Sonntag, 18. August
Wir standen gegen 6:30 Uhr auf und machten uns Frühstück – Porridge mit Bananen, wofür wir die Milch aus Milchpulver anrührten. Nach dem Essen machten wir uns fertig, Mary wollte nämlich mit uns in die Kirche gehen.
Während wir auf sie warteten, hatten wir eine spontane Chitumbuka Stunde mit einem unserer Nachbarn, der auch gleichzeitig Lehrer an der Tawuka School (also bald auch unser Kollege) ist.
Schließlich tauchte Mary auf und wir machten uns auf den Weg in die katholische Kirche. Als wir dort ankamen, setzten wir uns auf eine Bank auf der rechten Seite – die Seite für Frauen.
Die Messe war auf Tumbuka, also verstanden wir fast gar nichts. Trotzdem war es ziemlich interessant. Es wurde viel gesungen (es gab eine Art Gospel – Chor, dessen Mitglieder ungefähr in unserem Alter waren) und zusammen gebetet. Als an einer Stelle alle nach und nach aufstanden, um nach vorne zu gehen und in beschriftete Boxen zu spenden, sahen Julia und ich uns erschrocken an – natürlich hatten wir nicht daran gedacht, Geld mitzunehmen. Wir blieben als einzige in unserer Reihe sitzen, was sehr unangenehm war. Es schien aber kein großes Problem zu sein und Mary antwortete auf meine Entschuldigung gelasssen „Next time“.
Etwas später wurden von einigen Frauen auf einmal jede Menge Essen nach vorne getragen und dort abgelegt. Darunter waren Bananen, Erdnüsse, Tomaten und ein lebendes Huhn. Wie uns später erklärt wurde, war das Essen für den Pfarrer und dessen Besucher. Gegen Ende der Messe wurden wir von einem Mann, der vorne stand und die Anzahl der Spenden vorlas offiziell wilkommen geheißen und gebeten, uns vorzustellen. Etwas unsicher standen wir also auf, sagten unsere Namen und was wir hier machten, was auf freundliche Reaktionen stieß.
Als die Kirche vorbei war, kam Felix zu uns und stellte uns dem Pfarrer vor, der uns kurzerhand zu sich nach Hause einlud. Also folgten wir ihm auf sein ca. 50 m entferntes Grundstück. Er hatte ein sehr großes Haus mit einem schönen Garten, einer großen Terasse und ein paar Angestellten. Mary, Julia, Marys Enkelin und ich nahmen auf der Terasse platz und genossen den Ausblick auf die umliegenden Berge/Hügel und den Malawisee. Der Pfarrer brachte uns Fanta und Cola, ging dann aber wieder, weil er jemanden abholen fuhr.
Als wir ausgetrunken hatten, gingen wir wieder zurück nach Hause. Es war ein ca. 20 minütiger Fußweg durch Feldwege und am „Trading Center“ vorbei, dessen Geschäfte heute am Sonntag aber geschlossen waren. Gegen 12:30 Uhr waren wir wieder da und Mary verabschiedete sich, sie hatte noch viel zu tun.
Julia und ich setzten uns auf die Terasse, umgeben von vielen Nachbarskindern, denen Julia Malsachen rausgelegt hatte. Nachdem wir eine Weile so gesessen, selber gemalt und Armbänder geflochten hatten, machten Julia und ich einen Spaziergang. Wir wollten schauen, ob wir zum See kommen und den Weg zurück finden würden.
Auf dem Weg trafen wir auf ein bläuliches Chamäleon, das ganz entspannt vor uns saß, auch als ich näher kam, um ein Foto zu machen. Nach ca. 15 Minuten kamen wir an die Straße, von wo aus man den See sehen konnte. Wir bogen in einen Feldweg ein, der unserer Meinung nach in die richtige Richtung führte und trafen dort auf drei Frauen, die uns auf Chitumbuka fragten, wo wir hinwollten. Nachdem wir ihnen sehr holprig erklärt hatten, dass wir zum See wollten, erklärten sie uns, dass wir einfach der Straße folgen müssten. Die eine der drei – Rose – stellte sich als ehemalige Lehrerin der Tawuka School heraus, die unsere Vorfreiwilligen gut kannte.
Wir folgten also der Straße, realisierten aber nach einiger Zeit, dass es noch ca. eine halbe Stunde bis zum See dauern würde, was sich nicht lohnen würde, wenn wir vor der Dunkelheit wieder zurück sein wollten. Und das mussten wir auf jeden Fall , da wir sonst ziemlich sicher nicht den Weg zurück gefunden hätten. Wir drehten also um, und gingen zurück. Überraschenderweise fanden wir problemlos den Weg.
Wir setzten uns wieder auf die Terasse und kurz darauf kamen Yuleka und sein Bruder Cliffort vorbei, mit denen wir uns unterhielten. Sie erklärten uns, wie man Nsima aus „Cassava“ (Maniok) herstellt – vom Anbau bis zum Gericht. Cassava ist ein Wurzelgewächs, das allein hier im Umkreis von 200 m in drei verschiedenen Sorten angebaut wird. (Marys Mann hatte uns schon am Tag zuvor erklärt, das es eine sehr sichere Ernte war, da die Pflanze wenig Wasser brauchte und im Gegensatz zu Mais unter so gut wie allen Bedingungen wachsen konnte.) Auf unsere Frage, ob man Cassava auch roh essen könne und ob wir es mal probieren könnten, verschwand Yuleka für ca. 10 Sekunden in der Dunkelheit und kam dann mit einem Zweig zurück, an dessen Ende das Wurzelgewächs hing. Wir schälten es mit einem Messer und aßen die nun leuchtend weiße Pflanze, die ziemlich gut schmeckte.
Nachdem wir uns noch etwas unterhalten hatten, holten Julia und ich wieder unsere Gitarre und Ukulele heraus. Yuleka holte ebenfalls seine Gitarre und wir machten wieder etwas Musik zusammen.
Gegen 22 Uhr kündigten Julia und ich mit den Worten „nkhuruta ukagona“ (die wir vorher in meinem schlauen Notizbuch nachgeschlagen hatten) an, dass wir schlafen gehen würden und verabschiedeten uns für den Tag.


Du wirst ja zur sonntäglichen Kirchengängerin werden. ..die Gospelmessen sind ja so wunderbar! Bussl von Oma und Opa
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