Donnerstag, 15. August
Lilongwe
Gegen 17 Uhr kam Renata zu uns ins Mabuya Camp. (An dieser Stelle eine kleine Korrektur zum Post von gestern: das Camp befindet sich nicht 40 Minuten von Lilongwe, sondern vom Flughafen Lilongwe entfernt. Das Camp ist eigentlich mitten in der Stadt.)
Renata ist eine Polin, die in Deutschland studiert hat und mittlerweile seit 12 Jahren mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Malawi lebt. Sie arbeitet für die Welthungerhilfe, war anfangs aber bei weltwärts angestellt und hat unsere Projektstelle an der Tawuka School mit gegründet. Außerdem hat sie für uns das Zimmer im Camp und unsere Weiterfahrt organisiert.
Sie lud uns auf ein Bier ein, das wir auf der Bank vor unserer Hütte tranken, während wir uns mit ihr unterhielten. Renata war sehr nett und hatte einige Tipps für uns parat. Weil es mittlerweile schon Abend geworden war, kauften Julia und ich uns jeder eine Portion Bohnen mit Reis für je MK 3000 (umgerechnet ca. 3,60€), die sehr gut schmeckten. Renata verabschiedete sich für die Nacht mit dem Versprechen uns am nächsten Morgen abzuholen.
Nach dem Essen gingen Julia und ich schon bald ins Bett unter unsere Moskitonetze, auch wenn es erst ca. 20 Uhr war. Es fühlte sich aber an, als wäre es um einiges später, weil es schon seit ca. 18 Uhr dunkel war und wir außerdem eine lange Reise hinter uns hatten. Zusätzlich passten wir uns so auch gut an die lokalen Schlafgewohnheiten an: nach Renatas Erzählung ist Lilongwe die afrikanische Hauptstadt, die am frühesten schlafen geht.
Freitag, 16. August
Am nächsten morgen um kurz nach fünf wurden wir von dem Gebetsruf der angrenzenden Moschee geweckt, was ganz gut war, weil wir sowieso so früh aufstehen wollten. Renata hatte angekündigt uns gegen 6:15 Uhr abzuholen und zur nicht weit entfernten Busstation im Zentrum von Lilongwe zu bringen.
Gegen 6:30 Uhr kamen wir dort an und stiegen in einen „Sososo“ Reisebus Richtung Mzuzu. (Mzuzu liegt ca. 5 Stunden nördlich von Lilongwe und ist die nächste Großstadt von Chilumba aus.)
Bevor der Bus sich um 7:00 Uhr auf den Weg machte, wurde die Wartezeit mit einem gemeinsamen Gebet überbrückt- ein Beweis für das, was ich schon von vielen gehört hatte: das ein sehr großer Teil der malawischen Bevölkerung christlich war. Dazu passte auch die Aufschrift auf der Windschutzscheibe des Busses: „GLORY BE TO GOD“.
Wir verließen Lilongwe. Von einem Hügel bekam man noch einmal einen guten Blick auf die Hauptstadt mit dem riesigen Fußballstadion, das alle anderen Gebäude bei weitem überragt. Am Anfang unserer Fahrt kamen wir an vielen Märkten und kleinen Dörfern vorbei, wo auch schon zu so früher Stunde viel los war. Auch hier bestätigte sich etwas, was ich schon in Erzählungen gehört hatte: das sich der Schlafrhythmus vieler Malawier stark an der Sonne orientierte (also früh aufstehen und früh schlafen gehen).
Während der Fahrt ging einer der beiden Busfahrer durch und verteilte ein kleines Frühstück, was aus einer Art Mini-Donut, einem Muffin und einer Flasche Wasser bestand. Je weiter wir nach Norden kamen, desto hügeliger und grüner würde es.
