Berge, Geburtstag und Reis

Samstag, 19. Oktober bis Sonntag, 27. Oktober

Am Samstag Morgen fuhr ich mit dem Fahrrad zur Chilumba Secondary School, um unsere Freundin Martha zu besuchen. Julia war derweil mit Gadys (Lehrerkollegin) in Uliwa zum einkaufen.

Die Chilumba School ist eine staatliche Schule mit einem riesigen Campus. Martha brachte mich in ihr Internatszimmer, wo ich mich mit ihr und einigen Ihrer Freundinnen unterhielt, während mir von ein paar von ihnen die Haare geflochten wurden.

Um kurz nach 10 fuhr ich schließlich zurück nach Hause, wo Gladys und Julia mit Kochen beschäftigt waren. Ich schloss mich Ihnen an, wir wollten nämlich Fingerfood für eine Überraschungsparty vorbereiten. Daniel, einer unserer Kollegen hatte heute Geburtstag.

Vorher gab es jedoch gegen 14:30 Uhr eine Art Disko in der Schule, wo wir ein bisschen zusahen und mittanzten. Dabei war es sehr interessant zu sehen, wie sexuell die Tänze teilweise waren, während es sonst kulturell überhaupt nicht gerne gesehen wird, wenn Paare in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauschen.

Um 17 Uhr fuhren wir zum See, wo wir mit einigen der anderen Lehrer einen netten Abend verbrachten.

Am Sonntag gegen 15 Uhr machte ich mich auf den Weg, um Richtung See zu fahren. Dort wollte ich auf einen kleinen Hügel hinauf wandern, um mir die Aussicht anzuschauen. Cliffort kam mit mir mit und wir ließen uns ein kleines Stück mit dem Taxi zum Markt fahren, von wo wir den Rest zu Fuß gingen.

Wir fanden bald einen Pfad, der bergauf führte und gingen nach oben. Es war wirklich sehr schön und wir gingen ein bisschen hin und her, um verschiedene Aussichten zu genießen. Als die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, gingen wir wieder nach unten, wo wir kurz bevor es ganz dunkel war, ankamen.

Die Aussicht auf den Malawisee
Cliffort und ich
Ich genieße die Aussicht

Heute war Sonntag, das bedeutete, dass die Ilala (ein Schiff, was den Malawisee entlang fährt) heute Abend in Chilumba ankommen würde. Wir hatten sie auch schon von oben gesehen. Also gingen wir ca. eine halbe Stunde am Seeufer entlang, bis wir den Hafen erreichten. Dort stieß auch Julia zu uns. Das Schiff hatte schon im Hafen angelegt und wir gingen zum Tor, wo schon einige Menschen warteten, um hineingelassen zu werden. Wieder einmal war Julias und mein Melaninmangel von Vorteil, denn wir durften zusammen mit Cliffort als erste zum Schiff gehen.

Wir betraten die Ilala, sahen uns um, machten einige Fotos und hatten viel Spaß dabei. Als wir alles gesehen hatten, verließen wir das Schiff wieder und machten uns mit einem Sammeltaxi auf den Weg zurück nach Hause, wo wir gegen 20 Uhr ankamen.

Am Montag war wieder Assembly und das nutzte ich dazu, um den Schülern unser Plastikprojekt vorzustellen. Am Nachmittag betrat ich einen leeren Klassenraum der Tawuka School, in dem Julia und ich den Swop Shop eröffnen wollten. Einige der Form 2 Schüler fegten und wischten den Raum und kurze Zeit später war er sauber. Ich bekam vom Direktor und vom Schulleiter die Schlüssel ausgehändigt (3 Schlösser).

Am Dienstag brachten Julia und ich die Sachen, die wir schon für den Swop-Shop besorgt hatten, dorthin und arrangierten sie auf einem Tisch. Aus Holz bastelten wir Kleiderbügel, an denen wir einige der Kleidungsstücke aufhängten.

Der Swop-Shop (bis jetzt)

Nach der Schule fuhren Julia und ich per Anhalter zum See, was wieder einmal sehr gut funktionierte. Am Strand angekommen, sprangen wir ins sehr stille Wasser. Als wir wieder aus dem Wasser kamen, blieben wir noch ein bisschen am Strand, spielten mit ein paar Kindern und sahen den Fischern bei ihrer Arbeit zu. Anschließend fuhren wir mit einem Motorrad Taxi nach Hause.

Die Fischer holen Netze aus dem Wasser

Am Mittwoch gingen wir wieder zur Schule. Für heute hatte der Direktor geplant, mit den Form 1 Schülern nach Uliwa zu fahren und Plastik zu sammeln. Vorher wurde aber alles in einem Lehrer-Meeting besprochen. Außerdem wurde ein anderes Problem diskutiert: die Schüler hatten den Tag davor nicht zu Mittag gegessen, weil sie gegen den zu einseitigen Speiseplan demonstrieren wollten.

Als ein bisschen darüber geredet worden war, war das Meeting beendet und Julia und ich bereiteten uns und die Schüler auf den Trip nach Uliwa vor. Die Schüler wurden in Gruppen unterteilt, wir nahmen eine Wage, Schaufeln und Handschuhe mit und fuhren dann mit 53 Schülern, dem Direktor und zwei Lehrern nach Uliwa. Die Schüler sammelten fleißig Plastik, was Julia und ich vor Ort Wogen. Je nach Gewicht bekamen die Schüler Punkte, mit denen sie dann später etwas im Swop- Shop kaufen konnten. Insgesamt sammelten die Schüler innerhalb von ca. 30-45 Minuten 202 kg Plastik, was mit dem Lastwagen wenige Meter entfernt zum Verbrennen gebracht wurde. Ein paar Plastikflaschen sortierte Julia aus, um daraus etwas zu basteln.

