Familienfeier

Dienstag, 20.August

Nachdem ich wieder einmal von Hahnenschreien und den Gesprächen unserer sehr früh aktiven Nachbarn geweckt wurde, stand ich kurz nach7 Uhr auf. Wir aßen die Eier, die wir am Tag davor gekauft und die ich zu Eierspeise verarbeitet hatte. Nach dem Frühstück setzten wir uns auf die Terrasse, wo uns auch Prison (unsere Katze) wieder besuchte, die die Nacht draußen verbracht hatte. Kurz darauf kam auch Eureka vorbei und wir unterhielten uns ein bisschen mit ihm.

Kurz vor 10 Uhr ging Nyapeti wieder mit uns zu ihrer Familie. Dieses Mal fand das Treffen bei dem Haus von Nyapetis Schwester statt, bei dem wir schon am Abend zuvor kurz vorbeigeschaut hatten. Vor dem Haus auf dem Boden saßen wieder die gleichen Frauen, wie gestern. Die Männer waren hinter dem Haus wieder mit der Fertigstellung des Grabes beschäftigt, das sie mit schwarz glänzendem Stein bedeckten. Das Grab gehörte dem Mann von Nyapetis Schwester, der 2006 gestorben war.

Schon kurz nach unserer Ankunft wurden Süßkartoffeln und gekochter Cassava auf die Decke gestellt und gegessen. Beides schmeckte sehr gut und erinnerte mich vom Geschmack her etwas an Maroni. Zu trinken gab es wieder Chindongua, diesmal allerdings in warm und um einiges süßer als bei Mary.

Kaum hatten wir fertig gegessen, begannen einige der Frauen, das Mittagessen vorzubereiten. Ein Huhn wurde geschlachtet und gerupft, aus einem Haufen Bohnen wurden die schlechten aussortiert und zwei Frauen schnitten einen großen Haufen Mangold, was alles seine Zeit brauchte. Gegen 13 Uhr fingen die ersten Frauen an, Nsima zu kochen. Dafür wurden drei oder vier kleine Feuer gemacht, auf denen parallel das Mehl-Wasser-Gemisch zubereitet wurde. Ich weiß nicht wie viele Töpfe Nsima die Frauen kochten, aber es waren sehr viele, wir waren jedoch auch viele Menschen. Nachdem Julia und ich eine Weile zugeschaut hatten, wie Nsima aus Cassava zubereitet wurde, durften wir beim kochen von Maismehl-Nsima mithelfen. Die Zubereitung von Nsima mit Cassava soll um einiges schwerer sein, da es fester wird und man dadurch um einiges mehr Kraft fürs Umrühren aufwenden muss, als bei der Mais-Variante. Eda und Dunia zeigten mir, wie ich mit dem großen Holzlöffel rühren musste, während Julia immer wieder Mehl dazu schüttete Zusätzlich zum Nsima wurde der Mangold zusammen mit Tomaten und Zwiebeln gekocht, genauso wie das Huhn und die Soja-Stücke, die als Ergänzung zum Huhn zubereitet wurden, das lange nicht für alle reichen würde.

Gegen 14 Uhr wurde gegessen. Julia, Nyapeti und ich bekamen als erstes serviert, was uns etwas unangenehm war, da die anderen noch nichts hatten. Außerdem bekamen wir jede ein Stück von dem wertvollen Huhn. Alles schmeckte wieder ziemlich gut, vor allem das mit Tomaten und Zwiebeln gekochte Soja. Nach dem Essen blieben wir noch kurz auf der Decke sitzen, bis Julia schließlich anfing, den Kindern Bewegungsspiele zu zeigen. Als erstes spielten wir „Komm mit – Lauf weg“ (das Spiel, wo alle im Kreis stehen und einer von außen jemanden antippt, der dann vor ihm seinen Platz wieder erreichen muss). Am Anfang spielten sogar 2 – 3 von den Frauen mit. Wir spielten viele verschiedene Spiele und immer mehr Kinder kamen dazu. Als uns irgendwann die Spiele ausgingen, zeigten die anderen uns Spiele, die sie spielten. Viele davon waren so aufgebaut, dass alle im Kreis standen, sangen und klatschten und jemand in der Mitte tanzte. Die Person in der Mitte holt sich dann jemanden dazu, geht selbst raus und so weiter. Auch hier waren viele der Frauen mit Begeisterung dabei und hatten auch viel Spaß daran, uns zu involvieren.

