paar andere Leute zur Lodge und gegen 16 Uhr war auch Pricsilla, die Schulsekretärin da. Wir blieben noch ein bisschen in der Tunduzi Lodge und gingen dann ca. 50 Meter weiter zur Vipya Lodge.

Tunduzi Lodge
Priscilla (vorne), Gladys (links), Julia und ich

Gegen 17:15 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück und nach ca. 20-minütigem Fußweg erreichten wir die Straße, wo wir uns in ein Sammeltaxi setzten. Dieses fuhr allerdings wieder dorthin zurück, wo wir hergekommen waren, nachdem zwei andere Männer eingestiegen waren. Sie wollten nämlich Taschen mit frisch gefischten Fischen mitnehmen, die sie zum Markt nach Uliwa bringen wollten. Die Fracht wurde also eingeladen und es ging Richtung nach Hause. Als wir um kurz nach 18 Uhr wieder da waren (mittlerweile war es dunkel), setzten wir alle vier uns ins Wohnzimmer und Julia und ich kochten Nudeln. Bald nach dem Essen gingen Gladice und Priscilla nach Hause und kurz darauf kamen Euleka und Cliffort (sowie zwei von ihren jüngeren Geschwistern) und wir verbrachten den restlichen Abend zusammen.

Sonntag, 22. September

Wir standen früh auf, weil wir heute mit der Familie von Cliffort und Euleka in die Kirche gehen wollten. Diese gingen jeden Samstag und Sonntag Vormittag für ein paar Stunden dorthin. Nachdem wir drei mal in der katholischen Kirche gewesen waren, ohne etwas zu verstehen, hatten wir nicht mehr so viel Lust darauf, jede Woche dorthin zu gehen. Außerdem gibt es hier sehr viele verschiedene Kirchen, und wir fanden es interessant, herauszufinden wie diese sich unterschieden, da Religion hier doch einen großen Teil der Kultur ausmacht. Die Kirche unserer Nachbarn nennt sich „Bible Believers Church“ und wie in vielen anderen Kirchen auch, wird die Messe dort auf English gehalten und gleichzeitig auf Chitumbuka übersetzt.

Wir machten uns also gegen 7:30 Uhr auf den Weg und erreichten nach ca. 45 Minuten Fußweg die Kirche. Diese war um einiges kleiner, aber auch gemütlicher, als die katholische Kirche. Wir wurden direkt freundlich von einem Mann begrüßt, der uns auch gleich zeigte, wo wir uns hinsetzen konnten. Wie auch in der katholischen Kirche saßen die Frauen auf der einen Seite und die Männer auf der anderen. Die Messe in dieser Kirche dauert ziemlich lang. Bis 8:30 Uhr war Meditation: es wurde angenehme Musik abgespielt und alle beschäftigten sich still mit ihren Gedanken und Gebeten. Kurz darauf wurden mit instrumentaler Begleitung einige Lieder auf English gesungen. Anschließend begann die Predigt, die mindestens zwei Stunden dauerte.

Die Bible-Beliebers Church zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Bibel und was darin steht sehr ernst genommen wird, das alte sowie das neue Testament.

”We believe in the bible from cover to cover.“

An sich empfand ich die Stimmung in der Kirche als sehr schön, vor allem wenn gesungen wurde. Auch von der Predigt konnte ich ein paar Dinge ganz gut nachvollziehen, manchen würde ich jedoch auch widersprechen. Es wurde sehr viel davon geredet, sich für die Seite Gottes zu entscheiden und sich nicht vom Teufel verführen zu lassen. Dabei wurden immer mal wieder einzelne Verse von verschiedenen Stellen aus der Bibel zitiert. Gegen 12 Uhr (mittlerweile war es echt langsam anstrengend geworden) war die Messe vorbei und wir verließen die Kirche. Wir machten uns auf den Weg nach Hause, wo wir um kurz vor 1 ankamen und von Nyapeti gleich Nsima mit Gemüse angedreht bekamen. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir zuhause und schliefen auch ein bisschen. Gegen 17 Uhr machten wir einen kleinen Abendspaziergang, während die Sonne rot am Himmel leuchtete.

Beim spazieren gehen

Am Abend aß ich ein bisschen Nsima mit den Nachbarn direkt hinter uns, Julia hatte keinen Hunger. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, den Unterricht für morgen vorzubereiten.

Ich hab’s endlich mal geschafft, ein Foto zu machen. Darf ich vorstellen: Nsima Yamayao (mit Cassava-Mehl) mit Somba (Fisch) und Mphamgwe (Gemüse- wir glauben Mangold
Und so sieht das ganze am Teller aus (gegessen wird mit den Händen)

Arbeitstag 3

Mittwoch, 18. September

Wir standen wieder vor 6 Uhr auf, aßen die Nudeln von gestern Abend zum Frühstück (wir hatten extra mehr gemacht) und machten uns fertig für die Arbeit. Um kurz nach 7 Uhr betraten wir den Schulhof, wo wir uns kurz mit zweien unserer Lehrerkollegen unterhielten. Da gerade niemand in Form 1 war, entschied ich mich, gleich in der ersten Stunde dorthin zu gehen, was ich sowieso vorgehabt hatte.