Der Plastiksammeltrupp
Fleißig beim Sammeln
Julia beim Wiegen

Als wir in der Schule ankamen, saßen die Schüler alle versammelt auf dem Schulhof: sie demonstrierten immer noch gegen den Speiseplan. Ihre Forderung: 4 mal im Monat Fleisch und 4 mal im Monat Reis statt Nsima. Der Direktor und ein paar andere Angestellte diskutierten die Forderung und traten schließlich an die Schülerschaft heran, mit der Aussage, es würde 2 mal im Monat Reis und 2 mal Fleisch geben, da das Geld für mehr nicht reichte, weil noch nicht alle der Schüler ihre Schulgebühren bezahlt hatten. Es wurde noch kurz ein bisschen herumdiskutiert, dann war die Versammlung beendet, ebenso wie der Unterricht für diesen Tag.

Gegen 15 Uhr ging ich schließlich nach Hause, um meine Wäsche zu waschen, während Julia zum Einkaufen nach Uliwa fuhr.

Als ich am Donnerstag zur Schule kam, hatte ich eigentlich vor, in der ersten Stunde in Form 1 zu unterrichten. Jedoch war der Hungerstreik der Schüler mittlerweile zu einem Unterrichtsstreik geworden, sodass sie auf dem Schulhof blieben, statt die Klassenräume zu betreten. Der Direktor, Schulleiter und stellvertretende Schulleiter diskutierten derweil die weitere Vorgehensweise.

Den restlichen Vormittag wurde wieder viel mit den Schülern verhandelt und anscheinend hatten sie am Ende den Vorschlag des Direktors akzeptiert. Trotzdem gingen die Schüler gegen 11 Uhr nach Hause, während wir Lehrer noch blieben.

Um 15 Uhr gingen Julia und ich nach Hause, von wo wir uns direkt auf den Weg zum See machten. An der Tunduzi Lodge angekommen, gingen wir schwimmen, kauften uns was zu trinken und entspannten am Strand. Als es langsam dunkel wurde, beschlossen wir, dort zu essen und bestellten uns eine Portion gebratenen Chambo (Fisch) mit Pommes und Salat. Nach dem Essen wurden wir mit dem Motorrad der Lodge bis zur Tawuka School gebracht. Insgesamt bezahlten wir für die beiden Getränke, die große Portion Fisch und den ca. 5 km weiten Weg nach Hause 5300 Kwacha (ca. 6,63€).

Am Freitag hatte sich die Lage in der Schule wieder normalisiert und der Unterricht ging normal weiter. In der Mittagspause ließen Julia und ich die Schüler, die beim Plastikeinsammeln mitgeholfen hatten in den Swop-Shop, wo sie sich was aussuchen konnten. Manche konnten sich sogar ein Paar Schuhe oder eine Hose leisten.

Am Nachmittag fuhren wir wieder mit einigen Schülern zum See. Diesmal mussten wir einen kleinen Umweg fahren, weil die Verkehrspolizei die Straße kontrollierte. Um sie zu umfahren, mussten wir also einige der engen sandigen Wege zwischen den Feldern benutzen, was erstaunlicherweise aber ganz gut funktionierte. Der Swimming-Club lief diese Woche echt gut und gegen 17:30 Uhr waren wir wieder in der Schule.

Der Swimming-Club in Aktion

Dort hatten ein paar Schülerinnen in der Zwischenzeit fleißig Plastik gesammelt, was sie uns zum wiegen in den Swop-Shop brachten.

Anschließend gingen Julia und ich nach Hause, kochten Kohl und Kartoffeln und aßen das ganze mit unseren Nachbarn, die Nsima gekocht hatten, unterm Sternenhimmel.

Am Samstag Vormittag kam Gladys vorbei und verbrachte den ganzen Tag bei uns. Am Vormittag machten Julia und ich Pfannkuchen, weil es Julia letzte Woche das erste mal gelungen war, Mehl ausfindig zu machen.

Gegen 14 Uhr ging ich mit Patson und zwei anderen Lehrern ca. 40 Minuten in ein nahegelegenes Dorf, wo wir uns Malipenga, einen traditionellen Tanz aus der Gegend anschauten.

Wie mir erklärt wurde, tragen die Tänzer Soldatenuniformen, weil der Tanz Ende des 19. Jahrhunderts getanzt wurde, wenn die Menschen in den Krieg gezogen sind.

Einer der Tänzer

Am Sonntag Nachmittag fuhren wir mit dem Direktor und ein paar Schülerinnen Richtung Norden zu einer großen Reisplantage. Dort wollten wir schon geerntetes Gras sammeln, als Futter für die Schulziegen. Wir fuhren ca. eine halbe Stunde dorthin und kurvten ein bisschen zwischen den Reisfeldern herum, bis wir eine Stelle fanden, wo wir die Gräser aufsammeln und auf die Ladefläche des Lasters tun konnten.

Auf dem Weg zurück kamen wir in ein Dorf, wo einige der Schülerinnen ursprünglich herkamen. Eine von ihnen stellte uns ihren Vater vor und sie zeigten uns eine Reismühle. Schließlich setzten wir uns auf das Heu auf der Ladefläche und fuhren zurück zur Schule.

Es war echt interessant gewesen, zu sehen wo und wie der Reis angebaut wird. Außerdem war die Landschaft dort echt schön und grün durch den Fluss, der dort entlang fließt.

Reisfelder
In der Reismühle
Die Schülerinnen bei der Arbeit

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