Als die Sonne schon kurz vorm Untergehen war (gegen 17:30 Uhr) gingen wir noch einmal zum Grab, um zu schauen, wie weit es bis jetzt vorangegangen war. Auch wenn sich seit dem Vormittag schon viel verändert hatte, war es doch noch nicht fertig, was dann am nächsten Tag passieren würde. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg nach Hause, wo wir einen weiteren Verwandten von Nyapeti trafen, der Grundschullehrer war und mit dem wir uns kurz unterhielten. Gegen 18 Uhr waren wir schließlich wieder Zuhause, wo wir nach Drinnen gingen, um uns auszuruhen.

Bei der Arbeit…

Dunia und ich beim Nsima kochen
Auf dem Weg nach Hause…

Mal wieder was Neues gelernt…

Montag, 19. August

öööööööövöä2wwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwa cs5ni^d – das passiert, wenn sich die Katze auf die Tastatur setzt.

Ich stand gegen 8 Uhr auf und wir frühstückten. Mary hatte zwar am vorherigen Tag angekündigt, uns im Laufe des Tages abzuholen, hatte sich bis jetzt aber noch nicht gemeldet. Also setzten Julia und ich uns auf die Terrasse. Bald schon kam Eureka vorbei (Yuleka ist anscheinend nicht die richtige Schreibweise) und bat uns, ihm ein bisschen Deutsch beizubringen. Wir verbrachten fast den ganzen Vormittag auf der Terrasse. Irgendwann rief Mary an und erzählte, sie sei mit einem kranken Familienmitglied in Mzuzu im Krankenhaus und würde frühestens am Abend wiederkommen.

Weil wir jetzt Zeit hatten, entschieden Julia und ich, auf der Terrasse unsere Wäsche zu waschen. Kaum hatte ich damit angefangen, wurde ich von einigen unserer Nachbarn sehr amüsiert beobachtet. Charity, eine der Frauen, nahm mir lachend die Kleidung aus der Hand und zeigte mir, wie man sie richtig aneinander rieb, um sie sauber zu bekommen. Nyapeti brachte uns noch einen zweiten Trog mit sauberem Wasser, in dem wir die Kleidung ausspülen sollten. Wir Anfänger hatten uns natürlich nur einen Trog geholt. Unsere Unfähigkeit, vernünftig Wäsche zu waschen schien für den restlichen Tag ein ziemlich unterhaltendes Gesprächsthema für unsere Nachbarn zu sein.

Als wir unsere Wäsche fertig aufgehängt hatten, machte Nyapeti uns klar, das sie mit uns wo hin gehen wollte. Auch wenn wir keine Ahnung hatten, wo sie uns hinführte, folgten wir ihr. Nach ca. 20 Minuten Fußweg, auf dem wir einige Häuser passiert und viele Menschen gegrüßt hatten, waren wir am Ziel. Unter einem Mangobaum saßen einige Frauen jeden Alters auf Tüchern auf dem Boden und viele Kinder liefen herum. Wie sich später herausstellte, gehörten sie alle zu Nyapetis Familie. Wir setzten uns zu den Anderen, hatten aber immer noch nicht wirklich eine Ahnung, wo wir waren. Zum Glück kam uns Nyapetis Nichte Eda zur Hilfe, die extra für dieses Zusammentreffen aus Lilongwe angereist war. Außerdem war sie eine der wenigen in der Runde, die sich wirklich auf Englisch verständigen konnte. Sie erklärte uns, dass es eine Art Beerdigungszeremonie für ihre verstorbene Großmutter war, die zwar nicht heute beerdigt, dessen Grab aber heute fertiggestellt wurde. (Zumindest habe ich das so verstanden, ganz sicher bin ich mir auch nicht.) Dem Grabstein zufolge war sie schon vor elf Jahren gestorben. Eda zeigte uns das fast fertige Grab, was auch unsere Frage, wo die ganzen Männer seien, beantwortete – einige von ihnen waren mit dem Bau des Grabes beschäftigt, die anderen saßen daneben.

Wir gingen wieder zurück zu den anderen Frauen und setzten uns zu ihnen. Wir bekamen Nsima (diesmal auch mit Kasawa) und Bohnen im Haus nebenan zu Essen. Nach dem Essen setzten wir uns wieder nach draußen und irgendwann fing Nyapeti an, ziemlich viel zu reden. Ihren Gestiken, meinen begrenzten Tumbuka Kenntnissen und den Reaktionen der anderen Frauen nach zu urteilen, berichtete sie unter anderem von unserer Art Nsima zu essen und Wäsche zu waschen, was wieder einmal sehr zur allgemeinen Unterhaltung beitrug.

Irgendwann wurden zwei der Frauen die Haare geflochten und als Julia und ich Interesse zeigten, wurden wir eingeladen, es selbst zu versuchen. Auch das führte zu sehr viel Begeisterung und einige Kinder und Männer kamen dazu, um uns zuzusehen. Nachdem ich komplett unfähig versucht hatte, einer der Frauen die ziemlich kurzen Haare zu flechten, kam Eda und zeigte es mir. Daraufhin bekam ich es wenigstens einigermaßen hin. Eine der Frauen kam und flocht auch mir die Haare. Nach dem Flechten artete das Treffen schnell in eine kleine Chitumbuka – Stunde aus.

Nach einiger Zeit gingen alle zurück zum Grab, das schon sehr schön geworden war. Julia und ich stellten uns daneben, um es uns anzusehen und waren schon bald von vielen Kindern umringt, die sich sehr freuten, als wir anfingen, mit ihnen Klatschspiele zu spielen. Nach fünf bis zehn Minuten wurden wir gebeten, leise zu sein und alle setzten sich auf den Boden. Ein Mann und eine Frau sprachen jeweils ein kurzes Gebet, dann schlossen alle ihre Augen und beteten noch ein paar Worte zusammen. Als die Zeremonie vorbei war, verabschiedeten wir uns und gingen zum Haus von Nyapetis Schwester, das ungefähr drei Gehminuten entfernt war. Währenddessen ging gerade die Sonne unter. Dort blieben wir noch kurz und Eda zeigte uns das angefangene Grab ihres Vaters, das in einer ähnlichen Zeremonie am nächsten Tag fertig gestellt werden sollte.

Auch wenn während der Familienfeier oft über uns gelacht wurde und es auf Dauer schon anstrengend sein konnte, so oft im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, fühlten wir uns trotzdem sehr willkommen und waren wirklich froh, dass Nyapeti uns mitgenommen hatte.

Gegen 18 Uhr machten wir uns schließlich auf den Rückweg durch die Dunkelheit. Auf dem Weg kauften Julia und ich uns in einem kleinen Laden neben der Straße noch schnell Tomaten und Eier für den nächsten Tag.

Kurz nach halb sieben kamen wir schließlich wieder Zuhause an, wo wir unseren Nachbarn eine gute Nacht wünschten und nach Drinnen gingen.

Der Grabsteinbau in vollem Gange
Spaß beim Schreiben

Tikuluta ku charichi (wir gehen in die Kirche)

Sonntag, 18. August

Wir standen gegen 6:30 Uhr auf und machten uns Frühstück – Porridge mit Bananen, wofür wir die Milch aus Milchpulver anrührten. Nach dem Essen machten wir uns fertig, Mary wollte nämlich mit uns in die Kirche gehen.

Während wir auf sie warteten, hatten wir eine spontane Chitumbuka Stunde mit einem unserer Nachbarn, der auch gleichzeitig Lehrer an der Tawuka School (also bald auch unser Kollege) ist.

Schließlich tauchte Mary auf und wir machten uns auf den Weg in die katholische Kirche. Als wir dort ankamen, setzten wir uns auf eine Bank auf der rechten Seite – die Seite für Frauen.

Die Messe war auf Tumbuka, also verstanden wir fast gar nichts. Trotzdem war es ziemlich interessant. Es wurde viel gesungen (es gab eine Art Gospel – Chor, dessen Mitglieder ungefähr in unserem Alter waren) und zusammen gebetet. Als an einer Stelle alle nach und nach aufstanden, um nach vorne zu gehen und in beschriftete Boxen zu spenden, sahen Julia und ich uns erschrocken an – natürlich hatten wir nicht daran gedacht, Geld mitzunehmen. Wir blieben als einzige in unserer Reihe sitzen, was sehr unangenehm war. Es schien aber kein großes Problem zu sein und Mary antwortete auf meine Entschuldigung gelasssen „Next time“.

Etwas später wurden von einigen Frauen auf einmal jede Menge Essen nach vorne getragen und dort abgelegt. Darunter waren Bananen, Erdnüsse, Tomaten und ein lebendes Huhn. Wie uns später erklärt wurde, war das Essen für den Pfarrer und dessen Besucher. Gegen Ende der Messe wurden wir von einem Mann, der vorne stand und die Anzahl der Spenden vorlas offiziell wilkommen geheißen und gebeten, uns vorzustellen. Etwas unsicher standen wir also auf, sagten unsere Namen und was wir hier machten, was auf freundliche Reaktionen stieß.

Als die Kirche vorbei war, kam Felix zu uns und stellte uns dem Pfarrer vor, der uns kurzerhand zu sich nach Hause einlud. Also folgten wir ihm auf sein ca. 50 m entferntes Grundstück. Er hatte ein sehr großes Haus mit einem schönen Garten, einer großen Terasse und ein paar Angestellten. Mary, Julia, Marys Enkelin und ich nahmen auf der Terasse platz und genossen den Ausblick auf die umliegenden Berge/Hügel und den Malawisee. Der Pfarrer brachte uns Fanta und Cola, ging dann aber wieder, weil er jemanden abholen fuhr.

Als wir ausgetrunken hatten, gingen wir wieder zurück nach Hause. Es war ein ca. 20 minütiger Fußweg durch Feldwege und am „Trading Center“ vorbei, dessen Geschäfte heute am Sonntag aber geschlossen waren. Gegen 12:30 Uhr waren wir wieder da und Mary verabschiedete sich, sie hatte noch viel zu tun.

Julia und ich setzten uns auf die Terasse, umgeben von vielen Nachbarskindern, denen Julia Malsachen rausgelegt hatte. Nachdem wir eine Weile so gesessen, selber gemalt und Armbänder geflochten hatten, machten Julia und ich einen Spaziergang. Wir wollten schauen, ob wir zum See kommen und den Weg zurück finden würden.

Auf dem Weg trafen wir auf ein bläuliches Chamäleon, das ganz entspannt vor uns saß, auch als ich näher kam, um ein Foto zu machen. Nach ca. 15 Minuten kamen wir an die Straße, von wo aus man den See sehen konnte. Wir bogen in einen Feldweg ein, der unserer Meinung nach in die richtige Richtung führte und trafen dort auf drei Frauen, die uns auf Chitumbuka fragten, wo wir hinwollten. Nachdem wir ihnen sehr holprig erklärt hatten, dass wir zum See wollten, erklärten sie uns, dass wir einfach der Straße folgen müssten. Die eine der drei – Rose – stellte sich als ehemalige Lehrerin der Tawuka School heraus, die unsere Vorfreiwilligen gut kannte.

Wir folgten also der Straße, realisierten aber nach einiger Zeit, dass es noch ca. eine halbe Stunde bis zum See dauern würde, was sich nicht lohnen würde, wenn wir vor der Dunkelheit wieder zurück sein wollten. Und das mussten wir auf jeden Fall , da wir sonst ziemlich sicher nicht den Weg zurück gefunden hätten. Wir drehten also um, und gingen zurück. Überraschenderweise fanden wir problemlos den Weg.

Wir setzten uns wieder auf die Terasse und kurz darauf kamen Yuleka und sein Bruder Cliffort vorbei, mit denen wir uns unterhielten. Sie erklärten uns, wie man Nsima aus „Cassava“ (Maniok) herstellt – vom Anbau bis zum Gericht. Cassava ist ein Wurzelgewächs, das allein hier im Umkreis von 200 m in drei verschiedenen Sorten angebaut wird. (Marys Mann hatte uns schon am Tag zuvor erklärt, das es eine sehr sichere Ernte war, da die Pflanze wenig Wasser brauchte und im Gegensatz zu Mais unter so gut wie allen Bedingungen wachsen konnte.) Auf unsere Frage, ob man Cassava auch roh essen könne und ob wir es mal probieren könnten, verschwand Yuleka für ca. 10 Sekunden in der Dunkelheit und kam dann mit einem Zweig zurück, an dessen Ende das Wurzelgewächs hing. Wir schälten es mit einem Messer und aßen die nun leuchtend weiße Pflanze, die ziemlich gut schmeckte.

Nachdem wir uns noch etwas unterhalten hatten, holten Julia und ich wieder unsere Gitarre und Ukulele heraus. Yuleka holte ebenfalls seine Gitarre und wir machten wieder etwas Musik zusammen.

Gegen 22 Uhr kündigten Julia und ich mit den Worten „nkhuruta ukagona“ (die wir vorher in meinem schlauen Notizbuch nachgeschlagen hatten) an, dass wir schlafen gehen würden und verabschiedeten uns für den Tag.

Beim Spazieren gehen
Was man so alles auf dem Weg findet…

Viele neue Eindrücke

Samstag, 17. August

Hahnenschreie, Hundegebell und Grillenzirpen- das waren die Geräusche, die mich früh am Morgen im Halbschlaf begleiteten. Außerdem war mir im Laufe der Nacht ziemlich kalt geworden, es war schließlich noch Winter hier in Malawi und ohne richtige Decke und mit kurzen Sachen zu schlafen war dann doch ein bisschen wenig. Abgesehen davon hatte ich aber sehr gut geschlafen, unter Anderem dank meiner sehr gemütlichen Matratze.

