Ende der Woche und Wochenende

Donnerstag, 19. September

Wieder einmal gingen wir gegen 7 Uhr zur Schule. Dort redeten wir kurz mit ein paar Lehrern und als Form 1 in der ersten Stunde frei war, entschied ich mich dorthin zu gehen. Es lief ganz gut, die Schüler schienen zu verstehen, was ich von ihnen wollte und hatten auch meistens Antworten zu meinen Fragen. Diesmal schaffte ich es sogar, meinen Zeitplan für die Stunde ziemlich genau einzuhalten.

Generell hatte ich den restlichen Tag ziemlich viel Zeit und konnte mich so gut auf den Unterricht vorbereiten oder auch einfach entspannen und mich mit den anderen Lehrern zu unterhalten. Eigentlich wollte ich wie an den vorigen Tagen um 10 Uhr zur Form 2 gehen, jedoch hatte Moyo, die Englischlehrerin den gleichen Plan. Ich nahm mir also vor, nach ihr dorthin zu gehen, was aber auch nicht funktionierte, da die Schüler in dieser Stunde für Computer-Studies in den Computerraum gingen. Mir blieb also noch die letzte Stunde. Da die Schule in der ersten Woche aber um 12:00 Uhr endete, waren von dieser Stunde nur noch 20 Minuten übrig. Ich nutzte diese, um mit dem Thema „Budget“ anzufangen und die Hausaufgaben der Schüler einzusammeln, wonach sie am Tag zuvor gefragt hatten. Nach der Stunde korrigierte ich schnell die Hausaufgaben und dann gab es auch schon Mittagessen- diesmal Nsima mit Usipa (kleine Fische) und Mangold.

Nach dem Essen saßen wir mit ein paar der anderen Lehrern auf dem Schulhof und unterhielten uns, unter anderem über Politik und die Gleichgeschlechtliche Ehe, oder brutale Diktatoren. Als ich um kurz vor 2 den Direktor suchen ging, der uns eigentlich gesagt hatte wir würden heute Nachmittag zum Kindergarten fahren, wunderte er sich, dass wir noch da waren. Vor einigen Minuten war Joha mit ein oder zwei anderen zum Kindergarten gefahren, die uns eigentlich hätten mitnehmen sollen, es aber anscheinend vergessen hatten. Naja, auch gut… Wir saßen noch ein bisschen gemütlich im Schatten, die anderen Lehrer waren auch alle noch da.

Gegen 15 Uhr entschied ich mich aber, nach Hause zu gehen, weil ich unter anderem noch meine Wäsche waschen wollte. Das tat ich dann schließlich auch und zwei der Nachbarskinder halfen mir dabei. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob sie es aus reiner Hilfsbereitschaft taten oder weil sie der Meinung waren, ich würde es alleine nicht gut genug machen. Eigentlich auch egal, sie waren mir so oder so eine Hilfe. Anschließend setzte ich mich zum lesen in die mittlerweile nicht mehr ganz so stark scheinende Sonne. Gegen 17 Uhr kam Julia zusammen mit … , dem anderen Mathelehrer, nach Hause. Sie setzten sich zu mir auf die Terrasse und … erzählte, dass er eigentlich „water recourses management“ studiert hatte, womit er letztes Jahr fertig geworden war. Allerdings war es in Malawi sehr schwer, einen Job zu finden weshalb er schließlich mit dem Unterrichten angefangen hatte. Auch er war wie wir und ein paar der anderen Lehrer neu an der Tawuka School. Wir unterhielten uns schließlich ein bisschen über den See und das Wasser in Malawi generell. … erzählte uns von seinem Konzept, wie man das Problem der Dürre und Überflutungen in Malawi bekämpfen könnte und von seinem Plan, eine Organisation zu gründen, um dies umzusetzen. Außerdem erzählte er uns, warum er Angst vor Chamäleons hat: in Malawi gibt es eine Legende, die besagt, dass Chamäleons sich in die Brust oder den Oberkörper eines Menschen festkrallen, von wo man sie nie wieder wegkriegt. Die einzige Kurz bevor es dunkel wurde, machte er sich schließlich auf den Weg nach Hause und Julia und ich begannen, das Abendessen vorzubereiten. Wir kochten den Kohl, den wir gestern gekauft hatten zusammen mit Tomaten, Kartoffeln und ein bisschen Ingwer. Während wir noch beim kochen waren, kam Precious, ein Freund von Euleka und besuchen und wir aßen mit ihm zusammen. Etwas später kamen auch Cliffort und Euleka wieder vorbei.