Ich betrat also den Klassenraum, wurde von der Klasse begrüßt und stellte mich vor. Ich ließ auch die Schüler selbst ihre Namen sagen, dann fing ich mit dem Unterricht an. Ich hatte mir vorher ein bisschen Sorgen gemacht, dass sie mich nicht verstehen würden, da sie frisch aus der Grundschule kamen, wo nicht auf englisch sondern auf Chitumbuka oder Chichewa unterrichtet wird. Es funktionierte aber einigermaßen und sie schienen zumindest die meiste Zeit zu wissen, was ich von ihnen wollte, auch wenn viele sehr schüchtern waren.

Als erstes ging es ein bisschen um Begriffserklärungen von „Numbers“ (und wofür sie benutzt werden) und „digits“ (Ziffern). Als ich auch die einzelnen Werte von Zahlen (Einerstellen, Zehnerstellen, usw.) wiederholte, war die Mehrheit sehr aktiv und konnte etwas beitragen. Bald darauf war die Stunde auch schon wieder vorbei und ich verabschiedete mich, um zurück ins Lehrerzimmer zu gehen. Dort verbrachte ich die Zeit damit, die nächsten Stunden vorzubereiten, ebenso wie Julia, die dafür aber in die Bibliothek gegangen war.

Um 10 Uhr ging ich wie am Tag zuvor in den Klassenraum der Form 2 Schüler. Mittlerweile waren schon ein paar mehr anwesend, als gestern. Ich rechnete ein paar Aufgaben mit Ihnen an der Tafel und ließ sie auch selbstverständig welche im Heft rechnen. Ich schaffte leider nur die Hälfte der Dinge, die ich mir für die Stunde vorgenommen hatte, weil dann doch alles ein bisschen länger gedauert hatte. Aber das mit der Zeiteinteilung werde ich wohl noch besser lernen. Auch was Unterrichtsmethoden angeht, habe ich mir vorgenommen, mit der Zeit auch mehr Abwechslung reinzubringen, wenn ich mich mehr eingearbeitet habe.

Nach 40 Minuten verließ ich den Klassenraum wieder, bereitete im Lehrerzimmer noch kurz die nächste Stunde vor und ruhte mich ein bisschen aus. Um 12:00 Uhr war der Unterricht wieder vorbei und die Schüler gingen nach Hause. Wir blieben noch kurz, denn gegen 12:30 Uhr gab es wieder Mittagessen für die Lehrer, wie am Montag Nsima mit Bohnen.

Da Felix gerade nicht da war, gingen wir an diesem Tag nicht in den Kindergarten, was uns ganz gelegen kam, da wir echt langsam wieder einkaufen gehen mussten. In letzten Tagen waren wir aber nicht dazu gekommen, da der Weg nach Uliwa und zurück doch immer seine Zeit braucht. Erst gingen wir jedoch nach Hause, um uns ein bisschen zu entspannen. Ich verbrachte die Zeit hauptsächlich damit, auf der Terrasse zu sitzen und zu zeichnen oder zu lesen. Um kurz nach 3 kam Euleka und kurz darauf machten Julia und er ein bisschen Musik.

Gegen 16 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Uliwa, um vor der Dunkelheit wieder zurück zu sein. Wir hatten immer noch nur ein Fahrrad, da meins immer noch mit Platten in der Schule stand. Ich setzte mich also auf den Gepäckträger und wir fuhren runter zum Markt. Dort kauften wir ordentlich ein, sodass unser Essensfach nicht mehr so traurig aussah. Gegen 18 Uhr, also genau als es gerade fast ganz dunkel geworden war, waren wir wieder zuhause.

Die Ziegen wollen auch mal in Lehrerzimmer

Ein Teil vom Markt in Uliwa

Los gehts

Dienstag, 17. September

Nachdem wir zuhause alles erledigt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Arbeit, diesmal noch etwas früher als am Tag davor. In der Schule angekommen, gingen wir als erstes kurz in die Bibliothek und setzten uns dann mit ein paar anderen Lehrern ins Lehrerzimmer. Der Unterricht fing heute zwar an, allerdings noch ohne Stundenplan. Wenn also eine Klasse gerade frei war, ging einer der Lehrer dorthin, um zu unterrichten. Als erstes ging ich mit Patson mit, der in Form 1 Geschichte unterrichten würde. Ich setzte mich nach hinten, um ein bisschen zu beobachten. Die Schüler waren alle sehr still und hörten zu, während Patson eine Einführungsstunde zu Geschichte gab. Als die Stunde vorbei war (40 Minuten) gingen wir wieder zurück ins Lehrerzimmer, wo auch Julia saß. Zusammen begaben wir uns in die Bibliothek, um dort die Lehrpläne für unsere Fächer auszuleihen und ein bisschen ins Internet zu gehen. Als ich dort um kurz vor 10 Uhr fertig war, war Form 2 gerade frei und ich ging dorthin, um meine erste Mathestunde zu geben.