Kurz vor 7 stand ich auf und setzte mich mit Julia und Prison (unsere Katze) auf die Terasse, um zu frühstücken. Bald kam auch schon Yuleka vorbei, einer unserer Nachbarn, ungefähr in unserem Alter. Wir baten ihn, uns etwas Chitumbuka beizubringen, was er auch direkt machte.

Auch wenn Englisch (zusammen mit Chichewa) die offizielle Amtssprache Malawis ist, ist es doch schwierig, sich mit einigen unserer Nachbarn zu verständigen, ohne wenigstens ein bisschen Chitumbuka zu sprechen. Tumbuka (die Vorsilbe „Chi“ bedeutet einfach nur Sprache) wird vor allem im Norden von Malawi von knapp einer Million Menschen gesprochen und ist eine der vielen verschiedenen Sprachen des Landes.

Als Yuleka uns einige Vokabeln und Floskeln beigebracht hatte, fanden Julia und er heraus, dass sie genau die gleichen Kirchenlieder kannten und wir holten unsere Gitarre und Ukulele nach draußen und machten zusammen Musik. Bald kamen auch einige Kinder vorbei und hörten interessiert zu, oder sangen mit.

Kurz nach 9 kam Mary (unsere Mentoren), um uns abzuholen. Zusammen gingen wir den ca. 5- minütigen Fußweg zur Tawuka Secondary School, unser künftiger Arbeitsplatz. Auch wenn gerade noch Ferien waren, zeigten Mary und der Direktor Felix uns den Campus, der aus vielen kleinen Gebäuden besteht. Dort gibt es unter anderem eine Bibliothek, einen Computerraum, ein Naturwissenschaftsraum und ein paar Klassenräume. Der Schulhof ist voll mit Ziegen, die dort frei herum laufen.

Nachdem wir auch ein paar Lehrer kennengelernt hatten, fuhren Felix, Mary und Joha (der Fahrer) mit uns durch Chilumba. Wir fuhren zum Markt, um Wasser zu kaufen, zu einem Schreiner und schließlich zum ca. 4 Kilometer entfernten Malawisee. Dort gingen wir kurz zum Strand, um uns den See anzusehen. Auch von Nahem sah er einem Meer zum verwechseln ähnlich. Am Strand begegneten wir zwei Frauen, die mit dem klaren Seewasser ihre Wäsche wuschen, Kindern, die ausgelassen darin badeten und einem Mann der das Wasser benutzte, um sein Auto zu waschen.

Wir fuhren weiter und besuchten einen Kindergarten, der zur Tawuka School gehörte und im September eröffnet werden sollte.

Gegen 13:30 Uhr setzte Joha Mary, Julia und mich bei Mary zuhause an, wo wir dessen Familie kennenlernten. Auf ihrem Grundstück liefen Hühner, Tauben, Ziegen, Ferkel und Hunde frei herum. Mary sagte, sie würde für uns Mittagessen kochen und Julia und ich wollten dabei zuschauen. Kurz darauf nahm Marys Tochter eines der Hühner, legte es auf den Boden und schnitt ihm die Kehle durch: unser Mittagessen.

(An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass ich zwar eigentlich Vegetarierin bin, mir aber fest vorgenommen hatte, so viel wie möglich von der Kultur des Landes mitzunehmen, und wenn Fleisch essen dazugehört, dann ist das eben so. Vor allem wenn man weiß, wo das Fleisch herkommt.)

Mary nahm das Huhn und tunkte es in kochendes Wasser, damit die Federn einfacher zu lösen waren. Julia und ich halfen Mary dabei, das Huhn zu rupfen. Als nächstes wurde es gewaschen, in kleine Teile geschnitten und die Innereien entfernt, die Mary uns dabei erklärte. Fast alles von dem Tier (unter anderem auch die Füße) wurden schließlich mit reichlich Öl in einem Topf über dem offenen Feuer gekocht. Am Ende schnitt Mary noch Tomaten und Zwiebeln hinein, dann war es fertig. Dazu gab es Nsima, ein traditionell malawisches Gericht, das aus Maismehl und Wasser über dem Feuer zu einem relativ festen Brei verrührt wird. Gegessen wurde mit der Hand, nachdem Marys Mann kurz gebetet hatte. Nach dem Essen wurde uns Chindongua, ein traditionelles Getränk aus der Gegend aufgetischt.