Freitag, 20. September

Wie die Tage zuvor gingen wir gegen 7 Uhr zur Schule. Diesmal ging ich in der 3. Stunde zu Form 1 und um 10 Uhr zu Form 2, um sie zu unterrichten. Beides funktionierte ganz gut. Die Zeit dazwischen nutzte ich, um Unterricht vorzubereiten und einen Plan für die nächsten Wochen zu schreiben, basierend auf dem Lehrplan. Dieser heißt „Schemes of work“ und wird dann beim Ministry of Education eingereicht, soweit ich das verstanden habe. Um 12 Uhr war wieder Unterrichtsschluss und kurz darauf wurde uns Nsima aufgetischt. Nach dem Essen blieben Julia und ich noch kurz, um uns mit den anderen Lehrern zu unterhalten, gingen dann aber gegen 13 Uhr nach Hause. Dort blieben wir dann auch den restlichen Tag und verbrachten wieder viel Zeit mit unseren Nachbarn und den Kindern.

Samstag, 21. September

Wir nutzten das Wochenende und schliefen diesmal sogar bis kurz vor 8 Uhr. Nachdem wir eigentlich schon gefrühstückt hatten, bot Nyapeti uns noch geröstetes Cassava und Erdnüsse an und wir aßen ein bisschen mit ihr. Unsere anderen Nachbarn gaben auch noch zwei Süßkartoffeln dazu. Gegen 10:30 Uhr trafen wir uns wie verabredet mit Gladice, ebenfalls Lehrerin an der Tawuka School, vor der Schule. Gladice kommt ursprünglich aus Mzuzu, ist in Lilongwe zur Schule gegangen und erst seit einer Woche hier in Chilumba, sie ist also (so wie auch einige andere Lehrer und wir) neu an der Tawuka School.

Zu dritt machten wir uns auf den Weg Richtung See, wir wollten jetzt endlich auch einmal hier in Chilumba schwimmen gehen. Als wir einige Minuten gegangen waren, fanden wir schließlich ein Sammeltaxi, das uns mitnahm. Wir ließen uns die ca. 3-4 km zur Tunduzi Lodge fahren, von der unser Nachbar Patson uns erzählt hatte. Dort angekommen, waren wir direkt begeistert: jetzt um diese war noch so gut wie gar nichts los, es gab einen Sandstrand, ein paar größere Steine, ein kleines Gebäude mit Strohdach und Bar und einige Bänke und Tische zum sitzen. Und natürlich den wunderschönen See! Wir legten unsere Sachen ab, bestellten uns was zu trinken und gingen kurz darauf auch schon schwimmen. Gladice, die wie die meisten Malawier nicht schwimmen kann, wartete, bis wir wieder kamen und ging dann mit uns zusammen ins etwas seichtere Wasser. Wir blieben den ganzen Tag am See, gingen schwimmen, saßen in der Sonne oder im Schatten und genossen die schöne Umgebung. Nach und nach kamen auch ein paar andere Leute zur Lodge und gegen 16 Uhr war auch Pricsilla, die Schulsekretärin da. Wir blieben noch ein bisschen in der Tunduzi Lodge und gingen dann ca. 50 Meter weiter zur Vipya Lodge.

Tunduzi Lodge
Priscilla (vorne), Gladys (links), Julia und ich

Gegen 17:15 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück und nach ca. 20-minütigem Fußweg erreichten wir die Straße, wo wir uns in ein Sammeltaxi setzten. Dieses fuhr allerdings wieder dorthin zurück, wo wir hergekommen waren, nachdem zwei andere Männer eingestiegen waren. Sie wollten nämlich Taschen mit frisch gefischten Fischen mitnehmen, die sie zum Markt nach Uliwa bringen wollten. Die Fracht wurde also eingeladen und es ging Richtung nach Hause. Als wir um kurz nach 18 Uhr wieder da waren (mittlerweile war es dunkel), setzten wir alle vier uns ins Wohnzimmer und Julia und ich kochten Nudeln. Bald nach dem Essen gingen Gladice und Priscilla nach Hause und kurz darauf kamen Euleka und Cliffort (sowie zwei von ihren jüngeren Geschwistern) und wir verbrachten den restlichen Abend zusammen.