Ich hatte den Eindruck, dass die Klasse noch nicht ganz vollständig war, was sich aber wahrscheinlich im Laufe der Woche noch ändern würde. Als ich mich vorgestellt und auch die Schüler nach ihren Namen gefragt hatte, fragte ich sie, wie weit sie im Schuljahr davor gekommen waren. Wie sich herausstellte, hatten sie gerade mal die Hälfte des Stoffes geschafft, weshalb ich meinen ohnehin sehr groben Plan für die Stunde komplett über den Haufen werfen konnte. Ich musste also improvisieren und schaute kurz ins Buch, um zu sehen, was überhaupt das Thema war: es ging um Versicherungen, zum Glück nicht zu kompliziert. Ich rechnete also ein paar Aufgaben mit den Schülern an der Tafel, was ganz gut funktionierte. Auch wenn sie nicht ganz so still waren, wie die aus Form 1, schienen sie doch relativ konzentriert und interessiert zu sein. Angesprochen wurde ich mit Madam oder mit Madam Semper und einer der Schüler fragte mich sogar, ob ich ihnen Hausaufgaben geben konnte (davon waren die anderen aber nicht so begeistert). Als die 40 Minuten vorbei waren, verabschiedete ich mich und ging zurück ins Lehrerzimmer, wo ich gleich die nächste Stunde vorbereitete, da ich sowieso gerade im Thema drin war und auch sonst nichts zu tun hatte. Die Klasse wurde von Julia übernommen, die ihnen Biologie Unterricht gab.

Im Lehrerzimmer

Die restliche Zeit verbrachte ich im Lehrerzimmer, blätterte ein bisschen in den Mathebüchern und unterhielt mich mit den anderen Lehrern und Julia, als sie wieder zurück war. Um 12 Uhr war die Schule wieder vorbei, diesmal gab es auch kein Mittagessen. Wir gingen auf den Schulhof, wo wir auf den Direktor und Joha trafen, die mit uns zum Kindergarten fuhren. Weil wir noch nicht zu Mittag gegessen hatten, gaben sie uns ein paar Bananen.

Im Kindergarten angekommen, gingen Julia und ich in zwei unterschiedliche Räume. Julia zu den jüngeren und ich zu den älteren (3 bis 5 Jahre). Ich beschäftige mich mit ihnen, spielte Spiele, sang Lieder und ließ sie mit meinen Haaren spielen, die vor allem von einigen Mädchen als sehr interessant empfunden wurden. Ich übte auch ein paar englische Begriffe, sowie zählen mit ihnen. Gegen Ende war auch eine andere Erzieherin mit drinnen, die mit den Kindern zählen übte. Anschließend übten wir anhand von Bildern auch ein bisschen das Alphabet und sangen ein paar Lieder auf Tumbuka (alle außer ich). Gegen 15 Uhr wurden die Kinder abgeholt und auch wir fuhren zurück zur Schule.

Für heute hatten wir frei und gingen zurück nach Hause, wo wir uns auf der Terrasse entspannten. Wir kochten wieder Nudeln, wie am Tag davor und bald kamen Euleka und sein Freund Precious vorbei, mit denen wir uns unterhielten. Etwas später war auch Cliffort von der Arbeit zurück.

Um kurz nach 20 Uhr ging ich rein und wollte eigentlich langsam ans schlafen gehen denken, da rief mich Patson von der anderen Seite unseres Hauses (unsere Türen sind solange wir wach sind immer offen). Dort saßen unsere restlichen Nachbarn, schauten einen Jesus-Film und luden mich ein, mich zu ihnen zu setzen. Also ging ich nach draußen und setzte mich dazu. Ich verstand zwar nichts, weil der Film auf Tumbuka war, schrieb aber währenddessen meinen Blog und genoss das gemütliche Zusammensitzen.

Aber wir wären ja nicht in Malawi, wenn es nicht schon wieder was zu Essen gäbe: unsere Nachbarin hatte kleine Gebäckstücke mit Bananen drin gemacht, von denen sie uns welche anbot (sehr lecker!). Kurz darauf gab es auch noch gebratenes Cassava, wovon wir jede ein kleines Stück probierten (auch sehr gut). Als uns schließlich auch noch Nsima angeboten wurde (unsere Nachbarn aßen heute etwas später als sonst), lehnten wir ab – dafür hatten wir mittlerweile echt schon zu viel gegessen. Ich genoss es noch eine Weile, gemütlich draußen zu sitzen und ging dann irgendwann schlafen. Und wieder einmal war ich echt dankbar, dass wir so tolle Nachbarn hatten…

Erster Arbeitstag

Montag, 16. September

Der 16. September. Das bedeutete zwei Dinge: erstens waren wir jetzt seit exakt einem Monat hier in Chilumba. Zweitens fing heute die Schule wieder an und damit auch unser Freiwilligendienst.

Wir standen also vor 6 Uhr auf, fegten unseren Vorgarten, frühstückten und machten uns fertig, um gegen 7 Uhr zur Schule zu gehen. Der Unterricht an der Tawuka School fängt normalerweise um 7:10 Uhr an.

Als wir an der Schule ankamen, fanden wir ein paar der Lehrer, die wir schon kannten und auch neue Gesichter. Auch Schüler waren jetzt einige anwesend. Wir unterhielten uns ein bisschen mit ein paar Lehrern und fragten uns, was als nächstes passieren würde. Irgendwie schienen alle auf irgendetwas zu warten. Daniel, einer der Lehrer, erklärte uns, das sei normal am ersten Schultag und dass es noch ein paar Tage dauern würde, bis der Unterricht wirklich anfing. Gegen 8 Uhr kam Felix und fuhr mit uns zum Kindergarten, der wenige Kilometer von Tawuka neu aufgemacht hatte. Der Plan war, dass wir sowohl dort, als auch in der Schule eingesetzt werden sollten.

Im Kindergarten angekommen, betraten wir einen der Räume, in dem eine Kindergärtnerin mit einer kleinen Gruppe Kinder war. Die nächsten 2-3 Stunden verbrachten wir dort und spielten mit den Kindern Bewegungsspiele. Um kurz vor 12 Uhr kam Felix schließlich wieder zu uns und wir fuhren zurück zur Tawuka School.

Die Inneneinrichtung ist noch in Arbeit

Dort waren die meisten Schüler -wie am ersten Tag üblich- schon gegangen. Wir redeten wieder ein bisschen mit den Lehrern und dem Schulleiter bis es schließlich kurz darauf Mittagessen gab: Mais-Nsima mit Bohnen. Direkt nach dem Essen gingen wir ins Biology-Lab, wo wir eine Lehrerversammlung hatten.

Der Schulleiter ging nach vorne an die Tafel und machte eine Tabelle, wo er eine vorläufige Verteilung der Lehrer auf die unterschiedlichen Fächer und Jahrgänge aufschrieb. An sich schien zwar schon jeder Lehrer bestimmte Fächer zu haben, die er unterrichtete, es schien jedoch auch nicht so ganz in Stein gemeißelt zu sein. Nachdem ein paar Fächer und Jahrgänge zwischen den Lehrern getauscht wurden, blieben noch Mathematik in Form 1 und 2 (9. und 10. Klasse (D) / 5. und 6. Gymnasium (A) ) und Biologie in Form 2 frei. An sich hatte der Schulleiter uns zwar nicht als Vollzeitlehrer eingeplant, es schien aber einen Lehrermangel an der Schule zu geben. Auch wenn bald neue Lehrer kommen sollten, war nicht ganz klar, wann. Also fragte der Schulleiter, ob wir bereit wären, in der Zwischenzeit die noch freien Fächer zu übernehmen. Wir waren uns zwar ein bisschen unsicher, ob wir uns das wirklich zutrauten, freuten uns aber auch über die Herausforderung. Also ließ ich mich bei Mathe und Julia sich bei Biologie eintragen. Anschließend wurden noch ein paar andere organisatorische Dinge besprochen, Felix sagte auch noch ein paar Worte, dann war die Versammlung nach ca. 1,5 Stunden beendet. Wir bleiben aber noch ein bisschen sitzen, tranken die Getränke, die einer der Lehrer mitgebracht hatte und unterhielten uns. Anschließend gingen wir in die Bibliothek, um uns die Bücher für unsere jeweiligen Fächer zu holen, mit denen wir uns auf den Unterricht vorbereiten würden.

Die Aufteilung der Fächer
Die Namen der Lehrer mit der Anzahl der Stunden pro Woche

Als alles erledigt war, gingen wir nach Hause, mittlerweile war es ca. 16 Uhr. Ich ging noch kurz Tomaten und Zwiebeln kaufen und ruhte mich ein bisschen aus. Als ich gegen 18 Uhr gerade dabei war, das Abendessen vorzubereiten, kam Patson (unser Nachbar und Lehrer) vorbei, um uns ein paar Tipps zum Unterrichten zu geben und sich generell ein bisschen mit uns zu unterhalten.

Nach dem Essen arbeiteten wir uns ein bisschen in unseren zukünftigen Stoff ein. Kurz darauf kamen Cliffort und Euleka und wir unterhielten uns mit Ihnen, bis wir schließlich schlafen gingen.

Back home

Als ich um 7 Uhr aufwachte, war Julia schon aufgestanden und fegte den Vorgarten von Cedrics Gastfamilie. Ich ging in die Küche zu Rita und Gondwani und fragte, ob ich behilflich sein könnte. Rita gab mir Kartoffeln zum Schälen und schneiden. Kurz darauf kam auch Julia dazu und half mir. Rita machte derweil Feuer und kochte die Kartoffeln dann zusammen mit Tomaten fürs Frühstück. Wir aßen sie zusammen mit Brot und tranken Kaffee dazu.

Nach dem Essen gegen 9 Uhr machten wir uns dann alle auf den Weg: Rita und Cedric gingen jeweils in die Arbeit und Julia und ich zum Markt, von wo aus die Minibusse fuhren. Wir fanden auch ziemlich schnell einen in unsere Richtung, kletterten hinein und waren auch schon unterwegs. Ungefähr eine halbe Stunde später sprang der Motor des Busses nach einer der Polizeikontrollen jedoch nicht mehr an. Auch die mehrmaligen Versuche und das Schieben des zweiten Fahrers halfen da nur wenig. Also stiegen wir alle wieder aus und warteten darauf, dass wir uns auf einige der anderen Minibusse verteilen konnten. Zusammen mit drei anderen aus unserem Bus konnten wir schließlich nach ca. 20 Minuten in einen neuen Bus steigen. Dieser war schon sehr voll, wir passten aber trotzdem noch irgendwie hinein. Die restliche Fahrt ging dann relativ schnell voran. Die Strecke führte wieder über die Berge und dann am See entlang, wie wir es schon kannten.

Um kurz nach 12 Uhr erreichten wir Uliwa (Chilumba), wo es ziemlich heiß war. Bei der Gelegenheit kauften wir uns gleich Tomaten und Zwiebeln und gingen los Richtung zuhause, in der Hoffnung, auf dem Weg ein Auto zu finden, das uns ein Stück mitnehmen konnte. Zu Fuß von Uliwa nach Hause zu gehen dauerte eben doch ungefähr 45 Minuten. Auf unserem Weg trafen wir einen Lehrer der Tawuka School und unterhielten uns kurz mit ihm. Gleich darauf hielt schließlich ein Auto am Straßenrand und nahm uns mit. Der Fahrer hieß Isaac und war auf dem Weg von Lilongwe nach Karonga. Er setzte uns vor der Tawuka School ab, von wo es echt nicht mehr weit nach Hause war.

Als wir den Feldweg verließen und unser Haus erreicht hatten, wurde wir herzlich von unseren Nachbarn begrüßt. Charity umarmte uns und Nyapeti nahm uns gleich ein paar Kleinigkeiten ab und trug sie ins Haus. Gleich darauf kam auch schon die Frage aller Fragen: ob wir mit Nsima essen wollten. Wir willigten ein und wenig später saßen wir mit Nyapeti und Seila auf einer Matte im Schatten eines unserer Mangobäume und aßen Nsima mit Bohnen und Mangold. Nach dem Essen blieb ich noch ein bisschen sitzen und ging dann duschen. Den restlichen Tag verbrachten wir die meiste Zeit draußen mit unseren Nachbarn.

Gegen 18 Uhr, als Julia drinnen gerade einen Topf mit Soja-Pieces aufgestellt hatte, stellte Charity für uns und ihren Mann eine Schüssel mit selbst-gemachten Pommes mit Tomaten hin. Diese schmeckten sehr gut und waren zum Glück auch nicht zu viel.

Zu früh gefreut – nicht allzu viel später hatte Charity nämlich das eigentliche Abendessen fertig gekocht: Reis mit kleinen Fischen und Mangold, wovon sie uns auch gleich reichlich auf unsere Teller füllte. Naja wenigstens passten unsere Soja-Pieces ganz gut dazu… Wir aßen zusammen mit Charity, ihrem Mann (ich finde den Namen noch heraus) und deren Tochter Memore zwischen den beiden Häusern. Das Essen schmeckte sehr gut, machte aber auch echt satt. Kurz nach dem Essen verabschiedeten Julia und ich uns für die Nacht und gingen nach drinnen – wir waren von der ganzen Reise ziemlich müde. Cliffort kam auch vorbei und wir redeten kurz mit ihm, vertrösteten aber auch ihn ziemlich bald auf morgen.

Nächster Streckenabschnitt: Senga Bay – Ekwendeni

Als ich um kurz nach 6 Uhr unter lautem Vogelzwitschern aufwachte, saß Julia schon im Garten. Ich stand auf und setzte mich zu ihr. Kurz darauf waren auch Jana und Phöbe wach und wir frühstückten zusammen. Lukas, der heute frei hatte, schlief noch. Um kurz vor 8 Uhr fuhren Phöbe und Jana zur Arbeit – sie wollten zum Fischereiministerium in Senga Bay, um dort zu fragen ob sie die konfiszierten illegalen Fischernetze haben konnten, um Taschen daraus zu machen.

Nicht viel später gingen Julia und ich den kurzen Weg zum Strand und gönnten uns ein morgendliches Bad. Während wir im ruhigen Wasser dahin schwammen, flog ein Weißkopf-Seeadler über uns vorbei. Nachdem wir mit dem Schwimmen fertig waren, gingen wir gegen 9 Uhr zurück, wo Lukas mittlerweile auch aufgestanden war. Wir spielten ein bisschen zusammen Karten, bis gegen 10 Uhr Jana und Phöbe wiederkamen. Wir gingen mit Ihnen nach vorne, um ihre Mentorin Sam, eine echt coole und engagierte Frau, kennenzulernen. Als sie mit den beiden Freiwilligen wieder gefahren war, um Spielsachen zu einem Kindergarten zu bringen, machten auch wir uns kurz darauf auf den Weg.