Mzuzu
Nach fünf Stunden Fahrt kamen wir um 12 Uhr in Mzuzu an, wo uns Felix, der Direktor der Tawuka School zusammen mit dem Fahrer Joha abholte. Sie waren beide sehr nett und gingen mit uns in ein kleines Restaurant, wo wir zu Mittag aßen. Dort erzählte Felix uns unter anderem, dass gerade Ferien waren und die Schule erst in genau einem Monat, am 16. September anfangen würde. Wir hatten also reichlich Zeit uns einzugewöhnen und die Umgebung kennenzulernen, bevor wir mit unserer eigentlichen Arbeit anfangen würden. Als wir mit dem Essen fertig waren, fuhren wir zur Mall of Mzuzu und gingen in einen sehr großen Supermarkt („Shoprite“), weil Felix einen Rasensprenger kaufen wollte. Im Shoprite gab es alles zu kaufen, von Lebensmitteln über Campingsessel bis zu Koffern und Spielzeug.
Gegen 14 Uhr machten wir uns schließlich weiter auf den Weg Richtung Chilumba. Vor uns lag eine ca. 3- stündige Autofahrt, die uns auch durch die Berge führte. Dort begegneten wir dem Highlight unserer Reise: Paviane, teilweise auch mit Jungen, die entspannt am Straßenrand hockten, oder neben dem Auto herliefen, um die Bananenschale zu ergattern, die Felix ihnen zuwarf.
Kaum hatten wir die Affen hinter uns gelassen, kam die nächste Sehenswürdigkeit. Wir waren jetzt oben auf den Bergen angekommen und fuhren auf der anderen Seite wieder hinunter, sodass wir einen perfekten Blick auf den Malawisee hatten. Ein See so groß, dass er nicht von einem Meer zu unterscheiden ist. Den Rest der Strecke fuhren wir am See entlang, bis wir schließlich gegen 17 Uhr Chilumba erreichten.
Chilumba
Der Direktor und Joha brachten uns zu unserem neuen Zuhause: einem kleinen Haus, umgeben von Feldern, mit 3-4 Häusern in unmittelbarer Nähe und einer Sandpiste die dort hinführte. Innen gibt es ein relativ großes Wohn-/Esszimmer, ein Schlafzimmer für jede von uns, ein Gästezimmer und ein Badezimmer.
In dem Haus warteten bereits unsere Mentorin Mary, die wir bereits aus Bonn kannten, unsere direkte Nachbarin Nyapeti, und unsere Katze, die unsere Vorfreiwilligen für uns dagelassen hatten. Mary lief auf uns zu und umarmte uns fröhlich und Nyapeti fing an, zu tanzen. Nach und nach kamen auch immer wieder neue Nachbarn vorbei, die uns freundlich begrüßten, sich vorstellten und dann wieder gingen.
Kurze Zeit später gingen wir zum Haus des Direktors (Felix), um dort mit ihm, seiner Frau und Mary zu Abend zu Essen. Es gab Reis mit Tomatensoße, gekochten Eiern, einem grünen spinatartigen Gemüse und Huhn (was ich aber nicht aß)- ein typisch malawisches Essen wie uns erzählt wurde. Nach dem Essen betonte Felix, dass sein Haus auch unser zweites Zuhause war, und wir jederzeit vorbeikommen konnten, wenn wir Lust hatten.
Generell waren alle unserer Nachbarn bisher sehr freundlich gewesen und hatten uns das Gefühl gegeben, willkommen zu sein.
Mary und Felix‘ Enkel brachten uns den ca. 10-minütigen Fußweg zurück durch die Dunkelheit. Wieder zuhause angekommen, richteten Julia und ich uns in unseren neuen Zimmern ein und gingen dann irgendwann ins Bett, bereit für die erste Nacht in unserem neuen Zuhause, nachdem wir ca. 50 Stunden unterwegs gewesen waren.
Mogone Makora!
(„Gute Nacht“ auf Chitumbuka)



Wow Emilia! Das ist ja schon einmal toll zu lesen. Ich freu mich sehr, dass dein erster Eindruck so positiv war. Alles Liebe und viel Spaß beim Eingewöhnen 😘 Birgit
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