Gegen 17 Uhr setzte Joha uns wieder zuhause an, und wir saßen noch ein bisschen mit unseren Nachbarn draußen. Wir waren von dem ereignisreichen Tag und den vielen Eindrücken ziemlich müde und gingen gegen 19 Uhr zurück nach drinnen, um uns auszuruhen.

Der Blick von unserer Terrasse
Mary beim Kochen
Mary, Julia und ich beim Huhn rupfen

Weiter gehts nach Chilumba

Donnerstag, 15. August

Lilongwe

Gegen 17 Uhr kam Renata zu uns ins Mabuya Camp. (An dieser Stelle eine kleine Korrektur zum Post von gestern: das Camp befindet sich nicht 40 Minuten von Lilongwe, sondern vom Flughafen Lilongwe entfernt. Das Camp ist eigentlich mitten in der Stadt.)

Renata ist eine Polin, die in Deutschland studiert hat und mittlerweile seit 12 Jahren mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Malawi lebt. Sie arbeitet für die Welthungerhilfe, war anfangs aber bei weltwärts angestellt und hat unsere Projektstelle an der Tawuka School mit gegründet. Außerdem hat sie für uns das Zimmer im Camp und unsere Weiterfahrt organisiert.

Sie lud uns auf ein Bier ein, das wir auf der Bank vor unserer Hütte tranken, während wir uns mit ihr unterhielten. Renata war sehr nett und hatte einige Tipps für uns parat. Weil es mittlerweile schon Abend geworden war, kauften Julia und ich uns jeder eine Portion Bohnen mit Reis für je MK 3000 (umgerechnet ca. 3,60€), die sehr gut schmeckten. Renata verabschiedete sich für die Nacht mit dem Versprechen uns am nächsten Morgen abzuholen.

Nach dem Essen gingen Julia und ich schon bald ins Bett unter unsere Moskitonetze, auch wenn es erst ca. 20 Uhr war. Es fühlte sich aber an, als wäre es um einiges später, weil es schon seit ca. 18 Uhr dunkel war und wir außerdem eine lange Reise hinter uns hatten. Zusätzlich passten wir uns so auch gut an die lokalen Schlafgewohnheiten an: nach Renatas Erzählung ist Lilongwe die afrikanische Hauptstadt, die am frühesten schlafen geht.

Freitag, 16. August

Am nächsten morgen um kurz nach fünf wurden wir von dem Gebetsruf der angrenzenden Moschee geweckt, was ganz gut war, weil wir sowieso so früh aufstehen wollten. Renata hatte angekündigt uns gegen 6:15 Uhr abzuholen und zur nicht weit entfernten Busstation im Zentrum von Lilongwe zu bringen.

Gegen 6:30 Uhr kamen wir dort an und stiegen in einen „Sososo“ Reisebus Richtung Mzuzu. (Mzuzu liegt ca. 5 Stunden nördlich von Lilongwe und ist die nächste Großstadt von Chilumba aus.)

Bevor der Bus sich um 7:00 Uhr auf den Weg machte, wurde die Wartezeit mit einem gemeinsamen Gebet überbrückt- ein Beweis für das, was ich schon von vielen gehört hatte: das ein sehr großer Teil der malawischen Bevölkerung christlich war. Dazu passte auch die Aufschrift auf der Windschutzscheibe des Busses: „GLORY BE TO GOD“.

Wir verließen Lilongwe. Von einem Hügel bekam man noch einmal einen guten Blick auf die Hauptstadt mit dem riesigen Fußballstadion, das alle anderen Gebäude bei weitem überragt. Am Anfang unserer Fahrt kamen wir an vielen Märkten und kleinen Dörfern vorbei, wo auch schon zu so früher Stunde viel los war. Auch hier bestätigte sich etwas, was ich schon in Erzählungen gehört hatte: das sich der Schlafrhythmus vieler Malawier stark an der Sonne orientierte (also früh aufstehen und früh schlafen gehen).

Während der Fahrt ging einer der beiden Busfahrer durch und verteilte ein kleines Frühstück, was aus einer Art Mini-Donut, einem Muffin und einer Flasche Wasser bestand. Je weiter wir nach Norden kamen, desto hügeliger und grüner würde es.

Mzuzu

Nach fünf Stunden Fahrt kamen wir um 12 Uhr in Mzuzu an, wo uns Felix, der Direktor der Tawuka School zusammen mit dem Fahrer Joha abholte. Sie waren beide sehr nett und gingen mit uns in ein kleines Restaurant, wo wir zu Mittag aßen. Dort erzählte Felix uns unter anderem, dass gerade Ferien waren und die Schule erst in genau einem Monat, am 16. September anfangen würde. Wir hatten also reichlich Zeit uns einzugewöhnen und die Umgebung kennenzulernen, bevor wir mit unserer eigentlichen Arbeit anfangen würden. Als wir mit dem Essen fertig waren, fuhren wir zur Mall of Mzuzu und gingen in einen sehr großen Supermarkt („Shoprite“), weil Felix einen Rasensprenger kaufen wollte. Im Shoprite gab es alles zu kaufen, von Lebensmitteln über Campingsessel bis zu Koffern und Spielzeug.

Gegen 14 Uhr machten wir uns schließlich weiter auf den Weg Richtung Chilumba. Vor uns lag eine ca. 3- stündige Autofahrt, die uns auch durch die Berge führte. Dort begegneten wir dem Highlight unserer Reise: Paviane, teilweise auch mit Jungen, die entspannt am Straßenrand hockten, oder neben dem Auto herliefen, um die Bananenschale zu ergattern, die Felix ihnen zuwarf.

Kaum hatten wir die Affen hinter uns gelassen, kam die nächste Sehenswürdigkeit. Wir waren jetzt oben auf den Bergen angekommen und fuhren auf der anderen Seite wieder hinunter, sodass wir einen perfekten Blick auf den Malawisee hatten. Ein See so groß, dass er nicht von einem Meer zu unterscheiden ist. Den Rest der Strecke fuhren wir am See entlang, bis wir schließlich gegen 17 Uhr Chilumba erreichten.

Chilumba

Der Direktor und Joha brachten uns zu unserem neuen Zuhause: einem kleinen Haus, umgeben von Feldern, mit 3-4 Häusern in unmittelbarer Nähe und einer Sandpiste die dort hinführte. Innen gibt es ein relativ großes Wohn-/Esszimmer, ein Schlafzimmer für jede von uns, ein Gästezimmer und ein Badezimmer.

In dem Haus warteten bereits unsere Mentorin Mary, die wir bereits aus Bonn kannten, unsere direkte Nachbarin Nyapeti, und unsere Katze, die unsere Vorfreiwilligen für uns dagelassen hatten. Mary lief auf uns zu und umarmte uns fröhlich und Nyapeti fing an, zu tanzen. Nach und nach kamen auch immer wieder neue Nachbarn vorbei, die uns freundlich begrüßten, sich vorstellten und dann wieder gingen.

Kurze Zeit später gingen wir zum Haus des Direktors (Felix), um dort mit ihm, seiner Frau und Mary zu Abend zu Essen. Es gab Reis mit Tomatensoße, gekochten Eiern, einem grünen spinatartigen Gemüse und Huhn (was ich aber nicht aß)- ein typisch malawisches Essen wie uns erzählt wurde. Nach dem Essen betonte Felix, dass sein Haus auch unser zweites Zuhause war, und wir jederzeit vorbeikommen konnten, wenn wir Lust hatten.

Generell waren alle unserer Nachbarn bisher sehr freundlich gewesen und hatten uns das Gefühl gegeben, willkommen zu sein.

Mary und Felix‘ Enkel brachten uns den ca. 10-minütigen Fußweg zurück durch die Dunkelheit. Wieder zuhause angekommen, richteten Julia und ich uns in unseren neuen Zimmern ein und gingen dann irgendwann ins Bett, bereit für die erste Nacht in unserem neuen Zuhause, nachdem wir ca. 50 Stunden unterwegs gewesen waren.

Mogone Makora!

(„Gute Nacht“ auf Chitumbuka)

Eine lange Reise

24 Stunden ist es jetzt her, dass ich unsere Wohnung in Berlin verlassen und mich auf den weiten Weg nach Chilumba in Malawi gemacht habe. Ca. 7700 km habe ich seitdem hinter mich gebracht, habe mein endgültiges Ziel aber noch vor mir.

Gestern um kurz vor 15 Uhr habe ich mich auf den Weg zum Flughafen Berlin Tegel gemacht, wo ich von einem sehr lieben Verabschiedungskomitee bis zur Sicherheitskontrolle begleitet wurde.

Mein erstes Ziel war Amsterdam: pünktlich um 17:30 Uhr startete mein Flieger in Tegel und war nach weniger als einer Stunde -früher als geplant- in Amsterdam Schiphol. Ich stieg aus und machte mich auf den Weg durch den riesigen Flughafen. Mein Ziel: Gate E24, wo ein Flieger der Fluglinie Kenya Airways nach Nairobi bereit stand. Nach ca. 25 Minuten Fußweg kam ich dort an und wartete, der Flug war auf 20:35 Uhr angesetzt.