Lukas, der in Salima einkaufen gehen wollte, kam mit uns und wir stiegen zu dritt auf ein Motorrad-Taxi, das uns wieder zum Markt nach Senga Bay brachte. Dort stand auch wieder direkt ein Sammeltaxi nach Salima bereit, in das wir einstiegen. (Salima ist die nächstgrößere Stadt.) Etwa eine halbe Stunde später (gegen 11:15 Uhr) waren wir dort und gingen zum Busterminal, wo zwischen 11 und 13 Uhr ein Reisebus nach Mzuzu fahren sollte. Mzuzu liegt 348 km nördlich von Salima, immer am See entlang. Von Mzuzu wollten wir dann weiter nach Ekwendeni.Wir hatten am Tag zuvor beschlossen, nicht wie geplant heute den ganzen Weg zurück nach Chilumba zu fahren, sondern noch eine Nacht in Ekwendeni zu verbringen, weil wir sonst erst mitten in der Nacht angekommen wären. Der Bus war aber noch nicht da, weshalb wir erst mal zur Bank gingen und uns dann Brötchen, Äpfel, eine Packung Kekse und Wasser als Reiseproviant kauften. Lukas war mittlerweile weitergezogen.

Zurück am Busterminal, warteten wir bis ca. 12:30 Uhr, dass der Bus auftauchte. Dann ging das Gedränge los: als erstes musste man sich mühsam eine Fahrkarte ergattern und sich dann hartnäckig in den Bus zwängen, der schon ziemlich voll war – Sitzplätze gab es keine mehr. Schließlich schafften wir es einzusteigen, und kämpften uns ziemlich weit nach hinten. Während wir darauf warteten, dass alle eingestiegen waren, kletterte ein Mann durchs Fenster und lud die Koffer der Leute, die hier ausgestiegen ware, aus. Schließlich holte er auch eine Matratze, die jemand mitgenommen hatte und schaffte es tatsächlich mit etwas Hilfe, diese durchs Fenster zu zwängen.

Gegen 13:10 Uhr fuhren wir schließlich los und auch wenn Julia und ich stehen mussten, waren wir auch nicht zu sehr eingezwängt. Außerdem hatte ich ziemliches Glück, denn nach einer guten halben Stunde stieg ein Mann aus, der einen Sitzplatz direkt neben mir gehabt hatte. Also konnte ich mich neben eine ziemlich nette Frau setzen. Nach einer Weile spendierte eine Frau links von mir uns Beiden je eine Banane, die sie sich gerade gekauft hatte. Ca. eine Stunde später waren wir in Nkhota Khota, wo wieder einige Leute ausstiegen, sodass Julia jetzt auch einen Sitzplatz hatte. Generell wurde der Bus immer leerer je weiter wir kamen und ungefähr zwei Stunden vor Mzuzu musste auch niemand mehr stehen. Generell war die Fahrt ganz entspannt, wir fuhren durch schöne Landschaften, immer Richtung Norden am See entlang und unterhielten uns zwischendurch mit unseren Mitreisenden. Leider war es jedoch sehr heiß, was sich erst besserte als um kurz vor 18 Uhr die Sonne untergegangen war.

Um kurz vor 8 Uhr erreichten wir schließlich Mzuzu, wo wir direkt in ein neben dem Bus parkendes Taxi stiegen. Noch lange im Dunklen nach einem Sammeltaxi zu suchen, wäre etwas zu gefährlich gewesen. Der Taxifahrer brachte uns nach Ekwendeni, wo wir ungefähr 20 Minuten später ankamen. Dort wurden wir von Rita, Cedric und seinem Gastbruder Gondwani willkommen geheißen. Sie hatten sogar mit dem Essen auf uns gewartet. Es gab Nsima, Reis, Schweinefleisch und Kohl mit Tomaten. Nach dem Essen schnitt Rita auch noch eine selbstgepflückte Papaya auf. Wir unterhielten uns noch eine Weile, schauten mit Cedric und Gondwani fern und gingen schließlich viel später als gewohnt ins Bett.

Der Blick von meinem Schlafplatz
Das Busterminal in Salima
Busterminal Bild 2
Gedränge im Bus
Auf der Fahrt
Damit man ein bisschen besser nachvollziehen kann, wo wir so unterwegs waren: Kreuz: Chilumba, unser Zuhause Rot: Dienstag Blau: Donnerstag Grün: Freitag Lila: Samstag (voraussichtlich)

Warten, warten und noch mehr warten

Kurz nach 6 Uhr… Als mittlerweile sehr geübte Frühaufsteherinnen behielten Julia und ich unseren Rhythmus, packten unsere Sachen und verließen die Freiwilligen-WG um kurz vor 7 Uhr. Wir wollten nach Senga Bay fahren, ca. 2 Stunden von Lilongwe entfernt, direkt am Malawisee. Dort wollten wir zwei weitere Kolping Freiwillige besuchen – Jana und Phöbe.