Sonntag, 22. September

Wir standen früh auf, weil wir heute mit der Familie von Cliffort und Euleka in die Kirche gehen wollten. Diese gingen jeden Samstag und Sonntag Vormittag für ein paar Stunden dorthin. Nachdem wir drei mal in der katholischen Kirche gewesen waren, ohne etwas zu verstehen, hatten wir nicht mehr so viel Lust darauf, jede Woche dorthin zu gehen. Außerdem gibt es hier sehr viele verschiedene Kirchen, und wir fanden es interessant, herauszufinden wie diese sich unterschieden, da Religion hier doch einen großen Teil der Kultur ausmacht. Die Kirche unserer Nachbarn nennt sich „Bible Believers Church“ und wie in vielen anderen Kirchen auch, wird die Messe dort auf English gehalten und gleichzeitig auf Chitumbuka übersetzt.

Wir machten uns also gegen 7:30 Uhr auf den Weg und erreichten nach ca. 45 Minuten Fußweg die Kirche. Diese war um einiges kleiner, aber auch gemütlicher, als die katholische Kirche. Wir wurden direkt freundlich von einem Mann begrüßt, der uns auch gleich zeigte, wo wir uns hinsetzen konnten. Wie auch in der katholischen Kirche saßen die Frauen auf der einen Seite und die Männer auf der anderen. Die Messe in dieser Kirche dauert ziemlich lang. Bis 8:30 Uhr war Meditation: es wurde angenehme Musik abgespielt und alle beschäftigten sich still mit ihren Gedanken und Gebeten. Kurz darauf wurden mit instrumentaler Begleitung einige Lieder auf English gesungen. Anschließend begann die Predigt, die mindestens zwei Stunden dauerte.

Die Bible-Beliebers Church zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Bibel und was darin steht sehr ernst genommen wird, das alte sowie das neue Testament.

”We believe in the bible from cover to cover.“

An sich empfand ich die Stimmung in der Kirche als sehr schön, vor allem wenn gesungen wurde. Auch von der Predigt konnte ich ein paar Dinge ganz gut nachvollziehen, manchen würde ich jedoch auch widersprechen. Es wurde sehr viel davon geredet, sich für die Seite Gottes zu entscheiden und sich nicht vom Teufel verführen zu lassen. Dabei wurden immer mal wieder einzelne Verse von verschiedenen Stellen aus der Bibel zitiert. Gegen 12 Uhr (mittlerweile war es echt langsam anstrengend geworden) war die Messe vorbei und wir verließen die Kirche. Wir machten uns auf den Weg nach Hause, wo wir um kurz vor 1 ankamen und von Nyapeti gleich Nsima mit Gemüse angedreht bekamen. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir zuhause und schliefen auch ein bisschen. Gegen 17 Uhr machten wir einen kleinen Abendspaziergang, während die Sonne rot am Himmel leuchtete.

Beim spazieren gehen

Am Abend aß ich ein bisschen Nsima mit den Nachbarn direkt hinter uns, Julia hatte keinen Hunger. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, den Unterricht für morgen vorzubereiten.

Ich hab’s endlich mal geschafft, ein Foto zu machen. Darf ich vorstellen: Nsima Yamayao (mit Cassava-Mehl) mit Somba (Fisch) und Mphamgwe (Gemüse- wir glauben Mangold
Und so sieht das ganze am Teller aus (gegessen wird mit den Händen)

Join the Conversation

  1. Avatar von Unbekannt
  2. Avatar von emiliasemper

4 Comments

  1. Das war wieder einmal alles so interessant, sag, verträgst du das Essen immer gut und was wird dazu getrunken? BUSSL Oma und Opa

    Gefällt 1 Person

    1. Ja ich hab bis jetzt echt alles vertragen. Eigentlich wird immer Wasser dazu getrunken, uns wurde in der Früh schon zwei, drei mal Tee angeboten (der besteht dann aber zu 70% aus Zucker) und ein traditionell malawisches Getränk ist Chindongwa (aber da weiß ich nicht genau was das ist, das hatten wir glaub ich auch zwei mal bis jetzt) und manchmal gibts Softdrinks (Cola, Fanta, etc. aber eher wenn wir beim Direktor sind als bei unseren Nachbarn).

      Like

      1. Gut, dass das so ist, gibt es kein Besteck oder ist das Essen mit den Fingern traditionell, übrigens so, wie bei uns im Mittelalter!

        Like

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse eine Antwort zu Edda schmidpeter Antwort abbrechen

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten