Viele neue Eindrücke

Samstag, 17. August

Hahnenschreie, Hundegebell und Grillenzirpen- das waren die Geräusche, die mich früh am Morgen im Halbschlaf begleiteten. Außerdem war mir im Laufe der Nacht ziemlich kalt geworden, es war schließlich noch Winter hier in Malawi und ohne richtige Decke und mit kurzen Sachen zu schlafen war dann doch ein bisschen wenig. Abgesehen davon hatte ich aber sehr gut geschlafen, unter Anderem dank meiner sehr gemütlichen Matratze.

Kurz vor 7 stand ich auf und setzte mich mit Julia und Prison (unsere Katze) auf die Terasse, um zu frühstücken. Bald kam auch schon Yuleka vorbei, einer unserer Nachbarn, ungefähr in unserem Alter. Wir baten ihn, uns etwas Chitumbuka beizubringen, was er auch direkt machte.

Auch wenn Englisch (zusammen mit Chichewa) die offizielle Amtssprache Malawis ist, ist es doch schwierig, sich mit einigen unserer Nachbarn zu verständigen, ohne wenigstens ein bisschen Chitumbuka zu sprechen. Tumbuka (die Vorsilbe „Chi“ bedeutet einfach nur Sprache) wird vor allem im Norden von Malawi von knapp einer Million Menschen gesprochen und ist eine der vielen verschiedenen Sprachen des Landes.

Als Yuleka uns einige Vokabeln und Floskeln beigebracht hatte, fanden Julia und er heraus, dass sie genau die gleichen Kirchenlieder kannten und wir holten unsere Gitarre und Ukulele nach draußen und machten zusammen Musik. Bald kamen auch einige Kinder vorbei und hörten interessiert zu, oder sangen mit.

Kurz nach 9 kam Mary (unsere Mentoren), um uns abzuholen. Zusammen gingen wir den ca. 5- minütigen Fußweg zur Tawuka Secondary School, unser künftiger Arbeitsplatz. Auch wenn gerade noch Ferien waren, zeigten Mary und der Direktor Felix uns den Campus, der aus vielen kleinen Gebäuden besteht. Dort gibt es unter anderem eine Bibliothek, einen Computerraum, ein Naturwissenschaftsraum und ein paar Klassenräume. Der Schulhof ist voll mit Ziegen, die dort frei herum laufen.

Nachdem wir auch ein paar Lehrer kennengelernt hatten, fuhren Felix, Mary und Joha (der Fahrer) mit uns durch Chilumba. Wir fuhren zum Markt, um Wasser zu kaufen, zu einem Schreiner und schließlich zum ca. 4 Kilometer entfernten Malawisee. Dort gingen wir kurz zum Strand, um uns den See anzusehen. Auch von Nahem sah er einem Meer zum verwechseln ähnlich. Am Strand begegneten wir zwei Frauen, die mit dem klaren Seewasser ihre Wäsche wuschen, Kindern, die ausgelassen darin badeten und einem Mann der das Wasser benutzte, um sein Auto zu waschen.

Wir fuhren weiter und besuchten einen Kindergarten, der zur Tawuka School gehörte und im September eröffnet werden sollte.

Gegen 13:30 Uhr setzte Joha Mary, Julia und mich bei Mary zuhause an, wo wir dessen Familie kennenlernten. Auf ihrem Grundstück liefen Hühner, Tauben, Ziegen, Ferkel und Hunde frei herum. Mary sagte, sie würde für uns Mittagessen kochen und Julia und ich wollten dabei zuschauen. Kurz darauf nahm Marys Tochter eines der Hühner, legte es auf den Boden und schnitt ihm die Kehle durch: unser Mittagessen.

(An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass ich zwar eigentlich Vegetarierin bin, mir aber fest vorgenommen hatte, so viel wie möglich von der Kultur des Landes mitzunehmen, und wenn Fleisch essen dazugehört, dann ist das eben so. Vor allem wenn man weiß, wo das Fleisch herkommt.)

Mary nahm das Huhn und tunkte es in kochendes Wasser, damit die Federn einfacher zu lösen waren. Julia und ich halfen Mary dabei, das Huhn zu rupfen. Als nächstes wurde es gewaschen, in kleine Teile geschnitten und die Innereien entfernt, die Mary uns dabei erklärte. Fast alles von dem Tier (unter anderem auch die Füße) wurden schließlich mit reichlich Öl in einem Topf über dem offenen Feuer gekocht. Am Ende schnitt Mary noch Tomaten und Zwiebeln hinein, dann war es fertig. Dazu gab es Nsima, ein traditionell malawisches Gericht, das aus Maismehl und Wasser über dem Feuer zu einem relativ festen Brei verrührt wird. Gegessen wurde mit der Hand, nachdem Marys Mann kurz gebetet hatte. Nach dem Essen wurde uns Chindongua, ein traditionelles Getränk aus der Gegend aufgetischt.

Gegen 17 Uhr setzte Joha uns wieder zuhause an, und wir saßen noch ein bisschen mit unseren Nachbarn draußen. Wir waren von dem ereignisreichen Tag und den vielen Eindrücken ziemlich müde und gingen gegen 19 Uhr zurück nach drinnen, um uns auszuruhen.

Der Blick von unserer Terrasse
Mary beim Kochen
Mary, Julia und ich beim Huhn rupfen

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4 Comments

  1. Das was du in Malawi erlebst ist aber sehr toll. Ich wollte dir nur zwei Fragen stellen. 1. geht es dir eh gut, dass ist mir eigentlich am wichtigsten.
    2. Wie hat sich den das Huhn angefühlt als du es gerupft hast.

    LG dein Tobias 😘

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    1. Hallo Tobias, schön, dass du dich meldest. 1. Ja, mir gehts sehr gut, auch wenn die vielen neuen Eindrücke oft anstrengend sind. Ich fühl mich fast schon zuhause und alle sind sehr nett. 2. Es war ziemlich warm und die Haut hat sich ein bissl angefühlt wie Menschenhaut, nur dünner 😉 Sonst weiß ich nicht genau, wie ichs beschreiben soll.

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