Wir ließen uns also von einem TukTuk an eine Stelle bringen, wo wir hofften einen Minibus zu erwischen, der uns nach Salima bringen konnte. Nach kurzer Zeit erfuhren wir aber, dass wir dafür zum Minibus Depot in der Old Town mussten und stiegen nach kurzem Warten in einen Minibus, der dort hinfuhr. Mittlerweile war es 8 Uhr. Das Minibus- Depot war voller Minibusse mit verschiedenen Zielen und sehr unübersichtlich. Ein Mann bot uns an, uns zu den Bussen nach Salima (eine Stadt in der Nähe von Senga Bay) zu bringen. Wir waren uns zwar nicht ganz sicher, ob wir ihm trauen sollten, folgten ihm aber schließlich. Er brachte uns zu einem Busparkplatz wo keine Minibusse, sondern Reisebusse bereit standen, und zeigte uns den nach Salima. Er sollte um 9:00 Uhr losfahren und kostete nicht viel mehr als ein Minibus, also stiegen wir ein, um uns einen Platz zu sichern. Wir warteten, dass der Bus losfahren würde. Es wurde 9 Uhr, es wurde 9:30 Uhr, es wurde 10 Uhr… und wir standen immer noch. Wir verstanden auch nicht wirklich wieso, denn der Bus war fast voll, der Fahrer war da, aber wir fuhren nicht los. Um kurz vor 11 Uhr passierte das Wunder: wir fuhren los! Allerdings war unsere Begeisterung nur von kurzer Dauer, da wir wegen des Verkehrs ungefähr 20 Minuten brauchten, um uns vom Bus-Depot zu entfernen. Und als wir aus dem ärgsten Verkehr raus waren, blieben wir wieder stehen- der Bus schien kaputt zu sein. Also mussten wir alle aussteigen.

Da Julia und ich wenig Lust verspürten, auch nur eine Minute länger unnötig auf diesen Bus zu warten, gingen wir zurück zum Depot, um einen anderen Bus zu nehmen. Wieder zeigte uns ein Mann den Weg, diesmal wirklich zu den Minibussen. Wir fanden auch ziemlich schnell einen nach Salima, allerdings keinen normalen Minibus sondern ein etwas größeres Modell für ungefähr 30 Personen. Der Bus war noch ziemlich leer, was ja erstmal ganz gut klingt – allerdings nicht in Malawi. Denn die Busse fahren los wenn sie voll sind, wirklich voll. Wir warteten also. Währenddessen kauften wir uns kleine Gebäckstücke von einem der Händler, die ununterbrochen an den Busfenstern vorbeigingen, um ihre Waren zu verkaufen. Nachdem wir auch in diesem Bus eine Weile gesessen waren, beschlossen wir noch bis 13:30 Uhr zu warten und sollte der Bus bis dahin nicht losgefahren sein, doch in Lilongwe zu bleiben. Um 13:27 Uhr stieg der Fahrer in den Bus und startete den Motor. Auch wenn es die ersten Minuten wieder relativ langsam voran ging, waren wir doch tatsächlich losgefahren!

Nach ungefähr zwei Stunden Fahrt erreichten wir Salima, wo wir fast zu früh ausgestiegen wären, wenn uns nicht der Busfahrer und zwei Mitreisende darauf hingewiesen hätten, dass wir noch weiter mitfahren mussten, wenn wir nach Senga Bay wollten. Kurz darauf kamen wir am Busterminal in Salima an, wo uns ein Mann direkt zu einem Sammeltaxi nach Senga Bay führte. Dieses war wenige Minuten später auch voll (12 Leute in einem Fünfsitzer- 4 Vorne, 5 in der Mitte, 3 im Kofferraum).

Um kurz nach 4 Uhr hatten wir schließlich unser Ziel erreicht, wo Jana und Phöbe uns abholten und mit uns zur „Cool Runnings Lodge“ gingen, die ihrer Mentorin Sam gehört. Die Lodge ist sehr schön und liegt direkt am See, sodass Julia und ich direkt ins Wasser sprangen. Auch Phöbe kam mit in den See. Das schwimmen in der mittlerweile abendlich leuchtenden Sonne wär echt eine gelungene Entschädigung für das ganze Warten.

Als wir wieder aus dem Wasser gekommen waren, gingen wir zu viert zum Markt, wo wir uns jeweils zu zweit ein Motorrad-Taxi nahmen, das uns zum Haus von Phöbe und Jana brachte. Dieses liegt direkt hinter deren Arbeitsplatz.

Die Beiden arbeiten in einem Swop Shop, wo die Leute ihr altes Plastik hinbringen können und sich dann, je nachdem wie viel sie gebracht haben, etwas im Shop aussuchen können. Das Plastik wird dann entweder nach Lilongwe gebracht und dort recycelt, oder es wird alles Mögliche daraus gebastelt. Dazu geben die Freiwilligen und ihre Mentorin auch Workshops, soweit ich das verstanden habe.

Jana und Phöbe haben ein sehr schönes und ruhig gelegenes Haus mit Garten, wo wir auch auf Lukas trafen, dessen Projekt ganz in der Nähe ist und der vorübergehend bei den beiden wohnt. Wir verbrachten einen netten Abend, Julia kochte Reis mit Tomaten und Zwiebeln und es war sehr schön, die Drei wiederzusehen. Und auch wenn es echt mühsam gewesen war, hierher zu kommen, waren Julia und ich doch froh, uns dafür entschieden zu haben.