In Amsterdam traf ich fünf weitere Kolping Freiwillige, die ebenfalls in einem Projekt in Malawi arbeiten würden, und den Rest der Reise traten wir zusammen an.

Die Maschine nach Nairobi war sehr groß (neun Sitze pro Reihe) und der Flug dauerte ca. 8,5 Stunden. Um ca. 4:50 Uhr mitteleuropäischer Zeit (5:50 Uhr lokaler Zeit) landeten wir schließlich pünktlich in Nairobi, nur wenige Kilometer südlich des Äquators.

Hier hatten wir nochmal ca. 2 Stunden Umsteigezeit, während es draußen sehr schnell hell wurde. Schließlich stiegen wir in unser letztes Flugzeug: eine kleine Kenya Airways Maschine (diesmal mit 4 Sitzen pro Reihe) nach Lilongwe, die Hauptstadt Malawis. Der Flug dauerte zwei Stunden, die ich hauptsächlich mit schlafen verbrachte.

In Malawi angekommen (es war jetzt kurz vor 9 Uhr), besorgten wir uns als erstes unser Visum, was zwar seine Zeit dauerte, ansonsten aber recht unkompliziert war. Nachdem wir auch unser Gepäck eingesammelt hatten machten wir uns auf den Weg in die Empfangshalle des sehr überschaubaren Flughafens. Dort wurden wir sehr herzlich von Father Edward in Empfang genommen, einer der Mentoren, den wir schon vom Vorbereitungsseminar in Bonn kannten.

Julia (meine Mitfreiwillige) und ich besorgten uns direkt malawische Sim-Karten und wurden dann von einem Fahrer namens Richard in das ca. 40 Minuten entfernte Mabuya Camp, unser erster Zwischenstopp, gebracht. Im Gegensatz zu den anderen vier, die in Lilongwe bleiben würden, hatten wir noch einen weiten Weg Richtung Norden vor uns.

Auf dem Weg zum Mabuya Camp bekamen wir viel von den Straßen in der Gegend um Lilongwe zu sehen, beispielsweise Menschen, die am Straßenrand Orangen, Papayas, Hühner, Hundewelpen und andere Dinge verkauften. Während der Fahrt unterhielten wir uns mit Richard, der uns viele unserer Fragen beantwortete.

Was mich bis jetzt am meisten überrascht hat ist das Wetter, nämlich, dass es überhaupt nicht überraschend ist: ich hatte erwartet aus dem Flugzeug zu steigen und von heißer, feuchter Luft erschlagen zu werden. Stattdessen ist es echt angenehm: ca. 25 Grad und die Luftfeuchtigkeit fühlt sich nicht wirklich anders an, als ich sie aus Deutschland kenne. Das hängt aber ganz einfach damit zusammen, dass hier in Malawi gerade Winter ist. Der Juli ist hierzulande der kälteste Monat. Allerdings wurden wir schon vor der Hot-Season, die im Oktober ihren Höhepunkt hat, gewarnt.

Um ca. 12:30 Uhr erreichten wir das Mabuya Camp -eine Art Hostel, mit kleinen Hütten zum übernachten- und bekamen eine Hütte zugeteilt, in der wir uns einige Stunden ausruhen können, bevor unsere Reise weiter geht.

Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, haben wir uns ein bisschen im Camp umgesehen und den freundlichen Schmuckverkäufer Blessings getroffen, mit dem wir uns unterhielten und der uns viel über Malawi erzählte.

Gegen 13:30 Uhr sind wir zurück in unsere Hütte gegangen, um uns ein bisschen auszuruhen. Jetzt, gegen 16 Uhr sitze ich auf einer Bank vor unserer Unterkunft, genieße die Sonne und freue mich auf die Weiterfahrt und die nächsten Monate.

Countdown

Am Mittwoch ist es so weit: um 17:30 Uhr wird mich mein erster Flug von Berlin Tegel nach Amsterdam bringen, von wo aus ich dann weiter nach Nairobi (Kenia) und schließlich nach Lilongwe (Malawi) fliegen werde.

Jetzt ist fast alles erledigt, die Impfungen sind gemacht, bürokratische Dinge geregelt und der Koffer ist zumindest schon teilweise gepackt. Übrig bleibt die Vorfreude auf das, was das nächste Jahr bringen wird!

An dieser Stelle möchte ich mich jetzt schon einmal bei allen bedanken, die mich bei meinem Vorhaben unterstützen, ob mit Spenden, Tipps oder anderen Dingen.

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