Wir fahren endlich los! (Blick auf ein paar Minibusse)
Der See
Sonnenuntergang in Senga Bay
Jana und Phöbe auf dem Motorrad-Taxi

Bürokratie in Malawi

Nachdem Julia und ich unsere Sachen gepackt und unser Zimmer bezahlt hatten, brachen wir gegen 7:30 Uhr vom Mabuya Camp auf. Unser erstes Ziel war das Department of Immigration. Wir hatten beschlossen, die knapp drei Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Leider gingen wir am Anfang in die falsche Richtung, weshalb es doch etwas länger dauerte als geplant. Auf unserem Weg kamen wir an der Lilongwe City Mall vorbei, wo wir in ein riesiges Geschäft namens „Game“ gingen. Dort konnte man wirklich alles kaufen, von Lebensmitteln über Wandfarbe bis hin zu Autozubehör. Auch wir fanden, was wir suchten: ein Zelt. Wir waren sehr froh über unseren Kauf, da wir fürs Lake of Star Festival Ende des Monats sowieso eins brauchten, und es generell für mehr Mobilität sorgte, zum Beispiel in Nationalparks. Zusätzlich kann man in vielen Lodges in Malawi für wenig Geld auf dem Gelände zelten.

Wir gingen weiter, hoben bei einer nahe gelegenen Bank Geld ab und erreichten schließlich gegen halb 10 unser Ziel. Wir betraten das Amt, wo in einem Raum mehrere Beamte hinter Schreibtischen saßen. Es ging alles ziemlich entspannt zu. Nachdem wir erklärt hatten, dass wir ein Temporary Residence Permit brauchten, wurden wir zum Chef geschickt, dessen Schreibtisch etwas größer und schöner war als die der Anderen. Er war ziemlich unfreundlich und erklärte uns, wir bräuchten das Schreiben von der deutschen Botschaft, das wir nur auf dem Handy hatten, in ausgedruckter Form. Auch sonst schien er wenig Interesse daran zu haben, uns weiterzuhelfen und sagte, wir hätten uns schon vor unserer Reise nach Malawi über diese Dinge informieren sollen.

Wir beschlossen also, zur deutschen Botschaft zu fahren, um uns das originale Dokument abzuholen, das dort für uns bereit lag (eine Art Bestätigung, dass wir für ein Jahr einen Freiwilligendienst hier machen). Wir setzten uns – wie schon gestern Abend – in ein TukTuk und ließen uns zur Botschaft fahren. Der Fahrer fuhr als erstes allerdings versehentlich zur Residenz des Botschafters, anstatt zur tatsächlichen Botschaft- ein ziemlich beeindruckendes Gebäude. Als die Wachen ihm den Weg erklärt hatten, brachte er uns schließlich zur Botschaft. Wir gingen hinein und bekamen auch direkt, was wir suchten.

Allerdings dauerte der Weg länger, da wir etwas vom Zentrum entfernt waren und wir erst zu einer größeren Straße gehen mussten, um einen Minibus zu finden, der uns Richtung Zentrum brachte. Mittlerweile war es ca. 11:30 Uhr, eine halbe Stunde bevor das Immigration Office Mittagspause hatte. Wir beschlossen also, zuerst einen anderen Punkt auf unserer To-Do List abzuhaken: die Festival Tickets. Wir hatten uns vor ein paar Wochen auf die Warteliste setzen lassen, um noch Festivaltickets zu bekommen und sollten diese jetzt in einem Café hier in Lilongwe abholen.

Wir setzten uns also in ein weiteres TukTuk und fuhren dorthin. Alles lieg problemlos ab und kurz darauf hatten wir unsere Tickets. Weil es mittlerweile schon kurz nach 12 war und wir noch nichts gegessen hatten, setzten Julia und ich uns in ein Restaurant nebenan und bestellten uns jede ein Sandwich und eine Breakfast Bowl für uns beide zusammen.

Als wir fertig waren mit Essen, fuhren wir zurück zur Einwanderungsbehörde und warteten noch einige Minuten bis es um 13:30 Uhr wieder öffnen würde. Diesmal hatten wir mehr Glück, denn der Beamte, der sich diesmal mit uns befasste war viel freundlicher und unkomplizierter. Wir bekamen ein Formular zum ausfüllen und eine Liste mit Dokumenten, die wir sonst noch brauchten. Damit gingen wir in einen Shop nebenan, wo wir diese ausdrucken und kopieren konnten und außerdem Passfotos machten. Anschließend gingen wir zur Bank, um Geld abzuheben, das TRP für 6 Monate kostet nämlich 100$. Als das alles erledigt war, reichten wir die Dokumente ein, mussten uns noch ein paar Stempel und Zahlungsbelege holen und waren schließlich fertig mit unserem Antrag auf die Verlängerung unserer Aufenthaltserlaubnis. Mittlerweile war es ungefähr halb vier.

Unser nächstes Ziel war die WG von Charlotte, Lea und Anna, ebenfalls Kolping Freiwillige, die mit uns zusammen nach Malawi geflogen waren. Auf dem Weg kauften wir uns noch Orangen und Erdbeeren und ließen uns dann von einem TukTuk in die Area 8 bringen. Dort gingen wir das letzte Stück zu dem Haus der Drei, die uns freundlich in Empfang nahmen.

Wir verbrachten einen netten Abend, aßen Reis mit Gemüsecurry und tauschten uns viel über die unterschiedlichen Erfahrungen aus, die wir bis jetzt gemacht hatten…

Im TukTuk
Ein leckeres Mittagessen
Das Parliament Building (auf dem Weg zur Botschaft)
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